Fr., 07.08.2026 , 16:50 Uhr

Landwirtschaft und Trockenheit

Freistaat lockert finanzielle Zügel für angeschlagene Bauern

Hitze und Trockenheit schmälern die Erträge auf den Feldern, eingebrochene Preise für Schweinefleisch kommen hinzu. Die bayerische Landwirtschaft braucht Hilfe vom Staat. Außerdem stuft das Landwirtschaftsministerium die Versorgungslage mit Futtermitteln als Katastrophenfall ein - das ermöglicht Bio-Bauern, auf nichtökologisches Heu oder Silage auszuweichen.

Die bayerische Staatsregierung hat den Schweinehaltern im Freistaat Entlastungen finanzielle Entlastungen versprochen. «Die Lage der landwirtschaftlichen Betriebe ist ernst – die Schweinehaltung in Bayern steht unter massivem wirtschaftlichem Druck», sagte Finanzminister Albert Füracker (CSU), jahrelang selbst als Vollerwerbs-Landwirt tätig.

Konkret sollen im begründeten Einzelfall betroffene Betriebe steuerliche Stundungen erhalten können. Zudem sollen Einkommensteuer-Vorauszahlungen zügig und unbürokratisch an die tatsächliche aktuelle Ertragslage angepasst werden.

Neben den Schweinehaltern, die vom Verfall der Marktpreise betroffen sind, leiden derzeit viele Bauern unter der Dürre, wie Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner nach einem Gespräch mit Füracker in Nürnberg erklärte.

Auf Bundesebene wollen sich beide dafür einsetzen, dass es zu strukturellen Verbesserungen für die Landwirte kommt. Damit soll die Liquiditäts- und Eigenkapitalsituation der Betriebe gestärkt werden.

 

Bayern lockert wegen Dürre Regeln für Bio-Tierhaltung

Bayern macht angesichts der Knappheit bei Bio-Futter für ökologische Landwirte den Weg frei, auf konventionelle Alternativen auszuweichen. Man habe «die mangelhafte Versorgungslage aufgrund der diesjährigen Dürre als Katastrophenfall im Sinne des europäischen Öko-Rechts anerkannt», teilt das Landwirtschaftsministerium. Dadurch können Ausnahmen für den Ankau konventioneller Futtermittel gewährt werden.

«Wo über Wochen der Regen fehlt, wächst irgendwann auch das beste Futter nicht mehr», betont Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). «Gerade für unsere Bio-Betriebe wird das zum Problem, wenn die eigenen Vorräte knapp werden und auch am Markt nicht genügend Bio-Grundfutter verfügbar ist. In einer solchen Ausnahmesituation müssen wir pragmatisch handeln.»

Die Ausnahmen würden allerdings nur für Rau- und Feldfutter gewährt – das ist beispielsweise Heu oder Silage – heißt es vom Ministerium. Kraftfutter müsse dagegen weiter ausschließlich aus ökologischer Produktion stammen. Zudem müsse nachgewiesen werden, dass kein gleichwertiges ökologisches Futter auf dem Markt verfügbar sei.

Viel zu wenig Regen

Vor dem Zukauf müssen betroffene Bio-Betriebe dies bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft beantragen. Zudem rät das Ministerium den Bauern, auch mit ihren Bioverbänden oder Molkereien zu sprechen, da es bei diesen weiterhin Einschränkungen geben könne.

Basis der Entscheidung ist eine Auswertung der Niederschlagssituation, der zufolge die Niederschläge von März bis einschließlich Juli 2026 in Bayern weit unter dem Durchschnitt lagen. «Zusammen mit Phasen anhaltend hoher Temperaturen führte dies in allen Regionen Bayerns zu einer Dürresituation», heißt es vom Ministerium.

Derzeit reiche die Versorgung mit Bio-Grundfutter in ganz Bayern nicht aus. Daher gelte die Ausnahmeregelung ohne regionale Beschränkung. Die Regelung bleibt in Kraft, bis sich die Versorgungslage wieder verbessert, maximal aber 12 Monate.

 

dpa

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