Sa., 11.03.2023 , 09:04 Uhr

Bayern: Kriegsbedingter Mangel an Sonnenblumenöl beendet

Der russische Überfall auf die Ukraine machte Sonnenblumenöl zur teuren Mangelware - und den Sonnenblumenanbau für deutsche Bauern attraktiver. Inzwischen hat sich die Lage normalisiert, doch die deutschen Ölmühlen leiden nach wie vor.

Ein gutes Jahr nach Beginn des Ukraine-Kriegs ist ein vorübergehend zur Mangelware gewordenes Produkt wieder voll verfügbar: Sonnenblumenöl. Die Versorgung mit Speiseölen habe sich trotz des anhaltenden Konflikts normalisiert, heißt es beim Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (Ovid). Der Deutsche Bauernverband geht davon aus, dass in diesem Jahr in Deutschland wieder weniger Sonnenblumen angebaut werden, nachdem die Landwirte in der Hoffnung auf hohe Erzeugerpreise ihre Anbaufläche im vergangenen Sommer verdoppelt hatten.

Eine Folge des russischen Überfalls auf das kleinere Nachbarland war zunächst Mangel an Sonnenblumenöl in mehreren europäischen Ländern. Im internationalen Sonnenblumenhandel stieg der Preis nach EU-Daten innerhalb kürzester Zeit von 700 auf über 1100 Euro pro Tonne. Denn vor dem Krieg war die Ukraine der weltgrößte Exporteur gewesen, von dem die EU einen großen Teil ihrer Einfuhren bezog. Dementsprechend war im Frühjahr 2022 Sonnenblumenöl in den Supermärkten über Wochen kaum noch erhältlich, die Regale waren leer geräumt.

Davon kann derzeit keine Rede mehr sein: «Ukrainische Exporte von Sonnenblumenkernen, Sonnenblumenöl und Rapssaaten haben nahezu wieder Vorkriegsniveau erreicht und kommen auch in Deutschland an», sagte ein Ovid-Sprecher in Berlin. Logistikketten und Warenströme aus der Ukraine hätten sich neu ausgerichtet.

Eine weitere direkte Kriegsfolge war, dass Ackerbauern in Deutschland so viel Sonnenblumen anbauten wie womöglich nie zuvor: «Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges hat sich die Anbaufläche von Sonnenblumen in Deutschland mehr als verdoppelt», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts stieg die Anbaufläche auf 86 000 Hektar, mehr als doppelt so viel wie 2021.

Doch schlussendlich verlief die Ernte 2022 für die Landwirte nicht so erfreulich wie im Frühjahr erhofft: «Letztes Jahr ist der Erzeugerpreis wieder zusammengebrochen», sagte der Münchner Landwirt Alexander Grünwald, der schon in den Vorjahren Sonnenblumen angebaut hatte. «Bei der Ernte hatten wir die gleichen Preise wie vor dem Krieg.»

Nicht nur der Preis war wieder erheblich niedriger, auch die Ernte als solche war nicht sonderlich gut: «Die Anbaufläche hat sich zwar verdoppelt, doch die geerntete Menge von Sonnenblumenkernen war im Verhältnis deutlich geringer», sagte Bauernpräsident Rukwied. «Daher gehen wir davon aus, dass die Anbaufläche im Vergleich zu 2022 wohl eher wieder kleiner wird.» Zentren des Sonneblumenanbaus in Deutschland sind Brandenburg und Sachsen-Anhalt, gefolgt von Bayern.

Zur Entspannung der Lage hat nicht nur beigetragen, dass die Ukraine mehr nach Westeuropa exportiert als zu Kriegsbeginn befürchtet. «Viele Lebensmittelhersteller haben Rezepturen entweder von Sonnenblumen- auf Rapsöl umgestellt, oder setzen vermehrt auf Pflanzenölmischungen», sagt der Ovid-Sprecher. Denn bei Raps ist Deutschland weniger importabhängig als bei Sonnenblumen. Die Raps-Anbaufläche stieg laut Ovid 2022 im vierten Jahr in Folge auf rund 1,1 Millionen Hektar. Vollständig deckt das laut Ölsaatenindustrie den Inlandsverbrauch jedoch nicht.

Geschadet hat der Ukraine-Krieg in jedem Fall den Speiseöl-Produzenten. Nach Ovid-Zahlen verarbeiteten die deutschen Ölmühlen 2022 etwa zwölf Millionen Tonnen Ölsaaten, rund eine Million Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Die hohen Energiepreise machen den Unternehmen zu schaffen, denn Ölmühlen sind energieintensiv.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Branche gegenüber anderen Standorten gehe «schleichend verloren», sagt der Verbandssprecher. «Wie andere Industriezweige verzeichnen wir die konkrete Gefahr der Abwanderung vom Standort Deutschland, denn wenn die Produktionskosten dauerhaft signifikant höher liegen, ist Abwanderung die Konsequenz.»

dpa

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