Mi., 03.02.2016 , 08:37 Uhr

Kleinkindbetreuung: Bayern immer noch unter Bundesdurchschnitt

Bayern schneidet bei der Betreuung von Kleinkindern immer noch schlechter ab als die meisten anderen Bundesländer. Lediglich 27,5 Prozent der unter Dreijährigen besuchen im Freistaat eine Kindertagesstätte oder eine Tagespflege, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Im bundesweiten Durchschnitt sind es dagegen 32,9 Prozent. Damit landet Bayern auf dem drittletzten Platz. Stichtag für die Erhebung der Statistiker war der 1. März 2015.

Bayerns Familienministerin Emilia Müller (CSU) verwies auf die Anstrengungen in den vergangenen Jahren. Seit 2008 sei im Freistaat die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren von 44.000 auf 110.000 gestiegen. «Damit können nahezu alle Kommunen ein bedarfsgerechtes Angebot für die unter Dreijährigen zur Verfügung stellen», sagte die CSU-Politikerin.

Außerdem gebe es ein 87 Millionen Euro schweres Sonderförderprogramm, das Gemeinden bis 2018 beim Ausbau unterstützen soll. Allerdings hält die Regierung auch an der Unterstützung von Familien fest, die ihre ein- und zweijährigen Kinder zuhause versorgen. Sie brachte das Bayerische Betreuungsgeld auf den parlamentarischen Weg. Danach sollen Eltern 150 Euro bekommen.

Von den zehn Landkreisen mit der bundesweit niedrigsten Betreuungsquote liegen acht im Freistaat. Besonders gut versorgt sind Familien in den Städten Erlangen (43,3 Prozent) und Coburg (43,2 Prozent), ebenso wie in den dazu gehörigen Landkreisen. Die Stadt München erreicht mit ihrem Betreuungsangebot 34,3 Prozent der Kinder, der Landkreis München 41,9 Prozent.

Bundesweites Schlusslicht ist der Landkreis Berchtesgadener Land. Hier werden nur 13 Prozent der Kleinen außer Haus betreut. Im Landratsamt in Bad Reichenhall begründete man dies mit der fehlenden Nachfrage. «Im ländlichen Raum in Bayern, vor allem in Oberbayern findet man häufig traditionelle Wertvorstellungen vor. Dazu gehört auch eine Versorgung der Kinder in der eigenen Familie», sagte eine Sprecherin. «Es gibt immer wieder vereinzelten Bedarf an Betreuungsplätzen, jedoch kann dieser seitens der Gemeinden gedeckt werden.» Trotzdem bauten die Gemeinden ihr Angebot weiter aus, nicht zuletzt um Kinder aus Flüchtlingsfamilien aufzunehmen.

Das beste Angebot gibt es in Franken. In allen drei fränkischen Regierungsbezirken wird durchschnittlich etwa jedes dritte Kind unter drei Jahren außer Haus betreut. Oberbayern liegt mit 28,8 Prozent im Mittelfeld, gefolgt von der Oberpfalz (21,9 Prozent). Niederbayern landet mit einer Betreuung von 19,6 Prozent der Kleinkinder auf dem letzten Platz.

dpa

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