Mo., 01.03.2021 , 08:25 Uhr

Krisendienst Bayern startet am 1. März

Heute starten in ganz Bayern die Krisendienste. Unter einer kostenlosen Rufnummer können sich Menschen in psychosozialen Notlagenhelfen lassen. Der Krisendienst Bayern ist das erste flächendeckende Angebot in Deutschland. Bislang stand dieser Dienst nur in einzelnen Städten oder Regionen der Bundesregierung zur Verfügung

Eine Trennung, der Tod eines Angehörigen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine schwere Krankheit – all das kann eine Krise auslösen und so belastend werden, dass sie nicht mehr allein, mit Hilfe der Familie oder im Freundeskreis zu bewältigen ist. Auch chronisch psychisch kranke Menschen können immer wieder in krisenhafte Situationen geraten, in denen sie qualifizierte Hilfe benötigen. Das kann Betroffene und ihr soziales Umfeld vor große Herausforderungen stellen. Wo bekomme ich Hilfe, um aus diesem Zustand herauszufinden?

Antworten erhalten Betroffene bei den Krisendiensten Bayern, die am 1. März 2021 bayernweit starten. Dahinter verbirgt sich ein psychosoziales Beratungs- und Hilfeangebot, das Menschen in psychischen Krisen sowie deren Angehörigen unter der kostenlosen Rufnummer 0800 655 3000 zur Verfügung steht. Vorrangiges Ziel ist es, Menschen in seelischen Notlagen zu unterstützen und mit ihnen gemeinsam einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden.

 

Deutschlandweit erstes flächendeckendes Angebot

Die Einführung der Krisendienste wurde mit dem Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG), das im August 2018 in Kraft getreten ist, beschlossen. Darin wurden die sieben Bezirke mit dem bayernweiten Ausbau von Krisendiensten beauftragt. Für den Präsidenten des Bayerischen Bezirketags, Franz Löffler, ist das eine wegweisende Ergänzung in der psychiatrischen Versorgungslandschaft: „Krisen gehören zum Leben dazu und können jederzeit jeden treffen. Mit den Krisendiensten Bayern sollen Betroffene frühzeitig die Hilfe bekommen, die sie in dem jeweiligen Moment brauchen. Wir bieten damit eine Art ‚Erste Hilfe in seelischen Notlagen‘. Denn durch eine frühe Intervention lässt sich oft eine weitere Zuspitzung vermeiden und verhindern, dass aus einer Krise eine längere Krankheit wird.“

Bisher gibt es Krisendienste nur in einzelnen Städten und Regionen Deutschlands. Mit den Krisendiensten Bayern steht erstmalig ein flächendeckendes Angebot zur Soforthilfe bei psychischen und psychiatrischen Notfällen in einem Bundesland zur Verfügung.

 

Telefonische Krisenhilfe

Die Krisendienste Bayern sind ein Netzwerk aus sieben eigenständigen regionalen Krisendiensten. Das Beratungs- und Hilfeangebot ist dabei in allen Bezirken gleich. Die Krisendienste bestehen aus jeweils einer Leitstelle, die mit Fachkräften besetzt ist. Dort erhalten Betroffene sowie Angehörige und Bezugspersonen telefonische Krisenhilfe. Wenn die telefonische Beratung nicht ausreicht, hilft das Fachpersonal in der Leitstelle den Betroffenen bei der Vermittlung in das medizinische und psychosoziale Versorgungssystem vor Ort, beispielsweise an eine psychiatrische Praxis, den Sozialpsychiatrischen Dienst oder an die Akutstation einer psychiatrischen Klinik – je nach Bedarf. In besonders dringenden Fällen kommen mobile Teams zum Einsatz, die die Anrufenden vor Ort aufsuchen. Diese mobilen Vor-Ort-Einsätze werden von den Fachdiensten der Freien Wohlfahrtspflege und privater Anbieter durchgeführt.

