Mo., 24.01.2022 , 12:25 Uhr

Gegenwind für SuedOstLink: Landräte wenden sich gemeinsam an Bundesnetzagentur

Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger hat sich zusammen mit den Landräten aus Wunsiedel i. Fichtelgebirge und Landhut an die Bundesnetzagentur gewandt. Es geht um die geplante Stromtrasse SuedOstLink. Diese sei laut wissenschaftlichem Gutachten für eine gesicherte Stromversorgung in Bayern nicht notwendig.

Ist der geplante SuedOstLink erforderlich und alternativlos? Dieser Frage gingen Prof. Dr. Lorenz Jarass (Universität Regensburg) und Dipl.-Ing. Carsten Siebels (Universität Hannover) bereits im Frühjahr 2021 in einem wissenschaftlichen Gutachten auf den Grund. Sie kamen zu dem Schluss, dass der SuedOstLink für eine gesicherte Stromversorgung in Bayern nicht notwendig sei. Die Leitung sei überdimensioniert und werde ohne Kosten-Nutzen-Analyse vorangetrieben. Die Kosten des Leitungsbaus würden nicht berücksichtigt.

Dem Gutachten zufolge müssten zusätzliche Reservekraftwerke in Bayern oder Wasserstoffanlagen zur Verfügung gestellt werden, um für Versorgungssicherheit und Netzstabilität zu sorgen. Bei bundesweiten Dunkelflauten seien dagegen Leitungen, die keine Speicherfunktion hätten, nutzlos. Selbst wenn die Stromverbraucher die vollen Investitionskosten für die Wasserstoffproduktion übernähmen, würden sie um mindestens drei Milliarden Euro gegenüber einem Leitungsbau entlastet. Rechtsanwalt Wolfgang Baumann bemängelte das Vorhaben zudem als europarechtswidrig.

 

Bundesnetzagentur zur Stellungnahme aufgefordert

Nachdem die Ergebnisse des Gutachtens im Rahmen einer hybriden Pressekonferenz einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden waren, wandten sich Landrätin Tanja Schweiger (Landkreis Regensburg), Landrat Peter Berek (Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge) und Landrat Peter Dreier (Landkreis Landshut) im August 2021 gemeinsam an die Bundesnetzagentur und baten um eine Stellungnahme zu den von den Gutachtern vorgetragenen Argumenten.

Das Antwortschreiben der Bundesnetzagentur traf im Herbst 2021 ein. Nach einer internen Bewertung der Inhalte gab man auch den beiden Gutachtern Prof. Dr. Lorenz Jarass und Dipl.-Ing. Carsten Siebels Gelegenheit, die Einschätzungen der Bundesnetzagentur zu erwidern.

„Es ist sehr schade, dass sich die Bundesnetzagentur mit den inhaltlichen Positionierungen nicht stärker auseinandergesetzt hat. Wünschenswert wäre eine Diskussion offener Fragen und Dissenspunkte auf fachlicher Ebene gewesen“, so Landrätin Tanja Schweiger.

Landshuts Landrat Peter Dreier pflichtet dem bei: „Innovative Technologien wie beispielsweise das Pflugverfahren, bei dem die Leitungen naturverträglich und flächenschonend verlegt werden können, wurden zunächst überhaupt nicht berücksichtigt.“

 

 

Landkreis Regensburg: Steigen Strompreise durch den SuedOstLink?
Die Preise für Energie und Wärme steigen momentan immer weiter. Und drei Landräte befürchten eine weitere Steigerung. Denn durch die Landkreise Regensburg, Wunsiedel und Landshut soll der sogenannte SuedOstLink führen. Eine Stromautobahn von Norden nach Süden, die viele Gegner hat. Und die drei Landräte fürchten durch die Baukosten einen weitere Erhöhung der Strompreise für die Anwohner. Jetzt haben sie sich mit einem Brief an die Betreiber gewandt.

