Di., 27.12.2022 , 18:30 Uhr

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Bayern: Pandemie zur Endemie - wie es bei Corona weitergeht

Vor einem Jahr gab es noch 2G-Regeln und Kontaktbeschränkungen beim Einkaufen, bei Treffen mit Freunden oder Veranstaltungen. Geblieben sind von den Corona-Maßnahmen fast nur noch Maskenpflichten in bestimmten Bereichen - aber nicht mehr lange?

Nach fast drei Jahren Corona geht der oft erbittert geführte Streit zwischen «Team Vorsicht» und «Team Freiheit» nun in die vielleicht letzte Runde. Ausgangspunkt ist eine Aussage des Virologen Christian Drosten im Berliner «Tagesspiegel»: «Wir erleben in diesem Winter die erste endemische Welle mit Sars-CoV-2, nach meiner Einschätzung ist damit die Pandemie vorbei.»

 

Warum löst die Aussage eines Virologen so ein Echo aus? Andere Experten haben sich doch auch schon so ähnlich geäußert.

Weil Christian Drosten nicht EIN, sondern DER Virologe ist, der am meisten mit dem Thema Corona in Verbindung gebracht wird. Der Leiter der Virologie an der Berliner Universitätsklinik Charité und sein Team entwickelten Anfang 2020 den ersten PCR-Test, Drosten wurde immer wieder als Corona-Erklärer interviewt, von der Politik als Experte zu Rate gezogen, aber auch von Kritikern angegriffen. FDP-Justizminister Marco Buschmann argumentiert nun: Wenn Drosten, der zu den vorsichtigsten Wissenschaftlern gehörte, die Pandemie als beendet betrachtet, sollte man die Maßnahmen aufheben.

 

Drosten spricht von einer «endemischen Welle». Was unterscheidet denn Endemie und Pandemie?

Als endemisch wird eine Krankheit bezeichnet, wenn sie in einer Region immer wieder in gewisser Häufung auftritt. Das trifft auf viele in saisonalen Wellen auftretende Infekte zu, zum Beispiel die Grippe. Mit Blick auf Corona ist damit gemeint, dass Infektionswellen verglichen zur pandemischen Phase abflachen und für einen Großteil der Bevölkerung die Auswirkungen des Infektionsgeschehens weniger gravierend sind, weil es eine breit vorhandene Immunität durch Impfungen und/oder überstandene Infektionen gibt. Das Immunsystem ist nicht mehr mit einem neuartigen Erreger konfrontiert, es reagiert schneller und besser auf eine Infektion.

 

Bedeutet «endemisch» Entwarnung?

Es bedeutet jedenfalls nicht automatisch, dass eine Krankheit keine Probleme mehr bereitet – siehe Grippe, bei der es saisonal heftige Wellen mit Tausenden Toten geben kann. Zudem sind weitere überraschende Sprünge in der Virus-Entwicklung nicht ausgeschlossen. Über Covid-19 schreibt das Robert Koch-Institut (RKI), dass etwa bei Älteren und Vorerkrankten auch in Zukunft mit schweren Verläufen gerechnet werden müsse – daher könnten insbesondere in diesen Gruppen wiederholte Impfungen nötig werden.

 

Ist es nicht eigentlich Aufgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO), eine Pandemie auszurufen oder für beendet zu erklären?

Die WHO verwendet keine wissenschaftliche Pandemie-Definition, sondern Alarmstufen. Dazu gehört als höchste Stufe die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands. Dies gilt bei Corona seit dem 30. Januar 2020. Mit der Ausrufung will die WHO Regierungen und Öffentlichkeit wachrütteln, eine Bedrohung ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen. Ein Expertenausschuss zur Einstufung soll im Januar erneut tagen. Konkrete Folgen hätte ein Ende des Notstandes nicht. Über Schutzmaßnahmen entscheidet nie die WHO, sondern jede Regierung für sich.

 

Welche Corona-Maßnahmen gelten denn momentan überhaupt noch bundesweit?

Vor allem Maskenvorschriften: In Fernzügen wie ICEs, ICs oder ECs und auch Fernbussen wie Flixbus gilt nach aktuellem Infektionsschutzgesetz noch bis 7. April eine FFP2-Maskenpflicht, für das Zugpersonal reicht eine medizinische Maske. Außerdem müssen FFP2-Masken in Arztpraxen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung getragen werden. Bis auf die Arztpraxen muss überall auch ein negativer Test für den Zutritt vorgelegt werden. Auch das gilt alles bis zum 7. April.

