Mi., 31.12.2025 , 08:06 Uhr

Wenn Silvester zum Notfall wird

BRK-Rettungswagen rücken mitternachts alle 14 Sekunden aus

Während die einen feiern, kämpfen die anderen um Leben. Die Silvesternacht bedeutet nicht nur Spaß, sondern für viele Rettungsdienste vor allem Stress. Wie stark die Einsatzkräfte gefordert sind, zeigen aktuelle Zahlen.

Mitteilung des BRK

Die Silvesternacht ist für viele Menschen der Höhepunkt des Jahres – für den Rettungsdienst jedoch eine der einsatzintensivsten Nächte überhaupt. Eine aktuelle Auswertung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zeigt: Beim Jahreswechsel 2024/25 wurden bundesweit mehr als 100 Menschen durch Feuerwerkskörper so schwer verletzt, dass sie stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Das ist rund viermal so viel wie an einem durchschnittlichen Tag. Nicht erfasst sind dabei Verletzte, die ambulant in Notaufnahmen versorgt wurden.

Als größter Rettungsdienstdurchführender in Bayern mit rund 80 Prozent aller Rettungseinsätze bestätigt das Bayerische Rote Kreuz (BRK) diesen Trend. Die Silvesternacht unterscheidet sich deutlich von einer normalen Nacht: Während die Einsatzzahlen sonst nachts zurückgehen, steigen sie rund um den Jahreswechsel stark an.

In einer durchschnittlichen Silvesternacht zwischen 18:00 und 05:59 Uhr rücken Rettungswagen des BRK rund 1.500 aus, hinzu kommen Notarzt- und Krankentransporte (Mittelwert der Jahreswechsel 2018/19 bis 2022/23).

„Was für viele eine Feiernacht ist, ist für den Rettungsdienst eine der härtesten Schichten des Jahres,“

sagt BRK-Landesarzt Dr. Florian Meier, selbst aktiver Notarzt. „Unachtsamer Umgang mit Feuerwerk gefährdet jedes Jahr Menschenleben – oft mit dauerhaften Folgen.“

Aufgrund der erfahrungsgemäß hohen Einsatzbelastung und zusätzlicher Gefahren durch Feuerwerk wird der Rettungsdienst – insbesondere in größeren Städten – personell verstärkt. Die Umsetzung erfolgt regional in enger Abstimmung mit den zuständigen Zweckverbänden für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung.

Ein Beispiel aus Nürnberg: In einer regulären Nacht sind dort sieben Rettungswagen im Einsatz. In Vorfeiertagsnächten werden neun Rettungswagen vorgehalten. In der Silvesternacht steigt die Zahl auf mehr als 14 Rettungswagen – nahezu eine Verdoppelung gegenüber einer normalen Werktagnacht.

„Verbrennungen, Augenverletzungen oder abgerissene Finger sind keine Randerscheinung – sie richten dauerhaft Schaden an“, so Meier weiter. „Mit ein paar einfachen Regeln und Tipps reduzieren Sie das Risiko deutlich.“

 

Vier Erste-Hilfe-Tipps für Silvester

 

  1. Verbrennungen:  Kleinere Verbrennungen (nicht größer als die eigene Handfläche) kurz mit nicht allzu kaltem Leitungswasser kühlen. „Größere Verbrennungen dürfen nicht gekühlt werden – sie sind immer ein Fall für den Rettungsdienst oder die Notaufnahme“, betont Dr. Meier.

  2. Handverletzungen:  Größere Wunden steril abdecken, bei starkem Blutverlust sofort den Notruf 112 wählen. Bei abgetrennten Fingern ist der Finger in ein möglichst keimfreies Tuch zu wickeln und in einen Plastikbeutel zu legen. Diesen Beutel in einen zweiten Beutel mit Wasser und Eis geben – der Finger darf nicht nass werden – und dem Rettungsdienstpersonal übergeben. „Dann besteht eine reale Chance, den Finger zu retten“, so Meier.

  3. Augenverletzungen:  Fremdkörper im oder Verbrennungen am Auge sind oft ein Notfall. „Wählen Sie die 112 und verbinden Sie beide Augen, damit das verletzte Auge ruhiggestellt wird“, rät Meier.

  4. Alkoholvergiftung:  Bewusstlosigkeit nach Alkoholkonsum ist lebensgefährlich. Atmung prüfen, stabile Seitenlage, Notruf 112 alarmieren und Betroffene warmhalten – besonders bei Kälte.

 

Das Bayerische Rote Kreuz wünscht einen sicheren Jahreswechsel – und bittet eindringlich: Feiern Sie ausgelassen, aber mit Verantwortung. Weitere Erste Hilfe Tipps sind auf der Webseite des Deutschen Roten Kreuzes abrufbar: https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/

 

 

 

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