Fr., 09.10.2026 , 10:28 Uhr

Polizei stürmt Wohnung

Berngau: Nach tödlichen Schüssen bei Waffenkontrolle - Polizei nimmt 60-Jährigen fest

Eine Routinekontrolle endet in einer Katastrophe, eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter des Landratsamts sterben. Nach zähen Stunden wird der Verdächtige festgenommen. Das Landratsamt Neumarkt ist in Trauer und bleibt am Freitag geschlossen.

Update von 10:28 Uhr

Nach dem Tötungsdelikt an zwei Mitarbeitern des Landratsamtes Neumarkt in Berngau ist der 60-jährige Tatverdächtige in der vergangenen Nacht festgenommen worden. Bei dem Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) fielen mehrere Schüsse auf den Mann. Er wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

SEK schießt bei Festnahme auf 60-Jährigen

Spezialkräfte der Polizei nahmen den 60-jährigen Tatverdächtigen in der Nacht fest. Dabei gaben die Beamten mehrere Schüsse auf den Mann ab. Der 60-Jährige erlitt schwere Verletzungen und wurde unter Polizeibewachung in ein Krankenhaus eingeliefert.

Obduktionen der beiden Opfer laufen

Die beiden getöteten Mitarbeiter des Landratsamtes Neumarkt werden derzeit obduziert. Die Kriminalpolizei Regensburg sichert umfangreiche Spuren am Tatort in Berngau.
Wie genau es zu dem Tötungsdelikt in Berngau kam und welches Motiv hinter der Tat steckt, ist weiterhin unklar. Die Ermittlungen laufen unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth.

Landeskriminalamt untersucht Schüsse der Polizei

Auch der Schusswaffeneinsatz bei der Festnahme wird untersucht. Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) prüft, unter welchen Umständen die Polizeibeamten auf den 60-Jährigen geschossen haben. Eine solche Überprüfung ist bei Schusswaffeneinsätzen der Polizei üblich.

Tatverdächtiger soll vor Ermittlungsrichter

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth soll der schwer verletzte Tatverdächtige nach seiner medizinischen Versorgung einem zuständigen Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

PP Oberpfalz / FC


Festnahme mit Widerstand

Stundenlang redeten erfahrene Spezialisten auf den verschanzten Mann ein, versuchten, ihn vom Aufgeben zu überzeugen. Vergeblich.

Der mutmaßliche Täter, der bei einer routinemäßigen Waffenkontrolle eine Mitarbeiterin und einen Mitarbeiter des Landratsamts Neumarkt in der Oberpfalz erschossen haben soll, wollte sich partout nicht ergeben. Mitten in der Nacht griffen die Einsatzkräfte dann zu. Mit Hilfe von Sprengmitteln und Schüssen nahmen sie den 60-Jährigen in Berngau fest.

«Über den genauen Ablauf der Geschehnisse können derzeit noch keine genaueren Angaben gemacht werden»,

sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz unmittelbar danach.

«Das Ganze ging auf jeden Fall nicht widerstandslos, weil die Beamten auch schießen mussten.»

Die Schüsse verletzten den mutmaßlichen Täter am Bein; der Deutsche wurde im Anschluss medizinisch versorgt.

Einsatz zog sich über gut zwölf Stunden

Gegen 14.00 Uhr am Donnerstagnachmittag hatten mehrere Zeugen per Notruf Schussgeräusche bei Polizei und Rettungskräften gemeldet. Es begann ein Großeinsatz der bayerischen Polizei, der sich bis tief in die Nacht zog.

Zunächst umstellten die Beamtinnen und Beamten das Gebäude. Vor dem weißen Wohnhaus mit der ebenerdigen Eingangstür entdeckten sie den 45 Jahre alten Behördenmitarbeiter leblos auf dem Boden liegend. Er war bereits tot.

 

Tatverdächtiger meldet sich per Telefon

«Der Tatverdächtige meldete sich telefonisch bei der Einsatzzentrale. Er gab in den folgenden Gesprächen an, in seiner Wohnung und im Besitz von Schusswaffen zu sein»,

schilderte die Sprecherin. Er habe auch zugegeben, geschossen zu haben – und angekündigt, nicht widerstandslos aufgeben zu wollen.