 

Und wie sieht es in den Bundesländern aus?

Die Bundesländer können ihm Regionalverkehr bei Bussen und Bahnen selbst entscheiden, ob und welchen Masken noch getragen werden müssen. Das gilt auch für die Frage, ob sich jemand mit positivem Corona-Test zwingend zu Hause isolieren muss. Bayern und Sachsen-Anhalt haben die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bereits abgeschafft, in Schleswig-Holstein läuft sie zum Jahresende aus. Andere Bundesländer halten an der Pflicht fest oder wollen im Januar neu entscheiden. Von der Isolationspflicht haben sich Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz verabschiedet. Andere lassen mehr Vorsicht walten und wollen bis nach dem Winter warten.

 

Wie schnell könnte denn eine Aufhebung der bundesweit letzten Corona-Schutzmaßnahmen, wie von Justizminister Buschmann gefordert, kommen?

Das könnte theoretisch schnell gehen, praktisch sieht es aber nicht danach aus. Denn dafür müssten sich alle drei Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP einig sein. SPD und Grüne sind im Gegensatz zur FDP dafür, die bundesweiten Regeln bis zum Frühjahr beizubehalten. Theoretisch könnte die Bundesregierung – wäre sie sich einig – per einfacher Verordnung, ohne dass der Bundestag das Infektionsschutzgesetz noch einmal ändern muss, die Regeln außer Kraft setzen. Darauf wies Buschmann am Dienstag hin.

Während hier über ein Ende der Pandemie geredet wird, nimmt sie derweil in China erst richtig Fahrt auf. Warum ist das so?

Nach fast drei Jahren strikter Maßnahmen hat Chinas Führung am 7. Dezember abrupt ein Ende seiner umstrittenen Null-Corona-Politik verkündet. Seit dem Beginn der Pandemie sah Chinas Strategie vor, das Virus so gut es geht einzudämmen und selbst kleinste Ausbrüche mit Lockdowns, Massentests und Zwangsquarantänen zu bekämpfen. Doch konnten die Maßnahmen am Ende gegen die leichter übertragbare Omikron-Variante nicht mehr viel ausrichten. Nun kommen fast alle Chinesen erstmals mit dem Virus in Kontakt. Allein in den ersten drei Dezemberwochen haben sich laut Schätzungen 248 Millionen Menschen in China angesteckt. Wissenschaftler warnen, dass die gewaltige Corona-Welle neue Varianten hervorbringen könnte, die dann auch ihren Weg nach Deutschland finden würden.

 

dpa

Das könnte Dich auch interessieren

21.09.2026 Tschechien entlastet Autofahrer an der Tankstelle Aufgrund der hohen Energiepreise hat die tschechische Regierung ein Maßnahmenpaket beschlossen, um Autofahrer an der Tankstelle zu entlasten. Vom 1. Oktober an werde wieder ein Preisdeckel für Benzin und Diesel eingeführt, teilte Finanzministerin Alena Schillerova mit. Die Vorgaben sollen täglich aktualisiert werden. Zugleich werde die Verbrauchsteuer auf Diesel auf 8,011 Kronen (33 Eurocent) je Liter 21.09.2026 Heute Abend im Programm 18.09.2026 Manching: Haftstrafen nach Diebstahl des keltischen Goldschatzes rechtskräftig Nach dem spektakulären Diebstahl des mehr als 2.000 Jahre alten keltischen Goldschatzes aus dem Kelten Römer Museum in Manching sind die Haftstrafen gegen vier Männer rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat die vom Landgericht Ingolstadt verhängten Strafen in vollem Umfang bestätigt. Goldschatz mit mehr als 480 Münzen gestohlen Der Einbruch in das Kelten Römer Museum 18.09.2026 Donau-Einkaufszentrum erneut unter Top 10 der deutschen Shoppingcenter Das Donau-Einkaufszentrum (DEZ) zählt erneut zu den zehn besten Shoppingcentern Deutschlands. Im aktuellen Shoppingcenter Performance Report (SCPR) 2026 belegt das DEZ mit der hervorragenden Durchschnittsnote von 2,00 den 9. Platz unter rund 400 bewerteten Einkaufszentren. Damit verteidigt das Regensburger Einkaufszentrum seine Spitzenpositionierung aus den Vorjahren und gehört bereits zum wiederholten Male zu den Top 10