Das Bayerische Landesamt für Statistik hat zwei neue Bevölkerungsvorausberechnungen veröffentlicht. Die aktualisierte regionalisierte Vorausberechnung reicht bis zum Jahr 2044 und umfasst den Freistaat, die Regierungsbezirke, Landkreise sowie kreisfreien Städte.
Zusätzlich liegt mit dem Demographie-Spiegel eine Berechnung bis 2038/2044 für alle 2.056 Gemeinden in Bayern vor.
Erstmals wurden dabei auch Daten aus dem Zensus 2022 berücksichtigt.
Nach der aktuellen Berechnung wird Bayern im Jahr 2044 rund 13,53 Millionen Einwohner haben. Das sind 278.000 Menschen mehr als 2024 mit 13,25 Millionen Einwohnern – ein Plus von 2,1 Prozent.
Das entspricht einem durchschnittlichen Zuwachs von etwa 14.000 Personen pro Jahr. Zum Vergleich: In den vergangenen 20 Jahren lag das jährliche Wachstum bei rund 40.000 Personen, vor allem wegen hoher Zuwanderung.
Zwar werden allen kreisfreien Städten und Landkreisen weiterhin Wanderungsgewinne vorausberechnet, doch die Entwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich.
Drei der sieben Regierungsbezirke können mit einem Bevölkerungsplus von drei bis etwa fünf Prozent rechnen. Drei weitere dürften ihr aktuelles Niveau in etwa halten. Ein Regierungsbezirk muss dagegen mit einem moderaten Rückgang rechnen, da dort mehr Menschen sterben als geboren werden und die Zuwanderung dieses Minus nicht mehr ausgleicht.
Auch auf Gemeindeebene zeigen sich Unterschiede:
Selbst innerhalb einzelner Landkreise kann es laut Demographie-Spiegel gleichzeitig wachsende und schrumpfende Gemeinden geben.
Neben der Bevölkerungszahl verändert sich auch die Altersstruktur spürbar. Das Durchschnittsalter in Bayern steigt von derzeit 44,3 Jahren auf voraussichtlich 46,0 Jahre im Jahr 2044 – ein Anstieg um 1,7 Jahre.
Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei den älteren Menschen:
Die Zahl der Menschen ab 67 Jahren wächst von aktuell 2,51 Millionen auf rund 3,20 Millionen im Jahr 2044. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt von 19,0 Prozent auf 23,6 Prozent.
Gleichzeitig sinkt die Zahl der 20- bis 66-Jährigen um 371.000 Personen auf 7,88 Millionen. Ihr Bevölkerungsanteil geht von 62,3 Prozent auf 58,2 Prozent zurück.
Die Zahl der unter 20-Jährigen verringert sich leicht um 38.000 Personen auf 2,45 Millionen. Ihr Anteil bleibt mit rund 18 Prozent jedoch nahezu stabil.
Im Jahr 2044 werden voraussichtlich etwa 31 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren sowie knapp 41 Menschen ab 67 Jahren auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen.
Damit setzt sich der langfristige Trend einer nahezu überall in Bayern alternden Bevölkerung fort. Auch besondere Ereignisse wie die Corona-Pandemie oder die Zuwanderung von Schutzsuchenden werden diesen demographischen Wandel voraussichtlich nicht grundlegend verändern.
Bei der Vorstellung der Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann:
„Bis 2044 wächst Bayern um rund 278.000 Personen oder 2,1 Prozent auf etwa 13,53 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner an. Dabei reicht die geringe Zahl der Geburten nicht aus, um die Todesfälle auszugleichen, sodass der maßvolle Bevölkerungszuwachs insbesondere auf die Zuwanderung aus den anderen Bundesländern und dem Ausland zurückzuführen ist.“
Zudem verwies Herrmann auf die steigende Alterung, insbesondere im ländlichen Raum. Dort wird das Durchschnittsalter mit 46,9 Jahren höher liegen als in den Ballungsräumen mit 44,8 Jahren. „2044 werden etwa 18,1 Prozent der bayerischen Bevölkerung unter 20 Jahre, aber 23,6 Prozent 67 Jahre oder älter sein“, so Herrmann.
Der Minister betonte die Herausforderungen für Gesellschaft und Arbeitsmarkt: „Wir sind auch zukünftig auf gezielte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte angewiesen, die sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientieren und insbesondere die Zukunftsperspektive im ländlichen Raum nachhaltig stärken.“
Zugleich hob er Bayerns Attraktivität hervor und verwies auf die gute Sicherheitslage und niedrige Arbeitslosigkeit. Ziel sei es, stabile Lebensbedingungen in allen Regionen zu sichern und große Städte zu entlasten.
Nach aktuellen Prognosen ist Schwaben mit einem Plus von 5,2 Prozent beziehungsweise rund 100.000 Einwohnern Spitzenreiter beim Wachstum. Auch Oberbayern (+3,2 Prozent), Niederbayern (+3,1 Prozent), die Oberpfalz (+2,2 Prozent) und Mittelfranken (+0,7 Prozent) legen zu.
Für Oberfranken und Unterfranken werden dagegen leichte bis moderate Rückgänge von minus 3,3 Prozent beziehungsweise minus 1,3 Prozent erwartet – deutlich weniger als in früheren Prognosen. In einzelnen unterfränkischen Landkreisen wie Kitzingen oder Würzburg sind sogar Zuwächse absehbar.
Pressemitteilungen Bayerisches Staatsministeriums des Innern / Landesamt für Statistik / MF