Di., 02.08.2022 , 17:26 Uhr

Bayerische Staatsregierung will bis März 15 Prozent weniger Energie verbrauchen

Um im Winter eine Gasmangellage zu verhindern, muss möglichst viel Energie eingespart werden. Bund und EU appellieren schon länger, nun hat Bayern einen Sparplan, wenn auch nur für die Staatsverwaltung.

Weniger Klimaanlagen, weniger heizen in Büros, keine Außenbeleuchtung an staatlichen Gebäuden: Wie von der EU-Kommission angeregt will auch die bayerische Staatsregierung ihren Energieverbrauch zwischen August und Ende März um 15 Prozent senken. Das Kabinett verabschiedete dazu am Dienstag ein Fünf-Punkte-Programm, mit dem die Ministerien und die ihnen unterstellten Behörden den Verbrauch von Gas und Strom deutlich reduzieren wollen. Kritik kam umgehend vom Bund Naturschutz.

Für Bereiche in öffentlichen Gebäuden, die nicht dem ständigen Aufenthalt dienen (Verkehrs- und Technikflächen), könnten weitere Einsparungen möglich sein, wobei Schäden oder Frostschäden bei nicht beheizten Bereichen vermieden werden sollen. In Büros soll maximal auf 20 Grad geheizt werden. Auch sollen technische Anlagen für einen sparsameren Energieverbrauch optimiert werden, etwa bei der Nutzung an Wochenenden und nachts. In Sanitärbereichen soll es zudem nur noch kaltes Wasser geben, Dienstreisen sollen wenn möglich vermieden oder dafür öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden. Mitarbeitern soll zudem die Arbeit zu Hause ermöglicht werden.

«Die Versorgungslage ist sehr dramatisch», sagte Bauminister Christian Bernreiter (CSU). Angesichts der geringen Gas-Liefermengen aus Russland dürfe möglichst kein Gas mehr zur Stromproduktion verwendet werden müssen.

«Ziel der Einsparmaßnahmen ist es, dass die Gasspeicher bereits jetzt für die Wintermonate ausreichend gefüllt werden können, damit es über die kalte Jahreszeit nicht zu Versorgungsengpässen kommt und insbesondere eine regionale Gasmangellage in Süddeutschland vermieden werden kann»,

begründete die Staatskanzlei den Schritt. Zugleich solle nicht nur der Gasverbrauch für Wärme und Prozesse reduziert, sondern auch die Einsparung von elektrischer Energie forciert werden.

Auch wenn die staatlichen Gebäude zum weit überwiegenden Teil mit Strom aus Wasserkraft versorgt werden, könne der Freistaat durch Einsparung von elektrischer Energie auch zur Einsparung der Stromerzeugung aus Gas beitragen, hieß es weiter. Bernreiter appellierte an die Kommunen, die Energieeinsparmaßnahmen in eigener Verantwortung ebenfalls zu übernehmen.

Der Bund Naturschutz in Bayern kritisierte die Sparpläne als völlig unzureichend:

«Wir begrüßen es, dass die Staatsregierung mit ihren öffentlichen Gebäuden als gutes Beispiel vorangehen will. Das Ganze greift aber viel zu kurz und kommt deutlich zu spät, diese Maßnahmen hätte man schon vor Monaten umsetzen können», sagte der Vorsitzende Richard Mergner. Auch die Industrie und die privaten Haushalte sowie vor allem die Kommunen müssten jetzt Energie einsparen. «Diese unbequeme Wahrheit auszusprechen, traut sich Ministerpräsident Markus Söder aber offensichtlich nicht.»

Niemand müsse befürchten, im Winter zu erfrieren, betonte Mergner. «Im privaten Bereich sollten die Heizung lediglich ein paar Grad runtergedreht werden, ich denke, das ist den Bürgerinnen und Bürgern zuzumuten.» Stattdessen werde aber von der Staatsregierung das Schreckensgespenst Winter an die Wand gemalt, um die gefährlichen Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke durchzudrücken. «Eine völlig überzogene und realitätsfremde Reaktion.»

 

dpa

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