 

Dass die Krisendienste nun endlich an den Start gehen können, ist ein großer Erfolg für die Bezirke und alle beteiligten Kooperationspartner. „Die Krisendienste Bayern leben vom Engagement der beteiligten Akteurinnen und Akteure. Nur mit der tatkräftigen Unterstützung der Betroffenen, der Wohlfahrtsverbände und anderer Anbieter sozialer Dienste, der Politik sowie der Mobilfunkanbieter können wir dieses Projekt stemmen. Das erfüllt mich durchaus mit einem gewissen Stolz“, so Bezirketagspräsident Löffler.

 

Sieben Leitstellen in Bayern

Insgesamt mussten fünf Leitstellen neu aufgebaut werden, da es in den Bezirken Mittelfranken und Oberbayern bereits Krisendienste gab. Die Kosten für die sieben Leitstellen trägt der Freistaat Bayern. Im aktuellen Doppelhaushalt wurden dafür insgesamt über 18 Millionen Euro vorgesehen. Die Finanzierung der mobilen Einsatzteams und aller sonstigen Kosten, wie zum Beispiel für den Aufbau von Netzwerken, in mindestens der gleichen Höhe wird von den Bezirken geschultert. „Mittelfristig wäre es allerdings wünschenswert“, so Verbandspräsident Franz Löffler, „wenn der Bundesgesetzgeber die Voraussetzungen dafür schaffen würde, dass Krankenkassen an der Finanzierung mitbeteiligt werden können. Denn durch eine frühe Intervention können Krankenhausaufenthalte verhindert und dadurch Kosten eingespart werden.“

 

Die Weichen für die Krisendienste Bayern sind nun aber erst einmal gestellt. Für Verbandspräsident Franz Löffler ist der Startschuss ein besonderer Anlass zur Freude: „Wir haben viel Arbeit und Kraft in den Aufbau der Krisendienste Bayern investiert. Ich freue mich, dass wir endlich loslegen können und hoffe, dass dieses Angebot in allen bayerischen Bezirken gut angenommen wird“, so Bezirketagspräsident Löffler.

 

Krisendienst Oberpfalz

Der Krisendienst Oberpfalz  wird durch den Bezirk Oberpfalz und den Freistaat Bayern finanziert und hat seine Leitstelle in Schwandorf.

Ein Anrufer aus der Oberpfalz ruft aber nicht irgendwo in Bayern an, sondern eine spezielle Software stellt zur Krisendienst-Leitstelle in Schwandorf durch. Dort leistet ein Team von Psycholog:innen, Sozialpädagog:innen sowie psychiatrische Fachpflegekräfte Akuthilfe durch Gespräch und Beratung. „Es gibt für uns keine Lexikon-Definition für eine Krise. Damit ist Krise das, was ein Mensch für sich als Krise empfindet. Wir werten nicht, sondern hören zu und versuchen, einen passgenauen nächsten Schritt einzuleiten“, sagt Geschäftsführer Jens Scheffel. Das Angebot des Krisendienstes richtet sich nicht nur an direkt Betroffene, auch Angehörige, Bezugspersonen und Hilfesuchende aus dem sozialen Umfeld können im Bedarfsfall miteinbezogen werden.

 

In dringenden Fällen kommen zur weitergehenden Abklärung oder Intervention zusätzlich mobile Kriseninterventionsteams zum Einsatz. Diese Teams werden im Sommer an den Start gehen und in der gesamten Oberpfalz verteilt sein, so dass ein schneller Einsatz vor Ort gewährleistet ist. Anfangs ist der Krisendienst Oberpfalz werktags und an den Wochenenden von 09:00 bis maximal 21:00 Uhr erreichbar.

Ab dem 01. Juli 2021 steht die bayernweite, zentrale Rufnummer 0800 655 3000 dann rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung.

 

Weitere Infos finden Sie unter www.krisendienste.bayern

 

 

Bezirk Oberpfalz/Bayerischer Bezirketag/MB

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