Mo., 28.07.2025 , 18:10 Uhr

Bayern: Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie hellt sich leicht auf

Die Zolleinigung mit den USA sorgt für Planungssicherheit, zum Lachen ist der Branche aber nicht zumute. Welche Auswirkungen hat das Abkommen auf den Freistaat?

Die Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektroindustrie blicken wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Grund dafür ist unter anderem die Einigung zwischen der EU und den USA im Zollstreit. Trotz anhaltender Probleme wie hohen Zöllen, Fachkräftemangel und einer insgesamt schwachen Konjunktur, steigt die Zuversicht in der Branche leicht an. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Arbeitgeberverbände bayme und vbm.

Mehr Planungssicherheit durch Einigung im Zollstreit

Laut Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer von bayme und vbm, verschafft die jüngste Grundsatzvereinbarung zwischen EU und USA den Unternehmen in Bayern etwas mehr Planungssicherheit. Auch wenn er das Abkommen als „in Ordnung“ bezeichnet, zum Lachen sei ihm aber nicht zumute, sagte Brossardt. Noch lasse sich nicht sagen, welche konkreten Auswirkungen das neue Zollabkommen tatsächlich auf Bayern habe.

Bayern sei jedoch aufgrund seiner starken Exportorientierung besonders betroffen, so Brossardt. Der neue Basiszollsatz von 15 Prozent verteuere die Exporte, behindere das Wachstum und erschwere insgesamt den Handel mit den USA. Brossardt betonte, dass das langfristige Ziel weiterhin der Abbau von Zöllen und Handelsbarrieren bleiben müsse.

Industrie- und Handelskammertag sieht deutliche Einbußen

Kritischer bewertet der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) die Einigung. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des BIHK, rechnet mit einem jährlichen Verlust an Wirtschaftsleistung von 0,15 Prozent für ganz Deutschland – das entspricht mehr als sechs Milliarden Euro. Allein Bayern könnte demnach einen Schaden von über einer Milliarde Euro pro Jahr erleiden. Besonders betroffen seien die Automobilindustrie, der Maschinenbau sowie elektrische Ausrüstungen.

Die bayerischen Exporte in die USA könnten laut BIHK-Schätzung im Jahresverlauf um rund fünf Milliarden Euro auf etwa 25 Milliarden Euro zurückgehen.

Umfrage zeigt: Stimmung bleibt schwierig, aber Hoffnung wächst

Die Umfrage unter den Unternehmen wurde vom 2. bis 23. Juli durchgeführt – noch vor der Zoll-Einigung. Insgesamt nahmen 193 Unternehmen mit rund 247.000 Beschäftigten teil. Trotz der schwierigen Lage zeigt sich bei vielen Betrieben vorsichtiger Optimismus.

Trotz dieser Zahlen äußerte Brossardt, die Unternehmen sähen „Licht am Ende des Tunnels“. Die Einschätzung der künftigen Entwicklung falle positiver aus als in den Monaten zuvor.

Arbeitskräftemangel bleibt eine Belastung

Auch der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema. Zwar ist ein leichter Rückgang zu erkennen, dennoch gaben 53 Prozent der Unternehmen an, dass ihre Produktion und Geschäftstätigkeit durch fehlende Arbeitskräfte erheblich behindert werde. Weitere 30 Prozent berichteten von geringfügigen Auswirkungen, 18 Prozent sahen keine Beeinträchtigung.

Zölle betreffen mehr als die Hälfte der USA-Exporteure

Von den befragten Unternehmen exportieren 56 Prozent in die USA. Über die Hälfte dieser Firmen oder deren US-Importeure mussten seit Anfang April Zölle auf exportierte Waren zahlen. 26 Prozent der exportierenden Unternehmen berichteten hingegen, dass sie keine zusätzlichen Zölle entrichten mussten.

dpa / MF

Das könnte Dich auch interessieren

27.02.2026 Bayern: «Stagnation statt Aufschwung» auf dem Arbeitsmarkt Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Februar im Vergleich zum Vormonat zwar um 3.716 auf 341.061 gesunken, dennoch ist das der höchste Stand für einen Februar seit 2010. Das teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mit. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,4 Prozent und bleibt unverändert zur Januar-Quote. Im Februar 2025 05.02.2026 Konjunkturumfrage: Industrie tastet sich vor, Bau bleibt Sorgenkind Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim zeigt zum Jahresbeginn leichte Aufwärtssignale, jedoch keinen breiten wirtschaftlichen Aufschwung. Grundlage sind die Rückmeldungen von 280 Unternehmen aus der Region. Die Wirtschaftslage stagniert weiterhin, auch wenn sich in einzelnen Branchen vorsichtiger Optimismus bemerkbar macht. Verhaltene Entwicklung in Industrie, Handel und Tourismus „Insgesamt spiegelt unsere Konjunkturumfrage 04.02.2026 Infineon kauft Teil von ams Osram Infineon kauft einen Bereich des Sensorgeschäfts des deutsch-österreichischen Unternehmens ams Osram. Der Kaufpreis beträgt rund 570 Millionen Euro, wie die Unternehmen mitteilen. Infineon erwartet dadurch einen zusätzlichen Umsatz von rund 230 Millionen Euro im Jahr 2026.  30.01.2026 Bayern: Arbeitslosenquote klettert – Experten sehen kein gutes Zeichen 344.777 Menschen waren im Januar ohne Arbeit – das sind 33.982 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,4 Prozent, ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zu Dezember, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Höchster Januarwert seit 2010 Nach Angaben von Markus Schmitz, dem Chef der bayerischen Arbeitsagenturen und