Mo., 13.10.2025 , 08:29 Uhr

Bayern: Äpfel im Überfluss – wohin mit der Ernte aus Gärten und Streuobstwiesen?

In vielen Regionen Bayerns trägt der Herbst dieses Jahr besonders viele Äpfel – sowohl im heimischen Garten als auch auf Streuobstwiesen. Während Obstbauern ihre Rekordernte professionell vermarkten, stellt sich für viele Privatpersonen die Frage: Wohin mit den vielen Äpfeln? Verschiedene Initiativen und regionale Aktionen sollen helfen, Ernte und Bedarf zusammenzubringen.

Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik lag die Apfelernte der Obstbaubetriebe dieses Jahr bei rund 31.500 Tonnen – ein Plus von 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch nicht nur die Profis konnten sich über volle Bäume freuen. Auch auf privaten Grundstücken, an Feldrändern und auf Streuobstwiesen war das Jahr 2025 ein besonders gutes für Äpfel.

Alexander Teichgreber vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege spricht von einem „guten bis sehr guten Apfeljahr“. Auch der LBV (Landesbund für Vogelschutz) bestätigt diese Einschätzung, insbesondere mit Blick auf die Erträge der Streuobstwiesen.

Pflücken ja – aber nur mit Erlaubnis

Wer beim Spaziergang durch ländliche Regionen reife Äpfel an frei zugänglichen Bäumen entdeckt, sollte nicht einfach zugreifen. Denn oft ist nicht ersichtlich, wem die Bäume gehören. Eine Ausnahme gibt es: Viele Kommunen beteiligen sich an der „Gelbes-Band“-Aktion.

Ein gelbes Band am Stamm signalisiert: Hier darf für den Eigenbedarf kostenlos geerntet werden. So etwa im Landkreis Wunsiedel, wo das Ernte-Prinzip bewusst niederschwellig gehalten ist. Auch die Stadt Bayreuth erlaubt auf ihren kommunalen Obstwiesen das Pflücken – deutlich gekennzeichnet mit Schildern und der Auflage: ohne Leiter und nur für den häuslichen Bedarf.

Streuobstpakt: Eine Million neue Bäume bis 2035

Mit dem Streuobstpakt, der 2021 geschlossen wurde, verfolgen die bayerische Staatsregierung und verschiedene Verbände das Ziel, bis 2035 eine Million neue Obstbäume zu pflanzen. Die Bedeutung von Streuobstwiesen als Lebensraum für bedrohte Tierarten und als Lieferant regionaler Lebensmittel soll damit gestärkt werden.

LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer betont, dass Streuobstwiesen keine „Museumslandschaften“ seien, sondern aktiv genutzt werden sollten – etwa durch Versteigerungen von Erntebäumen durch Kommunen. So kann das Obst verwertet und gleichzeitig das Bewusstsein für regionale Lebensmittel gestärkt werden.

Keltereien benötigen heimische Äpfel

Trotz der Fülle an Äpfeln auf den Bäumen fehlen vielen Keltereien in Bayern die nötigen Rohstoffe. Beim Treffen von Pakt-Initiatoren im mittelfränkischen Thalmässing-Eysölden wies Markus Nagler, Vorsitzender des Bayerischen Fruchtsaftverbandes, auf diesen Widerspruch hin: Während das Obst auf den Wiesen verfault, müssen Keltereien Äpfel aus dem Ausland zukaufen.

Nagler appelliert an Verbraucherinnen und Verbraucher, beim Saftkauf auf regionale Produkte zu setzen – das sei nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch ein Beitrag zur Förderung der heimischen Wirtschaft.

Apfelsaft selbst machen: So geht’s

Viele Gartenbauvereine in Bayern bieten die Möglichkeit, aus der eigenen Ernte Apfelsaft zu pressen. Der Saft wird in speziellen Behältern haltbar gemacht und kann über Monate hinweg genutzt werden.

Neben dem klassischen Lagern, Einkochen oder der Herstellung von Apfelmus ist das Mosten eine effektive und nachhaltige Möglichkeit, größere Mengen Äpfel zu verwerten. Alexander Teichgreber vom Gartenbau-Landesverband betont, wie wichtig es sei, über solche Angebote zu informieren – denn mit der Ausweitung von Streuobstwiesen wird auch künftig viel Obst zur Verfügung stehen.

dpa / MF

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