Im Landkreis Cham werden rechnerisch inzwischen 81 Prozent des jährlichen Strombedarfs durch erneuerbare Energieträger gedeckt. 2019 lag dieser Anteil bei 69 Prozent. Das wurde am Freitag, 23.10.2026, im Ausschuss für Umwelt und Regionale Entwicklung bei der Vorstellung der Bestandsanalyse für den Energienutzungsplan plus bekannt. Außerdem ging es um die Klimaanpassung im Landkreis.
„Mit dieser Entwicklung liegt der Landkreis deutlich über dem Durchschnitt“, erklärte Maximilian Conrad bei der Vorstellung der Bestandsanalyse. Der Landkreis Cham erstellt den Energienutzungsplan plus gemeinsam mit dem Institut für Energietechnik IfE an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Grundlage ist der 2023 abgeschlossene digitale Energienutzungsplan. Ziel ist es, die bestehende Analyse weiter zu vertiefen und dem Landkreis ein verlässliches Steuerungsinstrument für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien an die Hand zu geben.
Der Ausbau erfolgte in den vergangenen Jahren in hohem Tempo. Nun gehe es darum, die weitere Entwicklung mit Netzausbau und Speicherlösungen abzustimmen. „Die Zeiten, in denen wir uns einen unkoordinierten Ausbau erlauben können, sind vorbei“, betonte Conrad. Deshalb untersucht der Energienutzungsplan plus insbesondere die zeitliche Verfügbarkeit der verschiedenen Energieträger im Jahresverlauf.
Der Landkreis hat seinen Kommunen bereits ein kommunenscharfes GIS-System zur Verfügung gestellt. Es führt die relevanten Daten zu Strom, Wärme und Mobilität zusammen. Es soll nun mit einem Modell zur Netzsimulation ergänzt werden, das die Versorgung für jeden Zeitpunkt des Jahres erfasst. Das ist die Grundlage für die weitere Planung von Netzausbau und Speicherlösungen.
Den größten Anteil an der erneuerbaren Stromerzeugung haben PV-Dachanlagen sowie Biomasse- und Blockheizkraftwerke. Zusammen kommen sie auf knapp 90 Prozent. Es folgen Wasserkraft und Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Allein zwischen 2024 und 2026 sind neue Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 76 MWp hinzugekommen.
Auch bei der Wärmeversorgung wächst der Anteil erneuerbarer Energien. Zwar wird derzeit noch rund die Hälfte der Wärmemenge mit Heizöl gedeckt. Der Anteil regenerativer Energien ist aber von 23 Prozent im Jahr 2019 auf inzwischen 30 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu anderen Regionen sei dies ein überdurchschnittlich hoher Wert, stellte Conrad fest. Eine große Rolle spielt dabei Holz als Energieträger.
Der jährliche Wärmeverbrauch liegt bei rund 1,87 Milliarden Kilowattstunden und damit mehr als dreimal so hoch wie der Stromverbrauch. Etwa zwei Drittel davon entfallen auf Wohngebäude. Hier liegt deshalb ein wesentlicher Hebel für den weiteren Umbau der Wärmeversorgung.
Auch die Mobilität wird kommunenscharf untersucht. Ihr Energieverbrauch wird bislang überwiegend durch fossile Kraftstoffe gedeckt und liegt bei rund 843 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Hinzu kommen etwa 19 Millionen Kilowattstunden Strom. Untersucht werden soll nun, wie sich der Ausbau der Elektromobilität auf Energiebedarf, Stromerzeugung, Netze und Ladeinfrastruktur auswirkt.
Als nächste Schritte werden Einsparpotenziale und die weitere Entwicklung des Energieverbrauchs untersucht. Bis zum Frühjahr 2027 soll daraus ein Maßnahmenkatalog für die weitere Energiewende im Landkreis entstehen. „Auch die Potenziale weiterer Windkraftanlagen werden auf Grundlage der Windkraftvorranggebiete und ihrer tatsächlichen Realisierbarkeit berücksichtigt“, erläuterte Conrad auf Nachfrage von Kreisrat Thomas Schwarzfischer.
Neben der Energiewende beschäftigt sich der Landkreis Cham mit der Frage, wie er sich auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten kann. Seit 1951 ist die mittlere Jahrestemperatur im Landkreis um rund 2,2 Grad Celsius gestiegen, die Zahl der Hitzetage um durchschnittlich 8,4 Tage pro Jahr. Hitze, Trockenheit, Starkregen und lokale Überflutungen stellen Bevölkerung, Landwirtschaft, Natur und Infrastruktur vor wachsende Herausforderungen.
Klimaanpassungsmanagerin Patricia Künzig berichtete, dass bereits eine umfangreiche Datengrundlage geschaffen wurde. Neben Klima- und Geodaten werden unter anderem Einsatzdaten der Feuerwehren ausgewertet. Sie zeigen, dass Extremwetter den Landkreis je nach Jahr sehr unterschiedlich trifft.
Über den digitalen Klimamonitor gingen 504 Meldungen ein. 82 Prozent davon betreffen Hitze und Trockenheit. Häufig genannt wurden Hitzebelastungen an Schulen, fehlende Verschattung und der Wunsch nach mehr Begrünung. Auch in Kindertageseinrichtungen gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung.
Aus den Daten sollen nun konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Dazu zählen beispielsweise Entsiegelung und Begrünung, kleine „Tiny Forests“, zusätzliche Verschattung, begrünte Pergolen, Refill-Angebote für Trinkwasser sowie Regenwasserspeicherung und baulicher Sonnenschutz.
Als nächste Schritte sind vertiefte Geodatenauswertungen, Befragungen und Workshops vorgesehen. Darauf aufbauend sollen besonders verwundbare Bereiche identifiziert und Maßnahmen priorisiert werden. Das Klimaanpassungskonzept soll bis zum Sommer 2028 fertiggestellt werden.
Landrat Christian Schindler dankte den Referenten für die geleistete Arbeit: „Dieser Hitzesommer hat erneut deutlich gemacht, vor welchen klimatischen Herausforderungen wir stehen. Das spiegelt sich auch in den Rückmeldungen der Bürgerbeteiligung wider.“ Umso wichtiger sei es, auf einer soliden Datengrundlage wirksame Maßnahmen für die Zukunft zu entwickeln.
Pressemitteilung Landkreis Cham / MF