Di., 16.03.2021 , 14:54 Uhr

Astrazeneca: Vor allem Frauen von Thrombose-Fällen betroffen

Das Paul-Ehrlich-Institut hat am Dienstag eine erste Einschätzung zu den Thrombose-Vorfällen bei Geimpften mit Astrazeneca gegeben. Vor allem jüngere Frauen seien davon betroffen. 

Die sieben Fällen einer speziellen Thrombose, die Grund des Aussetzens der Astrazeneca-Impfungen waren, betrafen Menschen zwischen etwa 20 und 50 Jahren. Das teilte das Paul-Ehrlich-Institut am Dienstag mit. Sechs davon hätten eine sogenannte Sinusvenenthrombose gehabt, alles Frauen in jüngerem bis mittlerem Alter. Ein weiterer Fall mit Hirnblutungen bei Mangel an Blutplättchen sei medizinisch sehr vergleichbar gewesen. «Alle Fälle traten zwischen 4 und 16 Tagen nach der Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff Astrazeneca auf», hieß es. Drei der sieben Betroffenen seien verstorben.

Alle zur Einschätzung herangezogenen Expertinnen und Experten seien einstimmig der Meinung gewesen, dass hier ein Muster zu erkennen und ein Zusammenhang der gemeldeten Erkrankungen mit der Astrazeneca-Impfung «nicht unplausibel» ist, hieß es vom PEI.

Die Zahl der Fälle nach einer solchen Impfung ist demnach statistisch signifikant höher als die Anzahl von Hirnvenenthrombosen, die normalerweise in der Bevölkerung ohne Impfung auftreten: «Etwa ein Fall wäre zu erwarten gewesen, sieben Fälle waren gemeldet worden.»

Von den schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen mit Blutplättchenmangel sei nicht die Altersgruppe betroffen, die ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Covid-19-Verlauf habe. Betroffen seien nicht Senioren, sondern Menschen in jüngerem bis mittlerem Alter.

«Nach Gesamtbetrachtung und Erwägung der genannten Fakten hat das Paul-Ehrlich-Institut empfohlen, die Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca in Deutschland vorsorglich auszusetzen, um die Fälle weiter zu analysieren», so das Fazit des Instituts. Experten der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) werden demnach nun im Verlauf der Woche prüfen, ob und wie sich die Erkenntnisse auf das Nutzen-Risiko-Profil des Astrazeneca-Impfstoffs und die EU-Zulassung des Impfstoffes auswirken.

 

Bund und Länder verschieben Impfgipfel

Nach dem vorläufigen Stopp von Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca vertagen Bund und Länder Entscheidungen für einen Impfstart in den Arztpraxen. Eine für diesen Mittwochabend vorgesehene Telefonkonferenz der Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten wird verschoben, bis eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zum weiteren Umgang mit Astrazeneca vorliegt, wie ein Sprecher der Bundesregierung am Dienstag mitteilte. Der vorläufige Impfstopp bringt Unsicherheit in die Planungen. Über das weitere Vorgehen ist neuer Streit entbrannt.

 

dpa/MB

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