Mi., 29.12.2021 , 10:56 Uhr

Bayern: Viele Corona-Klagen an Gerichten

Im Freistaat kann jeder Bürger vor Bayerns Verfassungsgerichtshof ziehen - auch ohne Anwalt. In der Pandemie haben das die Menschen so oft gemacht wie nie zuvor. Pro Jahr waren es bislang rund 20 Klagen - 2020 hingegen 121!

Die Fülle der Klagen gegen die Corona-Maßnahmen wird Bayerns höchste Gerichte auch im neuen Jahr intensiv beschäftigen. Die Verfahren im Zuge der Pandemie verlangten der Justiz viele Entscheidungen ab, sagte der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, Hans-Joachim Heßler, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. «Das sprengt alles, was wir bisher hatten.»

In Bayern können Bürger jede landesrechtliche Rechtsvorschrift mit einer sogenannten Popularklage vor dem Verfassungsgericht anfechten, dem obersten Gericht für staatsrechtliche Fragen. «Davon ist viel Gebrauch gemacht worden», sagte Heßler.

Vor Corona habe es etwa 20 Popularklagen pro Jahr gegeben. Im Jahr 2020 seien hingegen 121 neue Popularklagen eingegangen, davon allein 106 «Corona-Verfahren». Auch in 2021 seien es schon mehr als 70 Popularklagen – ebenso ganz überwiegend zur Pandemie, sagte Heßler.

Aus allen vergangenen Jahren waren zuletzt noch 155 Popularklagen offen – davon 125 zu Corona. Dabei überschneiden sich den Angaben nach inhaltlich viele – und zahlreiche Fälle betreffen überwiegend inzwischen außer Kraft getretene Verordnungen.

 

Etwa zwei Dutzend Eil-Entscheidungen während Corona

Eine erste Entscheidung kann selbst bei Eilanträgen in dringenden Fällen bis zu zwei Wochen dauern. Auch solche Entscheidungen müssten sorgfältig vorbereitet werden, sagte Heßler. Unter anderem müssten Landtag und Staatsregierung in der Regel Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen. Es brauche zudem eine eingehende Beratung mit neun Berufsrichtern aus ganz Bayern. «Da sind 10 bis 14 Tage durchaus sportlich», sagte der Präsident.

Zu Corona-Verfahren hat das Verfassungsgericht in der Pandemie bisher etwa zwei Dutzend solcher Eil-Entscheidungen getroffen. Der Weg vor das Verfassungsgericht steht allen Bürgern frei – auch ohne Rechtsanwalt. «Anders als bei vielen Fachgerichten gibt es beim Verfassungsgerichtshof keinen Anwaltszwang», betonte Heßler.

 

Heßler steht seit rund drei Monaten an der Spitze des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs. Der 63-Jährige ist zudem seither in Doppelfunktion Präsident des Oberlandesgerichts München.

 

dpa/MB

Das könnte Dich auch interessieren

01.05.2026 Oberpfalz: Wenige Zwischenfälle in der Nacht zum 1. Mai Die Freinacht in der Oberpfalz ist aus Sicht der Polizei überwiegend ruhig verlaufen. Zwar kam es in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai vereinzelt zu Einsätzen, größere Ausschreitungen oder schwere Vorfälle blieben jedoch aus. 30.04.2026 Oberpfalz: Polizei mahnt zur Rücksicht in der Freinacht In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai ist in vielen Orten der Oberpfalz wieder mit kleineren Streichen rund um die sogenannte Freinacht zu rechnen. Das Polizeipräsidium Oberpfalz erinnert daran, dass Brauchtum und Spaß dort enden, wo Eigentum beschädigt, Menschen gefährdet oder die öffentliche Ordnung gestört werden. Freinacht in der Oberpfalz: Grenzen des 30.04.2026 Bayern: Zahl der Arbeitslosen geht im April nur leicht zurück Normalerweise sorgt das Frühjahr für eine deutliche Entspannung am Arbeitsmarkt, doch diesmal blieb die erhoffte Belebung weitgehend aus. Arbeitslosenzahl sinkt nur minimal Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum März um 6.556 Personen auf insgesamt 322.747. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 30.04.2026 Bernhardswald: Neue Johanniter-Kinderkrippe offiziell eröffnet Die Gemeinde Bernhardswald hat eine neue Kinderkrippe unter Trägerschaft der Johanniter eröffnet. Mit dem Neubau reagiert die Kommune auf die bislang beengte Situation: Zwei Krippengruppen waren zuvor in Containern untergebracht, eine weitere im benachbarten Kindergarten. Nun bietet das neue Gebäude moderne Räume für drei Krippengruppen mit jeweils zwölf Kindern – insgesamt also Platz für 36