 

Erneutes Schreiben an Bundesnetzagentur

Alle drei Landräte sind sich einig, dass unterschiedliche Meinungen zu einem derart wichtigen Thema wie dem SuedOstLink nachvollziehbar sind, haben sich aber nun nochmals an die Bundesnetzagentur gewandt. Sie bitten darum, bei der Argumentation auch künftig zu erwartende Stromkosten unter Berücksichtigung der Bau- und Unterhaltskosten des SuedOstLinks und Alternativen durch den Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort in Bayern zu berücksichtigen.

 

„Wir sind nicht grundsätzliche Gegner jeglicher Form von Stromtrassen, aber wir wenden uns gegen Trassen, die den Strom wenig durchdacht lediglich über weite Strecken von A nach B transportieren. Solche „Stromautobahnen ohne Ausfahrt“ sind aus unserer Sicht keine Lösungen für unsere Energiezukunft. Wir hier im Fichtelgebirge stehen für andere, möglichst dezentrale Lösungen der Energieerzeugung und -versorgung. Dass diese möglich und sinnvoll sind, machen wir seit Jahren mit dem sogenannten Wunsiedler Weg vor“, betont Wunsiedels Landrat Peter Berek.

 

Alternativen seien nicht geprüft worden

Eine dezentrale 100 %-Versorgung durch erneuerbare Energien in Bayern, Deutschland und Europa einschließlich der Entwicklung von Speichertechnologien, werden in der Planung des gesamten Energiesystems nicht in Erwägung gezogen. Die Landräte verweisen in diesem Zusammenhang auf eine vom BUND Naturschutz in Bayern in Auftrag gegebene Studie (100 % erneuerbare Energien für Bayern), erstellt durch den Lehrstuhl für Energiesysteme der Technischen Universität München (LES) und das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE Bayern), Garching.

Herr Dr. Werner Neumann, Arbeitskreissprecher Energie beim BUND, wies bei einer Veranstaltung des „Bürgerdialog Stromnetz“ im Dezember 2021 darauf hin, dass keine Alternativen (wie z. B. der Verteilnetzausbau, eine bessere regionale Strommarktregelungen oder die Umwandlung von Strom in Gase) beim Netzentwicklungsplan bzw. beim Bundesbedarfsplan geprüft worden seien. Seiner Meinung nach wäre diese Versorgungsstrategie voraussichtlich kostengünstiger und würde vor allem die Wertschöpfung in den Regionen lassen. In den Landratsämtern der Landkreise Regensburg, Wunsiedel i. Fichtelgebirge und Landshut erwartet man nun gespannt die neuerliche Stellungnahme der Bundesnetzagentur.

 

 

Statement Tennet zum SuedOstLink:

TVA hat bei Tennet nachgefragt, wie sich der Bau und Betrieb der Leitung SuedOstLink auf den Strompreis beziehungsweise die Netzentgelte auswirken wird. Hier die Antwort:

"Der SuedOstLink wird Bayern mit kostengünstigem Strom aus nord- und ostdeutscher Windenergie versorgen. Gleichzeitig wirkt sich der SuedOstLink mittelfristig kostensenkend auf die Netzentgelte aus, da durch ihn teure Netzeingriffe reduziert werden: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien schreitet zügig voran und soll in den kommenden Jahren noch weiter beschleunigt werden. Für den Transport von kostengünstigem Strom aus Windenergie in den Süden fehlen jedoch die notwendigen Stromleitungen.  Daher kommt es derzeit bundesweit häufig zu Transportengpässen, die das Stromnetz belasten.

Um das Übertragungsnetz stabil zu halten, müssen die Übertragungsnetzbetreiber immer häufiger in das Netz eingreifen. Das hat in erster Linie Auswirkungen auf die Kosten, denn wenn die Übertragungsnetzbetreiber sogenanntes Redispatch oder Einspeisemanagement betreiben, kostet das Geld, welches auf den Stromverbraucher umgelegt wird. Netzeingriffsmaßnahmen verursachen allein im TenneT-Netzgebiet jährliche Kosten in Milliardenhöhe. Im Vergleich dazu sind Investitionen für die Behebung der Netzengpässe – d.h. für den Netzausbau – gering. Bei den von Redispatch und Einspeisemanagement am meisten betroffenen Leitungsprojekten, wie dem SuedOstLink, amortisieren sich die Kosten für den Netzausbau schon nach wenigen Jahren.

