Landrat Christian Schindler, Verwaltungsratsvorsitzender der Regionalwerke, betonte: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber unsere Verantwortung für die Städte und Gemeinden ist klar: Wir dürfen mit öffentlichen Mitteln kein wirtschaftliches Risiko eingehen, das nicht mehr vertretbar ist. Diese Linie setzen wir angesichts der neuen fachlichen Erkenntnisse konsequent fort.“
Auch Stefan Baumgartner, Sprecher der Bürgermeister, unterstrich die Tragweite der Entscheidung: „Wir haben uns nach intensiver Debatte schweren Herzens dazu entschlossen, das Projekt wirtschaftlich nicht mehr in der bisherigen Form weiterzuführen. Von uns wird erwartet, sorgsam mit Steuermitteln umzugehen – und derzeit ist es nicht darstellbar, den Windpark zu realisieren.“
Die mehr als vierstündige Sitzung war eine echte Marathonrunde: Alle 37 Gemeinden waren mit ihren Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, Stellvertreterinnen und Stellvertretern sowie den Geschäftsleitungen vertreten und haben sachlich, konstruktiv und auch kritisch miteinander diskutiert.
Schwierige Rahmenbedingungen und neue Erkenntnisse
Vorstand Martin Ritt erläuterte die neuen fachlichen Erkenntnisse: „Ein entscheidender Wendepunkt ergab sich durch neue, gutachterlich geprüfte Windmessungen. Diese zeigen, dass an 9 der 12 Standorte die erwarteten Erträge deutlich unter den bisherigen Annahmen liegen. Bei den Messungen für die nördlichen Windparks lagen die Werte teils mehr als 20 Prozent unter denen des Bayerischen Windatlas, der als branchenübliche Datengrundlage für die Ermittlung der Potenzialflächen zur Projektentwicklung diente.“ Die Messungen wurden mittels moderner LiDAR-Technologie durchgeführt und bilden eine verlässliche Grundlage für die wirtschaftliche Bewertung der Projekte. Die Messreihe startete im November 2025 und lieferte im Mai 2026 erste belastbare Ergebnisse.
Die gesunkenen EEG-Vergütungssätze sowie eine verschärfte Wettbewerbssituation bei den Ausschreibungen verschlechtern die Prognosen bereits seit Anfang des Jahres deutlich. So sind die Zuschlagswerte in der Februarausschreibung auf rund 5,5 Cent pro Kilowattstunde gesunken. Gleichzeitig war die Ausschreibungsrunde mehr als doppelt überzeichnet – nur 439 von 924 Geboten erhielten einen Zuschlag. Dabei zeigt sich eine deutliche regionale Schieflage: Rund 98 Prozent der Zuschläge entfielen auf Nord- und Mitteldeutschland, während Bayern und Baden-Württemberg zusammen lediglich etwa 2 Prozent erhielten. Diese Entwicklung benachteiligt insbesondere Projekte im süddeutschen Raum erheblich.
Als sich die Kooperation zwischen der Firma Bögl und den Regionalwerken im Dezember 2024 anbahnte, erreichte die EEG-Vergütung mit 7,35 Cent ihren Höchstwert, berichtete Projektleiter Florian Franz dem Verwaltungsrat: „Dieses Niveau werden wir nach unserer Einschätzung nicht wieder erreichen. Deshalb haben wir empfohlen, die Windkraftprojekte in den nördlichen Bereichen nicht nur auf Eis zu legen, sondern vollständig abzubrechen, um größeren wirtschaftlichen Schaden für die Bürgerinnen und Bürger zu vermeiden.“ Die Regionalwerke kamen in der gemeinsamen Bewertung der Vorhaben mit der Firma Bögl daher zu einem klaren Ergebnis: In der bisherigen Struktur sind die Projekte wirtschaftlich nicht darstellbar.
Nördliche Projekte eingestellt – südliche Standorte werden weiterentwickelt
Vor diesem Hintergrund hat der Verwaltungsrat den Vorstand beauftragt, die notwendigen Schritte für eine geordnete Abwicklung der Regionalwerke vorzubereiten. Dies umfasst auch eine einvernehmliche Aufhebung der Zusammenarbeit mit der Firma Bögl, die ohne gegenseitige Ansprüche oder finanzielle Nachteile erfolgen soll. Eine Fortführung der Regionalwerke – etwa im Stand-by-Modus oder durch eine Neuausrichtung – wurde geprüft, jedoch verworfen. Gründe sind unter anderem die bereits eingestellte Photovoltaik-Projektentwicklung, fehlende personelle Strukturen sowie die fehlende wirtschaftliche Perspektive für neue Projekte.
Auch eine alleinige Fortführung auf Basis der südlichen Standorte ist nicht darstellbar, da die Unternehmensstruktur der Regionalwerke auf eine deutlich größere Projektanzahl ausgelegt ist. Die Planungen für die nördlichen Standorte mit den Windparks Pemfling-Waffenbrunn und Pemfling-Rötz sowie insgesamt neun geplanten Windenergieanlagen werden damit vollständig eingestellt.
Kommunale Mitgestaltung bleibt gewährleistet
„Ein zentrales Ziel bleibt es, die bereits geschaffenen Werte für die kommunale Familie zu sichern. Für die südlichen Standorte im Windpark Michelsneukirchen-Schorndorf laufen daher Gespräche zur weiteren Projektentwicklung mit Beteiligung des Landkreises sowie der Standortkommunen Michelsneukirchen und Schorndorf. Dabei ist es gelungen, eine Perspektive zu schaffen, sodass die Kommunen weiterhin am Ausbau erneuerbarer Energien partizipieren und zugleich ein Wildwuchs dritter Investoren verhindert wird“, so Landrat Schindler.
Weitere Schritte und Ausblick
In den kommenden Wochen sollen gemeinsam mit den beteiligten Kommunen offene Fragen geklärt werden. Dazu zählen insbesondere der Umgang mit Flächensicherungsverträgen sowie die konkrete Ausgestaltung und der Zeitplan der Abwicklung.
Landrat Schindler dankte allen beteiligten Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen, den Mitarbeitenden der Regionalwerke, den Partnern der Firma Bögl sowie weiteren Akteuren, die diesen Schritt ermöglicht haben: „Heute ist ein Tag der Gewissheit für den Landkreis. Ein Tag, der zeigt, dass wir gemeinsam Verantwortung für unsere Region übernehmen können – auch wenn die Herausforderungen groß sind. Die Idee der Regionalwerke – regionale Energieerzeugung, kommunale Wertschöpfung und Mitgestaltung der Energiewende – bleibt richtig. Dafür braucht es jedoch verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere für die kommunale Ebene.“
Dabei stellte der Landrat klar: „Eine endgültige Entscheidung über die Auflösung wurde heute noch nicht getroffen. Jetzt geht es zunächst um eine sorgfältige Vorbereitung und Prüfung. Die abschließende Entscheidung liegt bei den zuständigen Gremien.“
Mitteilung Landkreis Cham