Selbst in Bayern waren in den frühen Morgenstunden Polarlichter sichtbar. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in München hielten Webcams in den Alpen das Farbenspiel zwischen 4.00 und 5.00 Uhr fest. Auch in Baden-Württemberg wurden rötliche, pinke und grüne Lichter beobachtet, erklärte Carolin Liefke, stellvertretende Leiterin am Haus der Astronomie in Heidelberg.
Nicht nur in Deutschland, auch in den USA wurde das seltene Naturphänomen gemeldet – sogar in Florida, Texas, Arizona und Alabama, berichtete die Astronomie-Plattform Spaceweather. Über mögliche Auswirkungen des Sonnensturms auf Satelliten oder GPS-Systeme war zunächst nichts bekannt.
„Einige der energiereichen Protonen von der Sonne waren so stark, dass sie die Atmosphäre durchdrangen und den Boden erreichten“, hieß es bei Spaceweather. Solche Ereignisse werden als Ground Level Event (GLE) bezeichnet. Laut Clive Dyer vom Surrey Space Centre sind GLEs dieser Stärke sehr selten – sie treten nur ein- bis zweimal pro Sonnenzyklus auf, der rund elf Jahre dauert.
Wenn die Sonne geladene Teilchen in Richtung Erde schleudert, werden diese vom Magnetfeld des Planeten zu den Polen gelenkt. Dort treffen sie in der oberen Atmosphäre auf Moleküle und regen sie an, Licht auszusenden. So entstehen die typischen bunten Lichtschleier, die sich am Himmel bewegen.
Die Farben hängen vom jeweiligen Gas und der Höhe ab: Sauerstoff sorgt für grüne oder rote Töne, Stickstoff für violette oder blaue. Bei besonders starken Sonnenstürmen können Polarlichter auch weit südlich der Polarregionen sichtbar werden – so wie diesmal über Bayern.
Wer das Naturschauspiel in der Nacht verpasst hat, hat laut Carolin Liefke noch Hoffnung: „Die nächsten zwei Nächte kann man durchaus noch mal auf Alarmstellung bleiben.“ Ein weiterer Sonnensturm könnte erneut Polarlichter bringen – eine Garantie gibt es jedoch nicht, und auch die genaue Uhrzeit lässt sich schwer vorhersagen.
Tipp für Beobachter: Am besten nach Norden blicken und die Kamera bereithalten. Auch wenn das Polarlicht mit bloßem Auge oft nur schwach erscheint, zeigen Smartphone-Fotos dank Nachtmodus und langer Belichtungszeit meist beeindruckend farbige Aufnahmen.
dpa
Foto: Symbolbild