Mo., 24.04.2023 , 18:58 Uhr

Bad Abbach, IfE und Bayernwerk starten Piloten in die Wärmewende

Die Gemeinde Bad Abbach hat gemeinsam mit Partnern einen Kommunalen Wärmeplan entwickelt. Das Pilotprojekt soll Möglichkeiten regenerativer Wärmeerzeugung im Ort aufzeigen.

Die Bayernwerk AG (Bayernwerk) startet gemeinsam mit dem Markt Bad Abbach (Landkreis Kelheim) sowie dem Institut für Energietechnik (IfE) in die Wärmewende vor Ort: In einer Sondersitzung des Marktgemeinderates am Dienstag (18. April) haben die Gemeinderäte der Entwicklung eines Kommunalen Wärmeplans zugestimmt. In dem Pilotprojekt des Bayernwerks sollen konkrete Maßnahmen zur Umgestaltung der Wärmeerzeugung im Kurort an der Donau entwickelt werden.

Grüne und dezentrale Wärme vor Ort

Die energischen Klimaziele von Bund und Land sowie die letztjährigen Turbulenzen an den Energiemärkten haben die Gemeinden und Städte in Bayern zunehmend vor große Herausforderung gestellt, nicht zuletzt im Wärmebereich. Denn ein großer Teil der Treibhausgasemissionen in Bayern entsteht heute durch Heizen, sei es für Prozesswärme in Industrie und Gewerbe oder Heizungswärme in Ein- und Mehrfamilienhäusern, in kommunalen Schulen oder Schwimmbädern. Zum anderen hat die dramatische Gas- und Ölpreisentwicklung zum Umdenken geführt, gerade für mittlere und größere Gemeinden.

Eine Lösung bietet hierbei die „Kommunale Wärmeplanung“, die die Wechselmöglichkeiten von fossilen Energieträgern hin zur regenerativen Wärmeerzeugung in einer Kommune in kurz- bis langfristigen Plänen beschreibt. In Baden-Württemberg sowie Schleswig-Holstein ist dies für die Kommunen bereits verpflichtend. Nach den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums soll die Wärmeplanung sogar für alle Kommunen bundesweit ab einer bestimmten Größe obligatorisch werden. Zudem plant die Bundesregierung ein weitgehendes Verbot zum Einbau neuer Gas- und Ölheizungen.

Grund Genug für das Bayernwerk, schon frühzeitig einen ersten Pilotversuch zu starten. Gemeinsam mit dem Markt Bad Abbach sowie dem IfE ist dies nun gelungen.

„Das Ziel von allen Beteiligten ist, nach einer notwendigen und sehr gründlichen Bestandsanalyse zu konkreten Umsetzungsplänen zu kommen, die uns wirtschaftlich und technisch sinnvolle Energielösungen für Bad Abbach aufzeigen“,

sagte Benedikt Grünewald, 1. Bürgermeister von Bad Abbach zu Beginn der Gemeinderatssitzung.

„Für den Wohn- sowie gerade den Gewerbestandort Bad Abbach ist dies ein wichtiger Faktor, um eine weitgehend unabhängige Energieversorgung im Markt in Aussicht zu stellen“,

so der Bürgermeister weiter.

 

Konkrete Schritte für mögliche Wärmelösungen

In einem ersten Schritt wollen das Bayernwerk und das IfE eine Bestandsanalyse sowie eine Energie- und Treibhausgasbilanz für die Donaugemeinde aufstellen. Dabei werden die Gebäude- und Siedlungstypen u.a. nach Baualtersklassen erfasst sowie Energieverbrauchs- oder -bedarfserhebungen durchgeführt. Ebenso sollen die Beheizungsstruktur der Wohn- und Nichtwohngebäude sowie die Wärme- und Kälteinfrastruktur ermittelt werden – wo bestehen Gas- und Wärmenetze? Welche Heizzentralen sind angeschlossen? Welche Speicher sind im Markt installiert?

Mit dem Überblick über die gesamte Situation der Wärmeversorgung und der -bedarfe in der Donaugemeinde soll in einem zweiten Schritt eine Potenzialanalyse durchgeführt werden, die ermittelt, wo konkrete Einsparpotentiale liegen und wo es lokale Möglichkeiten zur Einbindung erneuerbarer Energie gibt. Auch Abwärmepotentiale von Gewerbe sowie Gewässern wie der Donau sollen hierbei ausgeschöpft werden.

„Wir als Bayernwerk wollen die Kommune bei diesem anspruchsvollen Weg nicht allein lassen und sektorübergreifend sowie technologieoffen alle Möglichkeiten der Wärmewende vor Ort mitdenken. Ein kommunaler Wärmeplan soll hierbei den ökonomischen wie ökologischen Grundstein legen“,

sagt Tobias Stahl, Projektleiter kommunale Wärmeplanung- beim Bayernwerk.

Wenn das Potential im Wärmemix von Bad Abbach ermittelt ist, wollen die Planer die möglichen Entwicklungspfade für ein klimaneutrales Zielszenario bis ins Jahr 2040 für das gesamte Gemeindegebiet aufzeigen. Hierbei sollen für typische Versorgungsfälle im Marktzentrum oder anderen Gemeindeteilen so genannte Wärmevollkostenvergleiche angestellt werden. Dadurch können konventionelle Energieträger und Heizungsarten wie bei Gas- oder Ölheizungen im Kostenvergleich den alternativen und regenerativen Energieträgern (z.B. Wärmepumpen, Grüne Gase) gegenübergestellt werden.

Abschließend wird ein konkreter Maßnahmenkatalog zur Erreichung der Ziele aufgestellt, der zunächst auf zwei bis drei Fokusgebiete im Gemeindegebiet zugeschnitten sein soll.

„Mithilfe des Maßnahmenkatalogs wird dargestellt, in welchen Teilen der Kommune eine zentrale Wärmeversorgungslösung, beispielsweise durch ein Wärmenetz, in welchen Zeiträumen möglich ist. Damit kann sowohl die Kommune als auch der Hausbesitzer vor Ort die Entscheidung für eine Erneuerung der eigenen Heizung in Abhängigkeit der übergeordneten Planungen treffen“,

sagt Patrick Dirr, Bereichsleiter Digitale Energiesysteme beim IfE.

Mit dem erteilten Mandat des Gemeinderates soll nun eine kommunale Steuerungsgruppe eingerichtet werden. Das Gremium wird in Abstimmung mit den beteiligten Akteuren aus Verwaltung, Behörden und Wirtschaft dann auch die Daten bereitstellen, die für das komplette Wärmebild der Gemeinde notwendig sind. In einem Abschlussbericht werden der Markt, das IfE sowie das Bayernwerk die Ergebnisse kommunale Wärmeplanung dann präsentieren.

 

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