Fr., 26.09.2014 , 12:51 Uhr

Hebammenmangel: Klinik Bogen schließt Kreißsaal

Sei kurzem herrscht an der Klinik Bogen ein akuter Personalengpass im Hebammenbereich. Neben dem krankheitsbedingten Ausfall einer Hebamme haben sich zwei erfahrene und beliebte Beleghebammen aus privaten Grünen entschieden, die Klinik Bogen zu verlassen.

Krankenhausträger und Klinik konnten unter der Federführung von Landrat Josef Laumer und stellvertretendem Landrat Ewald Seifert die Arzt- und Hebammenversorgung bis 30. September sicherstellen. Über diesen Zeitpunkt hinaus lässt sich der Kreißsaalbetrieb aber einstweilen nicht aufrechterhalten.

Trotz intensiver Bemühungen und der Bereitschaft von Krankenhausträger und Klinik, sich an den hohen Haftpflichtversicherungsprämien der Hebammen zu beteiligen und deren Bereitschaftsdienste finanziell abzugelten, hat sich die Personalnot nicht beheben lassen.

Landrat Josef Laumer appelliert in diesem Zusammenhang an die Verantwortlichen der Gesundheitspolitik, den Hebammen, denen sowohl das Wohl werdender Mütter als auch das ihrer Säuglinge anvertraut ist, endlich mehr Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. „Wir laufen ernsthaft Gefahr, in den ländlichen, familiär geführten Krankenhäusern die Geburtshilfestationen und damit Lebensqualität im großen Stil zu verlieren, wenn die beruflichen Rahmenbedingungen des Hebammenstands nicht endlich aufgewertet werden“, warnt Landrat Josef Laumer. Vor allem die in den letzten Jahren rasant angestiegenen Haftpflichtversicherungsprämien machten den Geburtshelferinnen, die tagtäglich massiven Belastungen ausgesetzt seien, in finanzieller Hinsicht zu schaffen. Auch die Berufsvertretungen der Hebammen würden auf die sich mehr und mehr eintrübenden Rahmenbedingungen hinweisen. Bundesweit, so Landrat Josef Laumer, hätten sich seit 2010 mehr als 20 Prozent aller Hebammen aus der Geburtshilfe, dem eigentlichen Kern der Hebammentätigkeit zurückgezogen, was sich vor allem in den Geburtshilfestationen der kleineren Krankenhäuser in einer eklatanten Personalnot niedergeschlagen habe.

Unmittelbar nachdem sich der Personalengpass an der Klinik Bogen im Lauf des Septembers abzuzeichnen begann, hat die Klinikleitung damit begonnen, sowohl national als auch international nach Hebammen zu suchen. Die entfalteten Anstrengungen führten jedoch bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum erhofften Durchbruch. Auch wenn man zwischenzeitlich kompetente Hebammen zur Verstärkung der Geburtshilfeabteilung gewonnen hat, genügen die Neuverpflichtungen noch nicht, um die Geburtshilfeabteilung Tag und Nacht über den 30. September hinaus weiter zu betreiben.

Für den Kreißsaalbetrieb bedeutet dies, dass ab 30. September, 19 Uhr zumindest einstweilen keine Geburten mehr erfolgen können.

Klinikvorstand Walerich Schätz erklärt hierzu: „Wir sind uns dessen bewusst, dass die in der Geburtshilfe tätigen Hebammen hohen Belastungen durch Haftpflichtversicherungsprämien ausgesetzt sind. Dank der Unterstützungszusagen des Landkreises können wir den Hebammen in unserer Klinik jedoch finanziell einen großen Schritt entgegenkommen. Wir haben großräumig alle aktuell tätigen Hebammen kontaktiert und um personelle Verstärkung geworben. Deutschland- und europaweit wurde in einschlägigen Fachzeitungen und über Personalagenturen um Hebammen geworben. Jedoch gestaltet sich die Hebammengewinnung für den Geburtshilfebereich im ganzen Land äußerst schwierig.“

Die in Kontakt mit der Klinik Bogen stehenden Frauenärzte wurden informiert und gebeten, ihre Patientinnen über die aktuelle Situation zu verständigen.

Nach Auffassung von Landrat Josef Laumer ist die vorübergehende Einstellung des Kreißsaalbetriebs ein schwerer Schlag für die werdenden Mütter und für die Gesamtregion. „Auch wenn wir bis zum jetzigen Zeitpunkt das Personalproblem nicht abschließend lösen konnten, werden wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen und weiter nach geeignetem Personal suchen. Unser gemeinsames Ziel ist und bleibt der Fortbestand der hoch geschätzten Geburtshilfeabteilung an der Klinik Bogen. 350 Geburten im Jahr sind Ausdruck der Beliebtheit unserer Geburtshilfestation und spornen uns an, den Kampf um die Aufrechterhaltung dieser medizinischen Einrichtung fortzusetzen“, so Landrat Josef Laumer.

 

pm

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