Mi., 27.02.2013 , 14:30 Uhr

Bayernhymne bei der letzten Generalaudienz des Papstes

Sie wollten «ihrem» bayerischen Papst noch einmal ganz nahe sein – Hunderte Pilger aus dem Freistaat verabschiedeten sich bei der letzten Generalaudienz von Benedikt XVI. Sie schwenkten weiß-blaue Fahnen und spielten noch einmal die Bayernhymne.

Weiß-Blaues Fahnenmeer und die Bayernhymne auf dem Petersplatz: Hunderte Pilger aus dem Freistaat haben sich am Mittwoch in Rom bei der letzten Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. verabschiedet. Auch einige Dutzend Gebirgsschützen und zahlreiche Trachtler in farbenfrohen Gewändern winkten dem scheidenden katholischen Kirchenoberhaupt ein letztes Mal zu. Die Blaskapelle aus Traunstein, wo Joseph Ratzinger einst zur Schule ging, spielte das Lied der Bayern. Der Papst hatte am 11. Februar überraschend seinen Rücktritt erklärt.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lud Benedikt als emeritierten Papst nach Bayern ein. «Die Antwort war ein sehr nettes Schmunzeln», berichtete Seehofer von einem kurzen Zusammentreffen mit dem aus Bayern stammenden Benedikt nach der Generalaudienz im Vatikan. Er hatte sich zuvor beim Papst für dessen Pontifikat bedankt. Bayern und Deutschland seien ihm «sehr, sehr dankbar, die Bayern sind aber auch traurig», sagte der Ministerpräsident. An der Generalaudienz nahm auch der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, teil.

Die Pilger aus Bayern verbreiteten schon Stunden vor Beginn der Generalaudienz gute Stimmung auf dem Petersplatz. «Die Menschen stehen auf ihren Stühlen und singen und jubeln», berichtete Reiseleiterin Renate von Franckenstein vom Bayerischen Pilgerbüro. «Es war unglaublich. Ich habe schon viele Audienzen erlebt, aber so eine noch nicht.» Sie zeigte sich begeistert über die vielen Menschen, die Zuneigung und Begeisterung, die zu spüren gewesen sei, und die bewegenden Worte. «Es ist absolutes Gänsehaut-Feeling. Wir sind dankbar, dabei zu sein.»

Auch Ingrid und Roland Koch aus Heidelberg verfolgten den letzten großen öffentlichen Auftritt Benedikts XVI. in Rom. «Wir sind um 5.00 Uhr aufgestanden und zu Fuß zum Petersplatz gegangen», erzählte Roland Koch. «Es war sehr, sehr schön. Ergreifend. Es ging unter die Haut.» Der Rentner hatte die Reise seiner aus dem Allgäu stammenden Frau geschenkt, die am Mittwoch ihren 63. Geburtstag feierte. Ingrid Koch fehlten fast die Worte: «Es war wunder-, wunderschön. Es sind so viele – auch junge – Leute hier, die so begeistert sind. Das ist ein Wahnsinn. Und Sonnenschein – so wie er’s verdient hat.»

Das strenge vatikanische Protokoll außer Acht lassend, spielte die Stadtkapelle Traunstein während der Generalaudienz die Bayernhymne «Gott mit dir, du Land der Bayern». Sichtlich erfreut wandte sich Benedikt XVI. auf Deutsch an die Musiker: «Ich danke der Traunsteiner Blaskapelle, dass sie die Bayernhymne so schön gespielt hat.» Die Pilger aus dem Freistaat schwenkten ihre weiß-blauen Fahnen, als der Papst ihnen ein «Herzliches vergelt’s Gott» zurief und sagte: «Der Herr segne Euch und die Kirche in unseren Landen.» Seminaristen des Traunsteiner Gymnasiums hielten ein Transparent mit der Aufschrift «Chiemgau-Gymnasium grüßt Papst Benedikt» in die Höhe.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Abschiedsrede hatte Benedikt zuvor gesagt, sein Herz sei weit, um die Kirche in aller Welt zu umarmen. Er sei von großer Zuversicht erfüllt, «weil das Evangelium Früchte trägt». Gott habe ihn während seines knapp achtjährigen Pontifikats stets geführt, «auch in Momenten, die nicht leicht waren». Benedikt dankte allen, die seinen Rücktritt mit Respekt und Verständnis aufgenommen hätten. «Die Kirche lieben bedeutet auch, schwierige Entscheidungen zu treffen, die auch wehtun», sagte er und fügte hinzu: «Der Papst ist nie allein.» Danach gab es minutenlangen Beifall, die Kardinäle erhoben sich von ihren Plätzen.

dpa

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