Mi., 02.06.2021 , 12:43 Uhr

Bayern: Corona verändert Mobilität - mehr Radfahrer und Fußgänger

Angst vor Ansteckung, mehr Homeoffice und der Umstieg aufs Fahrrad: Die Corona-Pandemie hat das Mobilitätsverhalten der Bayern gravierend verändert. Vor der Corona-Pandemie waren Busse und Bahnen in Bayern voller - die Mobilität und die Ansprüche ans Pendeln haben sich verändert. Der Freistaat will darauf reagieren.

Die Staatsregierung veröffentlichte am Mittwoch eine Studie des Infas-Instituts für angewandte Sozialwissenschaften. «Corona ändert nachhaltig die Art und Weise, wie wir unterwegs sind. Deswegen ist es klug und vorausschauend, nicht ein Verkehrsmittel gegen das andere auszuspielen, sondern auf Wahlfreiheit zu setzen», sagte Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) bei der Vorstellung der Studie in München. «Entscheidend ist, dass wir die Lebenswirklichkeit der Menschen in Bayern ernst nehmen», betonte sie.

 

Ein Drittel Rückgang bei Bus und Bahn

Den Ergebnissen zufolge hatte sich die Mobilität in der Hochphase des Pandemie-Lockdowns drastisch verändert. Busse und Bahnen wurden um ein Drittel weniger genutzt, von Stammkunden teils sogar um mehr als die Hälfte weniger (43-64 Prozent). Die meisten - rund zwei Drittel - wollten wieder zurückkehren, allerdings mit geänderten Vorlieben. 43 Prozent wollten künftig Stoßzeiten möglichst meiden. Der Abstand zu anderen Fahrgästen erhält größeren Stellenwert: 57 Prozent wünschen sich mehr Freiraum.

«Dazu brauchen wir vor allem eine gute Infrastruktur und passgenaue Angebote beim Takt. Denn wir wollen ja nicht nur zu den bisherigen Passagierzahlen zurück, sondern noch mehr Menschen für den ÖPNV begeistern», sagte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU). Geplant sind deswegen etwa ein massiver Ausbau der Bahnkapazitäten in München und Nürnberg in den nächsten Jahren. «Besonders wichtig sind hier die Außenäste der S-Bahn», betonte die Ministerin.

Außerdem setze das Verkehrsministerium auf ein landesweites Ticket für Bus und Bahn. «Wir setzen auf kluge digitale Lösungen und starten das Projekt "Ein Klick – ein Ticket"», sagte Schreyer. «Damit schaffen wir einen Landestarif für überregionale Verbindungen, buchbar per Smartphone und gültig für alle Verkehrsmittel und Regionen Bayerns.»

 

Rad- und Fußverkehr hat zugenommen

Im ländlichen Raum sollen Angebote wie Ruftaxen und mehr auf die Bahn abgestimmte Buslinien gefördert werden. Im Zuge von Corona deutlich zugenommen hätten der Rad- und Fußverkehr. Mehr als jeder Fünfte wolle auch in Zukunft mehr mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sein, fanden die Infas-Forscher heraus. Sie hatten für ihre Studie im April dieses Jahres 1554 Erwachsene in Bayern online zu Veränderungen im Mobilitätsverhalten befragt.

Auch den in der Studie zum Ausdruck gekommenen Wunsch nach bezahlbaren Ticketpreisen will die Ministerin erfüllen. «Die Fahrpreise haben wir im Blick, indem wir das 365-Euro-Ticket gestartet haben. Bereits jetzt profitieren davon fast eine Million junge Menschen in Bayern», sagte sie.

Als Gewinner der Corona-Pandemie bezeichnete Schreyer das Zu-Fuß-Gehen und Radfahren, besonders von jüngeren Leuten und in größeren Städten. Rund die Hälfte aller zurückgelegten Wege seien kürzer als fünf Kilometer. Sie kündigte Investitionen in das bayerische Radwegebauprogramm für die Jahre 2020 bis 2024 von insgesamt 200 Millionen Euro an.

 

dpa/MB

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