Die Regentalaue zwischen Cham und Pösing ist derzeit eine wichtige Kinderstube für seltene Vogelarten. Darauf haben der Naturpark Oberer Bayerischer Wald und die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Cham am Samstag mit einem Informationsstand am Vogelbeobachtungsturm in Untertraunbach aufmerksam gemacht. Spaziergänger und Autofahrer wurden über den Schutz bedrohter Wiesenbrüter und die Folgen scheinbar kleiner Störungen informiert.
„Arten wie der Große Brachvogel oder die Uferschnepfe finden hier noch geeignete Bedingungen für ihre Brut“, erklärte Biodiversitätsberaterin Katharina Kuhlmann.
Die Vögel brüten auf offenen, feuchten Wiesen und legen ihre Eier direkt auf den Boden. „Genau das macht sie extrem verletzlich“, so Kuhlmann weiter.
Rangerin Lisa Gammer machte deutlich, wie sensibel die Tiere reagieren: „Schon ein Spaziergang abseits der ausgewiesenen Wege kann eine Brut gefährden.“
Nicht nur Füchse oder andere Fressfeinde seien ein Risiko. Auch Menschen könnten die Vögel ungewollt stören. Nähern sich Personen einem Nest, fliehen die Altvögel instinktiv.
„Passiert das häufiger, kühlen die Eier aus. Die Brut scheitert“, erklärte Gammer. Beim Großen Brachvogel könne bereits eine Annäherung auf rund 100 Meter problematisch sein.
Während der sensiblen Brutzeit von März bis Ende Juni sind deshalb mehrere Wege im Naturschutzgebiet gesperrt – für Fußgänger ebenso wie für Radfahrer. Zudem gilt ganzjährig Leinenpflicht für Hunde.
Der eindringliche Appell der Fachkräfte: „Bitte beachten Sie die Beschilderung und halten Sie sich an die Regeln – jeder Meter Abstand zählt.“
Auch der Straßenverkehr war Thema am Informationsstand. Auf der Verbindungsstrecke zwischen Untertraubenbach und Haid bei Pitzling gilt während der Brutzeit Tempo 50. Nach dem Schlüpfen überqueren Jungvögel dort häufig die Straße.
„Das Tempolimit ist aktiver Artenschutz“, betonten die Expertinnen. In dem Bereich sind Kontrollen möglich.
Der Informationsstand stieß auf große Resonanz. Viele Besucher zeigten sich überrascht, wie gravierend selbst kurze Störungen für die seltenen Wiesenbrüter in der Regentalaue sein können.