Mo., 01.03.2021 , 10:45 Uhr

Bayern: Corona-Babyboom ist ausgeblieben

Von Mitte März bis Mai dauerte der erste Corona-Lockdown – begleitet von Spekulationen, dass Frühlingsgefühlen und dauernder Zweisamkeit in diesem Winter Kinder folgen würden. Doch offenbar war vielen Paaren keineswegs romantisch zumute. In Bayern ist ein coronabedingter Babyboom wahrscheinlich ausgeblieben. 

In Bayern ist ein coronabedingter Babyboom wahrscheinlich ausgeblieben. Mit Ausnahme Münchens meldet die große Mehrheit der Standesämter in den kreisfreien Städten und der Kreisstädte im Münchner Umland keinen auffälligen Anstieg der Geburtsanzeigen und -beurkundungen im Dezember und Januar. Vielerorts sind die Geburten sogar etwas zurückgegangen, wie die Umfrage unter 31 bayerischen Kommunen ergeben hat.

Nach dem ersten Frühjahrs-Lockdown gab es in vielen europäischen Ländern verbreitete Spekulationen über einen kommenden Babyboom, weil quasi sämtliche Frauen und Männer im zeugungsfähigen Alter mehrere Wochen zu Hause verbrachten. Manche Ökonomen hatten aber schon im Sommer darauf hingewiesen, dass große Wirtschaftskrisen eher mit sinkenden Geburtenzahlen einhergehen.

Die Standesämter in den 31 Städten meldeten im Januar 7285 Geburtsanzeigen oder -beurkundungen, 161 weniger als ein Jahr zuvor. Auffällig ist allerdings der Dezember mit 6558 – das wären 1100 mehr als im Dezember 2019. Die Zahlen lassen den Trend in den jeweiligen Städten erkennen, sind aber nicht exakt. Manche Kommunen meldeten Geburten beziehungsweise Geburtsanzeigen, andere die Zahl der ausgestellten Geburtsurkunden, was nicht identisch ist. Rosenheim etwa nannte die Geburten für ortsansässige Eltern, aber keine Zahlen für werdende Mütter aus den Umlandgemeinden, die zur Entbindung in die Stadt am Inn gekommen waren.

Der bayernweite Anstieg im Dezember geht zu einem ganz großen Teil auf München zurück. Insgesamt wurden in der Landeshauptstadt im Dezember und Januar 3461 Geburten angezeigt, fast 1000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Gründe sind mysteriös, denn weder die Städtischen Kliniken noch die Frauenkliniken der Ludwig-Maximilians-Universität meldeten einen entsprechenden Babyboom.

Allerdings hat die Corona-Pandemie in vielen Orten zu Abweichungen geführt, weil Geburtsstationen zeitweise coronabedingt geschlossen wurden und werdende Mütter zur Entbindung in andere Orte ausweichen mussten. «Hinzu kommt eine steigende Zahl an Hausgeburten, die in den Statistiken der Kliniken nicht registriert werden», sagt ein Sprecher des Münchner Kreisverwaltungsreferats.

Einen vergleichbaren statistischen Ausreißer wie in München gab es in keiner anderen Stadt: Nürnberg meldete für beide Monate 42 Geburten mehr als ein Jahr zuvor, Augsburg 107 weniger Geburtsbeurkundungen. Rückgänge gab es auch in den nächstgrößeren Städten Regensburg, Ingolstadt und Fürth.

Auch die Deutschlandzahlen für 2020 deuten nicht auf einen Babyboom zum Jahresende. Ein wesentliches Indiz ist die unter Medizinern als seriöse Quelle geachtete Geburtenliste des Babynahrungsherstellers Milupa, der seine Daten sehr viel schneller veröffentlicht als die Statistischen Ämter. Demnach wurden 2020 in Deutschlands Krankenhäusern 745 739 Geburten gemeldet, über 5000 weniger als im Vorjahr.

Die offiziellen Zahlen des Statistischen Landesamts für ganz Bayern werden voraussichtlich noch einige Zeit auf sich warten lassen.

dpa/MB

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