Di., 25.08.2020 , 11:23 Uhr

Bayerische Studie: An zwei Dritteln der Kitas fehlt Personal

Wer in Bayern einen Kita-Platz für sein Kind gefunden hat, muss oft feststellen, dass es sehr oft leider an Personal fehlt. Zu diesem Ergebnis kommt die neuste Studie der Bertelsmann-Stiftung, die an diesem Dienstag in Gütersloh veröffentlicht werden soll. Das ist aber nicht der einzige Punkt, bei dem der Freistaat hinterher hinkt. 

 

An Bayerns Kitas gibt es viel zu wenige Erzieher. Demnach stand zum Stichtag 1. März 2019 für zwei Drittel (67 Prozent) der Kinder in den amtlich erfassten Kita-Gruppen im Freistaat nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung. Der Personalschlüssel für rund 237 000 Kita-Kinder war «nicht kindgerecht», teilte die Stiftung mit.

Rechnerisch kamen in Bayern 2019 in Krippengruppen durchschnittlich 3,7 Kinder auf eine Fachkraft. In Kindergartengruppen waren es 8,3 Kinder. Vor sechs Jahren hatte der Personalschlüssel in Krippen noch bei 1 zu 3,9 und in Kindergärten bei 1 zu 9,1 gelegen, heißt es weiter. Somit habe es für die älteren Kinder zwar eine Verbesserung der Personalausstattung gegeben, diese falle aber im Vergleich zu den Entwicklungen in anderen Bundesländern «eher mittelmäßig» aus. Nach Empfehlungen der Stiftung sollten in Krippengruppen rechnerisch 3,0 Kinder auf eine Fachkraft kommen und in Kindergartengruppen 7,5.

Die Ergebnisse des Ländermonitorings zeigten ferner, dass die Bildungschancen in Bayern wie in der Vergangenheit stark vom Wohnort abhängen: So ist eine Fachkraft im Landkreis Kulmbach (1 zu 11,5) rein rechnerisch für 4,3 Kindergartenkinder mehr verantwortlich als in Kaufbeuren (1 zu 7,2). Dies ist nach Rheinland-Pfalz und Hessen die drittgrößte regionale Streuung im Bundesvergleich.

Im Krippenbereich zeigt sich innerhalb von Bayern zudem das bundesweit größte Gefälle, so ein Fazit der Studie. In den Landkreisen Miltenberg, Rottal-Inn sowie Regensburg betreute zum Stichtag eine Fachkraft im Durchschnitt nur 3,0 Krippenkinder, während es im Landkreis Kulmbach 4,8 sind. Seit 2016 seien die regionalen Unterschiede im Krippenbereich geringer und im Kindergartenbereich größer geworden.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Gruppengrößen und das Qualifikationsniveau des pädagogischen Personals. Von allen amtlich erfassten Kita-Gruppen sind in Bayern sind 65 Prozent zu groß (bundesweit: 54,1 Prozent). Wie auch in anderen westdeutschen Bundesländern sind in Bayern die ab Dreijährigen häufiger von ungünstigen Gruppengrößen betroffen (89 Prozent) als die unter Dreijährigen (38 Prozent).

Nach wissenschaftlichen Empfehlungen sollten Gruppen für jüngere Kinder nicht mehr als zwölf Kinder umfassen, für die Älteren nicht mehr als 18. Zu große Gruppen bedeuten für die Kinder und Personal übermäßigen Stress, etwa durch Lautstärke, und können dazu führen, dass entwicklungsangemessene Aktivitäten nicht ausreichend durchgeführt werden.

Die Qualifikation des Kita-Personals ist den Angaben zufolge in Bayern im Vergleich zu den anderen Bundesländern auf einem sehr niedrigen Niveau: Von den gut 91 600 pädagogisch arbeitenden Mitarbeitern (ohne Horte) seien nur 49 Prozent als Erzieher ausgebildet. In keinem anderen Land ist der Anteil niedriger. In Bayern arbeitet hingegen ein deutlich größerer Anteil der Fachkräfte (37 Prozent) auf Assistenzniveau, beispielsweise als Kinderpflegerin oder Sozialassistentin. Dies ist bundesweit der höchste Anteil.

 

dpa/MB

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