Mi., 22.06.2016 , 08:34 Uhr

Bayern: Mehr als 3300 jugendliche Flüchtlinge verschwunden

Mehr als 3300 in Bayern angekommene minderjährige Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr verschwunden. Das Sozialministerium geht zwar davon aus, dass die meisten Jugendlichen nach der «Inobhutnahme» durch die bayerischen Behörden auf eigene Faust zu Angehörigen weiterreisten. Doch gesicherte Erkenntnisse gibt es nicht, ihr Schicksal ist ungeklärt. Das geht aus den Antworten von Sozial- und Innenministerium auf zwei Anfragen der Landtags-SPD hervor.

Demnach wurden 2015 exakt 4452 jugendliche Flüchtlinge als vermisst gemeldet, die ohne Eltern nach Bayern gekommen waren. Im Behördenjargon heißen sie «unbegleitete Minderjährige» – daher abgekürzt «uM» oder auch «umF». Lediglich 1090 tauchten in Deutschland oder in Skandinavien wieder auf. «Darüber hinaus liegen derzeit keine weiteren Erkenntnisse vor», heißt es in der Antwort des Sozialministeriums. Bundesweit waren im vergangenen Jahr 5835 geflohene Kinder und Jugendliche verschwunden, nun steht fest, dass der Großteil dieser Fälle die bayerischen Jugendämter betrifft.

Ein Sprecher des Sozialministeriums verwies darauf, dass viele jugendliche Flüchtlinge zwar in Bayern in Obhut genommen wurden, weil die Hauptfluchtrouten über Bayern führen. «Für viele ist Bayern oder Deutschland gar nicht das Ziel.» Auch Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, gehe nicht davon aus, dass die Jugendlichen in großen Zahl Opfer von Drogen- oder Prostitutionsringen würden, sagte die oberbayerische SPD-Abgeordnete Doris Rauscher. «Aber wir dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen.»

Denn ungeklärt ist auch, ob nicht zumindest einzelne Kinder und Jugendliche zu Opfern von Verbrecherbanden geworden sind. In der bundesweit einheitlich geführten polizeilichen Kriminalstatistik gibt es kein Merkmal «unbegleiteter minderjähriger Flüchtling». Der Münchner SPD-Abgeordnete Florian Ritter kritisiert: «Das ist eigenartig. Da geht es ja schließlich nicht um ein rassistisches Merkmal.»

Dabei werden die vermissten Jugendlichen keineswegs nur in Deutschland gesucht, sondern im Schengener Informationssystem EU-weit zur Fahndung ausgeschrieben. Ritter wollte vor allem wissen, ob junge Mädchen und Frauen Zuhältern und Sextätern in die Hände fallen. Dafür gibt es bislang keine Indizien. «Beim Bayerischen Landeskriminalamt liegen derzeit keine Erkenntnisse über Flüchtlinge (Erwachsene und auch umF) vor, die Opfer von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung oder zur Ausbeutung der Arbeitskraft geworden sind», heißt es in der Antwort des Innenministeriums auf Ritters Anfrage.

Mit dieser Auskunft möchte Ritter sich aber nicht begnügen. «Niemand weiß etwas», sagte der SPD-Politiker. «Die Staatsregierung sollte genauer nachforschen.»

dpa

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