Trotz leicht rückläufiger Gesamtzahlen bei Verurteilungen nimmt die Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung spürbar zu. Besonders auffällig ist die Verrohung bei Jugendlichen und Erwachsenen – aber auch Hasskriminalität und Sexualdelikte sind auf dem Vormarsch.
Der Trend zu immer jüngeren Intensivtätern hält an. 931 Jugendliche wurden 2024 wegen Gewaltstraftaten verurteilt – 52,1 Prozent mehr als 2019 und 21,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei gefährlicher Körperverletzung, etwa durch Messerangriffe, stieg die Zahl der Verurteilungen auf 655 Jugendliche, ein Plus von fast 30 Prozent.
„Jugendliche Intensivtäter müssen frühzeitig gestoppt werden“, sagte Justizminister Georg Eisenreich (CSU). Deshalb wurden die Staatsanwaltschaften personell verstärkt und Sonderreferate eingerichtet.
Insgesamt waren 6.269 Verurteilte zur Tatzeit Heranwachsende (18 bis 21 Jahre) – ein Rückgang um 15,2 Prozent. Bei den Jugendlichen sank die Zahl um 3,4 Prozent auf 4.298 Verurteilungen.
Auch bei den Erwachsenen zeigt sich eine wachsende Aggressivität. Die Zahl der Verurteilungen wegen gefährlicher Körperverletzung stieg um 11,9 Prozent auf 2.931. In vier von fünf Fällen standen Männer vor Gericht, der Frauenanteil lag bei 17,3 Prozent.
Trotzdem sank die Gesamtzahl der Verurteilten leicht um 2,7 Prozent auf 110.691 Personen. Verkehrsdelikte blieben mit einem Anteil von 25,3 Prozent Spitzenreiter.
Besonders alarmierend ist der Anstieg bei Hasskriminalität. Wegen Volksverhetzung wurden 402 Personen verurteilt – 34 Prozent mehr als 2023. „Strafbarer Hass und Hetze haben ein erschreckendes Ausmaß erreicht“, so Eisenreich. Durch neue Meldeverfahren werde jedoch auch mehr angezeigt.
Die Statistik zeigt zudem eine deutliche Steigerung bei Sexualstraftaten. Nach einer Zunahme von 16,8 Prozent im Jahr 2023 stiegen die Verurteilungen 2024 erneut um 9,7 Prozent. Besonders erschreckend: 871 Personen wurden wegen Kinderpornografie verurteilt – 11,1 Prozent mehr als im Vorjahr.
„Jeder Fall ist einer zu viel. Wer solche abscheulichen Straftaten begeht, kann sich in Bayern niemals sicher fühlen“, betonte Eisenreich. Die Zahl der Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern stieg um 27 Prozent, bei schwerem Missbrauch sogar um 37 Prozent.
Schwerwiegende Fälle von Betrug bewegen sich weiterhin auf einem hohen Niveau. 882 Täter wurden verurteilt – nur geringfügig weniger als im Vorjahr. Das Spektrum reicht von Abrechnungsbetrug über „Love Scam“ bis hin zu illegalem Cybertrading.
Gemessen am Anteil an der Gesamtbevölkerung in Bayern von 15,6 Prozent (Ende 2024) nehmen nicht deutsche Täter unter den Verurteilten einen überdurchschnittlich hohen Anteil ein.
Unter den Verurteilten waren 54.532 Personen ohne deutschen Pass, das entspricht 49,3 Prozent. Ihre Zahl stieg um 1,9 Prozent. Besonders auffällig: Bei der Schleuserkriminalität lag der Anteil bei 95,7 Prozent. Selbst ohne Berücksichtigung von Asyl- und Aufenthaltsdelikten betrug der Anteil 47,4 Prozent – nach 45,1 Prozent im Jahr 2023. Im Justizvollzug stieg der Anteil ausländischer Häftlinge von 35,5 Prozent (2015) auf 51,5 Prozent (2025).
dpa / MF