Mo., 25.10.2021 , 16:27 Uhr

Bayern: Aiwanger will Hunderte Windräder in Bayerns Wäldern bauen lassen

Auch in Bayern weht Wind, den man für die Energiegewinnung nutzen kann. Doch der Ausbau der Windräder ist ein Dauerstreitthema. Nun starten die Freien Wähler einen neuen Versuch.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will in den kommenden Jahren mehrere Hundert Windkraftanlagen in Bayerns Wäldern bauen lassen.

«37 Prozent der Landesfläche sind Wald, und wir müssen jetzt mehr Windkraft in Bayern realisieren», sagte der Freie-Wähler-Chef der Deutschen Presse-Agentur in München. Unabhängig von der Frage, ob die umstrittene 10h-Abstandsregel von der neuen Bundesregierung gekippt werde oder nicht, gehe es darum, Potenziale in den heimischen Wäldern zu beleuchten und zu realisieren.

«Es kommt auf jeden Fall neue Bewegung in die Debatte», sagte Aiwanger, der am Montagnachmittag (13.00 Uhr) zusammen mit Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) im oberfränkischen Creußen (Landkreis Bayreuth) Details zu seinen Wünschen und Plänen vorgestellt hat. Mit dem Koalitionspartner CSU abgesprochen sind diese Pläne bisher noch nicht – doch das muss es, denn für die Staatsforsten ist Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) zuständig.

 

Windkraftanlagen gut für Mensch und Tier

Laut Aiwanger liegt eine Karte vor, wo in Bayerns Wäldern ohne große Probleme Windkraftanlagen gebaut werden könnten. «Tendenziell lägen ein Drittel der Flächen in den Staatswäldern, zwei Drittel in Privatwäldern», sagte Aiwanger. Für die Waldbesitzer seien Stellplätze für die Anlagen eine gute Einnahmemöglichkeit. In anderen Bundesländern seien mehrere 10.000 Euro Pacht pro Jahr möglich, betonte er. Mit dem Geld könnten Verluste durch schlechte Holzpreise kompensiert werden.

Auch für Tiere und Pflanzen seien die Anlagen eine gute Nachricht, da die Gebiete ökologisch aufgewertet würden, sagte Aiwanger. Anstelle von Baum-Monokulturen würden auf den etwa 50 mal 50 Meter großen Bauflächen Blumen und Disteln wachsen, die vielen Tieren wie Schmetterlingen als Lebensraum dienten. Die für die Windräder gefällten Bäume könnten zudem andernorts wieder aufgeforstet werden.

Und noch einen Vorteil haben die Pläne aus Aiwangers Sicht: Die Akzeptanz der Menschen für die Rotoren sei im Wald höher, da diese hier nicht so auffielen, sagte er.

 

Glauber: Akzeptanz bei Windkraft weiter steigern

Umweltminister Thorsten Glauber erklärte: „Wir müssen die Akzeptanz bei der Windkraft weiter steigern. Denn der Klimawandel stellt uns vor große Herausforderungen. Wir wollen Klimaschutz und Artenschutz versöhnen. So können wir eine neue Dynamik erzeugen und beim Ausbau der Windkraft deutlich vorankommen. Erneuerbare Energien sind gleichzeitig ein wichtiger regionaler Wirtschaftsfaktor.“

Derzeit gilt in Bayern die sogenannte 10H-Regel für den Bau von Windrädern. Das heißt, die nächste Siedlung muss zehn Mal so weit entfernt sein, wie das Rad hoch ist. In der Folge ist der Ausbau im Land weitgehend zum Erliegen gekommen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte seinerseits vor Monaten bereits Lockerungen angekündigt.

Aiwanger betonte, dass sich die Staatsregierung darin einig sei, das Potenzial der Windkraft im Wald gezielt anzugehen, unter Einbindung der Kommunen und Bürger vor Ort.

Die Koalition von CSU und Freien Wählern ringt aber seit Monaten um die Novelle ihres eigenen Klimaschutzgesetzes. Angesichts der laufenden Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP im Bund dürfte die Staatsregierung ihre Pläne für den Ausbau der erneuerbaren Energien daher noch in der Schublade lassen, bis die neue Koalition ihre Entscheidungen getroffen hat.

 

dpa/StMWi/JM

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