Sobald der SuedOstLink in Betrieb geht, werden sich die Netzengpässe und somit auch die Kosten für Netzeingriffe deutlich reduzieren. TenneT wird bei diesem Leitungsneubauprojekt, wie auch bei allen anderen Projekten, die Planung und den Bau der Leitung zudem möglichst kosteneffizient und wirtschaftlich vorantreiben. Dazu sind die Übertragungsnetzbetreiber durch die Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verpflichtet."

 

Hintergrundinfo:

Rund ein Viertel der Kommunen im Landkreis Regensburg sind von der Trassenführung des SuedOstLinks tangiert. Zusammen mit weiteren bayerischen Kommunen wurde ein Arbeitskreis SuedOstLink Ostbayern gegründet, der den betroffenen Kommunen einen Austausch ermöglicht. Auftretende Probleme durch Probebohrungen in noch nicht abgeernteten Feldern oder auch eine Befahrung von geplanten Trassenbereichen trotz nasser Witterung sind nur ein kleiner Teil der Beschwerden. Die kommunale Planungshoheit ist bereits jetzt durch Veränderungssperren eingeschränkt. Grundwasser- und Brunnennutzungen oder auch Bodendenkmäler sind gefährdet.

Weitere Informationen zum SuedOstLink finden Sie hier: https://www.landkreis-regensburg.de/unser-landkreis/aktuelles/suedostlink/

 

 

Landkreis Regensburg/Tennet/MB

Das könnte Dich auch interessieren

23.02.2026 Bayern: Exporte steigen 2025 leicht Bayerns exportabhängige Industrie hat sich im Jahr 2025 trotz schwieriger Bedingungen behauptet. Wie das Statistische Landesamt mitteilte, stiegen die weltweiten Ausfuhren um 0,9 Prozent auf knapp 227 Milliarden Euro. Gleichzeitig legten auch die Importe um 0,9 Prozent auf 229,3 Milliarden Euro zu. Damit bleibt es bei einem – wenn auch vergleichsweise kleinen – Handelsdefizit. Besonders 14.02.2026 Bayern: 95 Millionen Euro Hochwasserhilfe von der EU Bayern hat nach dem verheerenden Hochwasser im Juni 2024 rund 95 Millionen Euro aus dem Europäischen Solidaritätsfonds erhalten. Das bestätigte eine Sprecherin des Finanzministeriums auf dpa-Anfrage. Zuvor hatte die „Augsburger Allgemeine“ darüber berichtet. Den Antrag auf die europäischen Hilfen hatte der Freistaat gemeinsam mit Baden-Württemberg gestellt. 95 Millionen Euro aus dem Europäischen Solidaritätsfonds Mit den 05.02.2026 Konjunkturumfrage: Industrie tastet sich vor, Bau bleibt Sorgenkind Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim zeigt zum Jahresbeginn leichte Aufwärtssignale, jedoch keinen breiten wirtschaftlichen Aufschwung. Grundlage sind die Rückmeldungen von 280 Unternehmen aus der Region. Die Wirtschaftslage stagniert weiterhin, auch wenn sich in einzelnen Branchen vorsichtiger Optimismus bemerkbar macht. Verhaltene Entwicklung in Industrie, Handel und Tourismus „Insgesamt spiegelt unsere Konjunkturumfrage 02.01.2026 Neue Stromleitungen: Bayernwerk startet massiven Netzausbau Das Bayernwerk mit Sitz in Regensburg will in den kommenden Jahren zehntausende Kilometer neuer Stromleitungen errichten. Hintergrund ist der grundlegende Umbau der Stromversorgung in Bayern und Deutschland hin zu erneuerbaren Energien. „Wir bauen bis 2030 ungefähr 40.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungsleitungen, das entspricht einmal rund um den Äquator“, sagte Vorstandschef Egon Westphal der Deutschen Presse-Agentur.