Zweite Leiche gefunden

Als die Einsatzkräfte Sicherungsmaßnahmen innerhalb des Gebäudes durchführten, in dem sich der Mann zu diesem Zeitpunkt noch verschanzte, entdeckten sie eine weitere Leiche. Es handelte sich um die 54 Jahre alte Kollegin des 45-Jährigen.

«Wir gehen davon aus, dass sie schon im Zuge der Schüsse unmittelbar gestorben ist»,

sagte ein Polizeisprecher. Dafür spreche die Auffindesituation.

 

Routinekontrolle bei legalem Waffenbesitz

Die beiden Opfer hatten den Angaben zufolge eine routinemäßige Kontrolle im Rahmen von legalem Waffenbesitz durchführen wollen. Dabei geht es unter anderem darum, ob die Waffen richtig gelagert werden. Doch statt dies unter Beweis zu stellen, soll der 60-Jährige das Feuer auf die beiden Kontrolleure eröffnet haben.

Daraufhin fuhr unter anderem ein Spezialeinsatzkommando mit einem gepanzerten Fahrzeug nach Berngau, auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Die Menschen im Ort sollten derweil ihre Häuser nicht verlassen oder zumindest den abgesperrten Bereich um das Haus des Verdächtigen meiden.

 

Polizei wollte eine friedliche Lösung

Stundenlang setzte die Polizei auf Verhandlungen, stürmte die Wohnung im Ortskern von Berngau nicht. Der Sprecher erläuterte die Einsatztaktik der folgendermaßen:

«Wir versuchen immer, die friedliche Lösung herbeizuführen, das findet grundsätzlich mit Kommunikation statt. Die Alternative ist auch allen klar. Aber Ziel ist durchaus, dass man eine gewaltfreie Lösung schafft.»

Polizei stürmt Wohnung

Doch das Vorhaben ging diesmal nicht auf.

«Schlussendlich ist dann ein Zugriff erfolgt, unter Anwendung auch von Sprengmitteln», schilderte der Polizeisprecher nach dem schlagartigen Eindringen in die Wohnung gegen 2.20 Uhr. «Dabei wurde der 60-jährige mutmaßliche Schütze durch Schüsse ins Bein leicht verletzt.»

Der Mann werde nun zunächst medizinisch versorgt.

Motiv unklar

Doch schon bald werden ihn die Ermittler der Kripo Regensburg in enger Absprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth befragen. Auch zu seinem Motiv – denn darüber herrschte zunächst absolutes Rätselraten.

Statement des Landratsamtes zur Waffenkontrolle: kein Gefährdungsverdacht

Bei der gestrigen Waffenkontrolle in Berngau handelte es sich um eine routinemäßige Kontrolle. Solche Kontrollen finden ohne Vorankündigung turnusgemäß bei allen Inhaberinnen und Inhabern von Waffenbesitzkarten statt, um einen ordnungsgemäßen Umgang und be sonders auch die vorschriftsgemäße Verwahrung der Waffen zu kontrollieren und zu gewährleisten.

Die Kontrollen werden immer zu zweit durchgeführt und erfolgen bayernweit ohne vorherige Abstimmung mit der Polizei, wenn es keinen konkreten Gefährdungsverdacht gibt. Im Falle der Kontrolle von Berngau gab es weder einen konkreten Gefährdungsverdacht noch sonstige Hinweise. Nach unseren Unterlagen besaß der Waffenbesitzkarteninhaber zehn Waffen legal.

 

Trauer im Landratsamt

Im Landratsamt Neumarkt herrsche ein Gefühl der Schockstarre, wie es in einer Mitteilung heißt.

„Wir denken an unsere beiden aus dem Leben gerissenen Kollegen und deren Familien und sind zu tiefst betroffen“,

so Landrat Martin Meier.

Aufgrund des schrecklichen Vorfalls ist das Landratsamt am Freitag für den Besucherverkehr geschlossen.

 

dpa/Landkreis Neumarkt/JM

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