Vier Männer sollen bei einem Busüberfall im Oktober 2025 in Niederbayern Geld aus Drogengeschäften gestohlen haben. Gegen einen der Tatverdächtigen hat vor dem Landgericht Regensburg der Prozess begonnen. Der 31-Jährige räumte den Sachverhalt in Teilen ein. Es sei jedoch deutlich mehr Geld erbeutet worden, als in der Anklage steht.
Dem Angeklagten werden räuberischer Angriff auf Kraftfahrer, besonders schwerer Raub sowie besonders schwere räuberische Erpressung vorgeworfen.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft lotsten vier Männer mitten in der Nacht einen Kleinbus bei Aiglsbach (Landkreis Kelheim) von der Autobahn 93, täuschen mit rotem und blauem Licht eine Fahrzeugkontrolle vor, um Geld und Dokumente zu stehlen. Dafür sollen sie eigens aus dem baden-württembergischen Ludwigsburg gekommen sein.
Die Männer sollen gewusst haben, dass albanische Drogenhändler immer wieder Geld aus Drogengeschäften mit Reisebussen transportierten, indem sie es darin versteckten oder eingeweihten Busfahrern mitgaben.
In diesem Fall war der Bus von Barcelona über Zürich nach Albanien unterwegs. Mit einer Person in dem Bus sollen die Männer telefonisch Kontakt gehalten haben, um über den Standort informiert zu sein.
Nach dem Anhalten des Busses stiegen der Anklage nach drei der vier Männer aus dem Auto aus und forderten die Insassen – zwei Busfahrer und neun Passagiere – zum Aussteigen auf. Dabei sollen sie sichtbar Waffen getragen haben. Einer der Täter soll einen Passagier aus dem Auto gezogen oder geschubst haben, als dieser seiner Frau und Tochter beim Aussteigen helfen wollte. Verletzt wurde bei dem Überfall niemand.
Der Angeklagte soll mit dem Fahrer gesprochen, sich als Polizist ausgegeben und ihm Führerschein und Fahrzeugpapiere abgenommen haben. Die anderen Männer seien maskiert gewesen und hätten Geld beziehungsweise Wertgegenstande in Höhe von mindestens 36.000 Euro aus dem Gepäckfach genommen. Zudem sollen die Männer einer Passagierin den Personalausweis sowie einem der beiden Fahrer eine am Vordersitz hängende Umhängetasche mit 1.000 Euro abgenommen haben.
Der 31 Jahre alte Angeklagte machte umfangreiche Angaben zu dem Geschehen. Er sei in Ludwigsburg erst einen Tag vor der Tat gegen 5.000 Euro Bezahlung als Fahrer angeworben worden. Die anderen Männer habe er erst wenige Tage zuvor in einer Kneipe kennengelernt.
Seine Aufgabe sei es gewesen, den Busfahrer anzusprechen. Weil er Deutsch spricht, habe er sich glaubwürdig als Polizist ausgeben sollen. Das wiederum sei nicht schwierig gewesen, weil der Busfahrer dann kein Deutsch gesprochen habe. Einer der Männer habe während der Fahrt mehrmals mit einer in dem Bus sitzenden Person telefoniert, diese müsse eingeweiht gewesen sein.
Dass es um illegales Geld aus Drogengeschäften ging, das in dem Reisebus transportiert wurde, habe er gewusst. Jedoch sei er davon ausgegangen, dass in dem Bus lediglich zwei Fahrer sitzen würden und keine Passagiere.
Der Angeklagte schilderte, er habe den Bus in Niederbayern überholt, mit Handzeichen von der Autobahn gelockt, sei zum Busfahrer gegangen und habe durch das Fenster mit ihm gesprochen. Die Aktion habe nur wenige Minuten gedauert – und es sei lediglich einer der Männer mit einer Schreckschusswaffe bewaffnet gewesen.
Danach seien sie mit dem Auto zurück nach Ludwigsburg gefahren. Im Wagen sei ihm aufgefallen, dass er vergessen hatte, den Führerschein und den Personalausweis zurückzugeben und habe die Papiere aus dem Fenster geworfen. Dann habe er die Tasche mit Geldbündeln hinten im Auto gesehen.
In Ludwigsburg seien sie in seine Wohnung gegangen, wo die Männer das Geld gezählt hätten – es seien etwa 120.000 Euro gewesen. Das habe die Männer enttäuscht, sie hätten gesagt, eine Woche zuvor seien in einem anderen Bus 640.000 Euro gewesen.
Er selbst habe jedoch lediglich die vorab besprochenen 5.000 Euro bekommen, sagte der Angeklagte. Auf seine Nachfrage, weshalb er nicht mehr Geld bekomme, hätten die Männer gesagt, das sei eben so vereinbart gewesen. Der Angeklagte gab an, Kokain genommen zu haben.
Drei Polizisten waren als Zeugen geladen. Sie gaben an, dass sich der Einsatz wegen Sprachbarrieren schwierig gestaltete. Sie hätten den Bus mit den Fahrern und Insassen zu einer Polizeiinspektion fahren lassen, um dort die Vernehmung mittels Dolmetscher durchführen zu können.
Es habe sich dann herausgestellt, dass das Täterfahrzeug bereits von der Polizei in Böblingen wegen Verdacht auf Kokainhandel unter Beobachtung gewesen war, sagte einer der Polizisten. Das Auto sei mit einem GPS-Gerät und Innenraumüberwachung ausgestattet gewesen.
Für den Prozess vor dem Landgericht Regensburg sind bisher fünf weitere Verhandlungstage terminiert. Das Urteil könnte Anfang Dezember gesprochen werden. Gegen zwei der vier mutmaßlichen Täter laufen laut Anklage gesonderte Verfahren, der vierte sei unbekannt.
dpa