Do., 27.01.2022 , 19:09 Uhr

Lieferengpässe verlangsamen die Arbeit von Bayerns Handwerkern

Wer derzeit einen Handwerker braucht, muss häufig lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Daran wird sich in nächster Zukunft wohl auch nicht allzuviel ändern.

Lieferengpässe und Nachschubprobleme verlangsamen die Arbeit der bayerischen Handwerker: Zum Ende des vergangenen Jahres hatten die Betriebe im Schnitt Aufträge für die nächsten neuneinhalb Wochen in den Büchern stehen. Das war ein neuer Rekord und noch eine Woche mehr als im Vorjahr, wie der Bayerische Handwerkstag am Donnerstag berichtete.

Wegen fehlender Materialien könnten manche Handwerksbetriebe die Nachfrage nicht in dem Tempo bedienen, wie es bei intakten Lieferketten der Fall wäre. Abgesehen davon arbeiten insbesondere die Bauhandwerker weiter an der Kapazitätsgrenze. Andere Handwerksberufe haben wiederum mit pandemiebedingten Einbrüchen zu kämpfen: 

«Bei Kosmetikern, Fotografen, Friseuren oder Orthopädietechnikern hat die Pandemie finanziell tiefe Spuren hinterlassen»,

sagte Franz Xaver Peteranderl, der Präsident des Bayerischen Handwerkstages.

Aber auch die Geschäftslage vieler Betriebe mit vollen Auftragsbüchern ist offenbar nicht so gut, wie zu erwarten wäre.

«Die teils enormen Preissteigerungen bei Holz, Metallen oder Kunststoffen sowie die massiv gestiegenen Energiekosten haben viele Betriebe stark belastet»,

sagte Peteranderl.

Nach vorläufigen Zahlen setzten die 209 000 Handwerksbetriebe im Freistaat im vergangenen Jahr gut 131,6 Milliarden Euro um. Nominal wäre das laut Handwerkstag ein Plus von 3,2 Prozent - nach Abzug der Preissteigerungen jedoch ein reales Minus von gut einem Prozent.

 

Handwerker pessimistisch

Für den Jahresauftakt sind viele Handwerker demnach eher pessimistisch. Nur 9 Prozent erwarten bessere Geschäfte, 21 Prozent hingegen schlechtere. Allerdings war der Pessimismus vor einem Jahr noch ausgeprägter. Peteranderl geht davon aus, dass Materialengpässe das Handwerk voraussichtlich noch das ganze Jahr begleiten werden. Die Umsätze könnten laut Prognose aber dennoch um gut vier Prozent steigen, wobei die Inflation nicht eingerechnet ist.

Dauerthema bleibt der Lehrlingsmangel.

«Wir können eigentlich für kein Gewerk Entwarnung geben», sagte Hauptgeschäftsführer Frank Hüpers. Im vergangenen Jahr stellten Bayerns Handwerker 31 600 neue Azubis ein, geringfügig weniger als im Vorjahr. Doch würden nach Hüpers' Worten viele Betriebe mehr Lehrlinge einstellen, wenn sie willige Bewerberinnen und Bewerber fänden.

Besonders fehlt der Nachwuchs demnach Bau- und auch Lebensmittelhandwerkern - Bäckern, Metzgern und Konditoren.

«Das geht soweit, dass manche Filialen schließen müssen, weil das Personal nicht mehr zur Verfügung steht»,

sagte Peteranderl.

Ein Problem für die Betriebe ist demnach auch, dass Gesellen beziehungsweise Facharbeiter nach erfolgreicher Handwerksausbildung in die Industrie wechseln. Das ist zwar kein neues Phänomen, aber die Handwerker könnten wegen fehlender Bewerber nicht mehr wie ehedem über den eigenen Bedarf hinaus ausbilden, wie Küpers erläuterte.

 

dpa/JM

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