Sa., 09.01.2021 , 13:00 Uhr

Gemeindetag: Corona wird das Gesicht der Innenstädte verändern

Online-Shopping war schon vor der Corona-Pandemie beliebt. Die Kommunen befürchten aber, dass gerade ältere Kunden nach dem Lockdown weiter online einkaufen und nicht in die Läden zurückkehren.

Wegen der Corona-Pandemie könnten zahlreiche Geschäfte in den Innenstädten schließen und kleinere und mittelgroße Kommunen sich nach Ansicht des Bayerischen Gemeindetags stark verändern. «Ich sehe das Problem, dass die Verbraucher ihre Verhaltensweise verändern», sagte Gemeindetagspräsident Uwe Brandl. Gerade auch Menschen über 50, die in der Vergangenheit die Läden in den Innenstädten noch unterstützt hätten, würden jetzt auch online bestellen. «Das ist die spannende Frage: Orientiert sich die Gesellschaft dann auch wieder um, wenn der Präsenzhandel wieder voll verfügbar ist?»

Es sei zu befürchten, dass ältere Menschen, die jetzt ihre Schuhe im Internet bestellen, dabei bleiben – und nicht wieder in den inhabergeführten Schuhladen in der Kleinstadt gehen, wenn dieser wieder öffnet. «Das ist in der Tat eine Riesensorge, die uns umtreibt, weil dann auch die Gesichter der Städte anders sein werden. Wenn Sie heute keine Schaufenster mehr haben, dann wird die Wohn- und Lebensqualität leiden», sagte der Bürgermeister von Abensberg (Landkreis Kelheim).

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schließungen werden nach Einschätzung Brandls große Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen haben. Gewerbesteuer werde fehlen, durch die Kurzarbeit dürften auch die Einkommenssteuerzuweisungen sinken. «Wir werden intensiv darüber nachdenken, in welchen Bereichen wir Ausgaben tatsächlich verschieben können, wo wir Investitionen abarbeiten müssen», sagte er. Man wolle vermeiden, alles mit Schulden glattzubügeln. Das sei eine kurzsichtige Art und Weise, mit dieser Krise umzugehen. Schließlich müsse das Geld irgendwann zurückbezahlt werden.

Durch die weitgehende Isolation des Einzelnen in der Pandemie leide das Miteinander, sagte Brandl weiter. Die Kommunikationsprozesse hätten sich «dramatisch verändert». Doch die demokratische Entscheidungskultur lebe vom Austausch unterschiedlicher Ideen. «Vieles geht nicht online und in Webinaren. Vieles geht nur, wenn man jemandem gegenübersitzt, dem man in die Augen schauen kann. Das brauchen wir wieder.»

 

dpa

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