Do., 07.01.2021 , 11:43 Uhr

Bayerns neuer Gesundheitsminister Klaus Holetschek: "Wichtig, dass wir Gas geben"

Ministerpräsident Markus Söder hat in einer Pressekonferenz am Mittwoch bekannt gegeben, dass Melanie Huml nicht länger Gesundheitsministerin ist. Ihren Posten übernimmt Klaus Holetschek. Er wurde im Februar 2020 Staatssekretär im Bauministerium. Das neue Amt sei für ihn eine große Herausforderung, gleichzeitig will Holetschek bei den Corona-Impfungen gleich mehr Gas geben. 

«Wir werden bald schneller vorankommen. Es ist wichtig, dass wir Gas geben. Denn die Impfbereitschaft ist da», sagte er dem «Münchner Merkur» (Donnerstagsausgabe). «Wir haben in Bayern ein gutes System mit 99 Impfzentren aufgebaut. Aktuell haben wir 86.000 Menschen geimpft. Natürlich könnten es mehr sein, wenn mehr Impfstoff da wäre.»

An diesem Freitag sollen nach Angaben Holetscheks 107.000 weitere Impfdosen in Bayern eintreffen, danach soll es wöchentlich weitergehen. «Wir entwickeln gerade Übersichten für die Impfzentren, damit sie besser planen können. Sie müssen schließlich verlässlich wissen, wie viel Impfstoff sie haben, um Termine zu vereinbaren», sagte Holetschek der Zeitung.

Er wolle die Kommunikation mit der Bevölkerung verbessern – und denke über Impfbusse nach: «Alle Über-80-Jährigen werden angeschrieben und informiert, wie die Terminvergabe vor Ort abläuft», sagte er dem «Merkur». «Wir müssen das System ständig weiterentwickeln und kreative Lösungen dafür finden, wie wir die Menschen zu dem Impfstoff und den Impfstoff zu den Menschen bringen. Vorstellbar wären zum Beispiel Impfbusse, die rausfahren zu den Menschen.»

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass Holetschek das Amt von Melanie Huml (CSU) übernehmen soll, die spätestens seit einer heftigen Panne bei Corona-Tests von Reiserückkehrern im Sommer in der Kritik stand. Sie wechselt als Europa-Ministerin in die Staatskanzlei.

Huml sei «in der Präsentation zu ruhig» gewesen, sagte die Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Ursula Münch, dem Bayerischen Rundfunk. Man habe «zu wenig gemerkt, was sie eigentlich tut, was das Gesundheitsministerium tut». Außerdem seien auch nach dem Sommer weiterhin Pannen passiert: «Es ist in Bayern das knappe Mittel, das man verfügbar hatte, nicht ausreichend viel geimpft worden. Manches ist verfallen, weil man die falschen Transportmittelwege benutzt hat. Da ist schon einiges an Kritik zusammengekommen.»

Ihr Nachfolger Holetschek «scheint eher der Macher zu sein», sagte Münch. Eine ähnliche Formulierung hatte auch Söder bei der Bekanntgabe der Personalie benutzt. Holetschek habe einen guten Kontakt zu den Kommunen, sagte Münch dem BR. «Er ist jemand, der anscheinend sehr gut organisieren kann» und der «schneller erkennt, wo gehandelt werden muss».

Das neue Amt sei eine große Herausforderung, sagte Holetschek, der seit dem Sommer Staatssekretär in Humls Ministerium war, dem «Merkur». «Ich habe Respekt und Demut vor dieser Aufgabe.»

 

Kurzporträt Klaus Holetschek

Klaus Holetschek (56/CSU) hat im bayerischen Kabinett einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt. Erst im Februar 2020 wurde er Staatssekretär im Bauministerium – rund ein Jahr später wird er nun mitten in der Corona-Krise Bayerns neuer Gesundheitsminister.

«Wir stehen vor dem Jahrzehnt der Gesundheit», hatte Holetschek gesagt, nachdem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ihn im August vergangenen Jahres Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) als Staatssekretär an die Seite gestellt hatte. Nur gut vier Monate später übernimmt er nun das Amt seiner Chefin, die auf Anweisung von Söder in die Staatskanzlei wechselt.

Holetschek wurde in Landshut geboren und blickt auf eine lange Karriere zurück: Der heute 56-Jährige war Bürgermeister, stellvertretender Landrat im Kreis Unterallgäu und Bundestagsabgeordneter. Seit 2013 sitzt er für den Stimmkreis Memmingen im Landtag, von März 2018 bis Februar 2020 war er zudem Bürgerbeauftragter der Staatsregierung. Seit 2019 ist Holetschek auch Vorsitzender des Landesgesundheitsrats.

Er habe sich in den vergangenen Monaten «hervorragend eingearbeitet», sagte Söder am Mittwoch über Holetschek. «Er ist auch ein Macher und Entscheider.»

 

Klaus Holetschek mit Ministerpräsident Markus Söder im Februar 2020 bei der Ernennung zum Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

 

 

dpa/MB

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