Mi., 03.06.2026 , 18:10 Uhr

Staatsschutz ermittelt

Antisemitismus-Vorwürfe gegen Hotel im Landkreis Cham

"Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt."- diese Nachricht soll ein Hotel aus Lam nach einer Buchungsanfrage aus Israel verschickt haben. Die Nachricht wird in den sozialen Netzwerken geteilt und sorgt für internationale Debatten - und Drohungen gegen den Hotelbetreiber.

Hotel lehnt Buchung mit antisemitischer Begründung ab

Ein Hotel in Lam hat eine Buchung aus Israel mit einer antisemitischen Begründung abgelehnt. Die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Talya Lador, verurteilte das Verhalten des Hotels auf der Plattform X scharf. Demzufolge hatte dieses auf die Buchungsanfrage auf Englisch geantwortet:

«Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.»

«Das ist überhaupt nicht unser Weltbild», sagte Juniorchef Andreas Vogl auf Anfrage. «Es war definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten»,

schrieb das Hotel dem Gast in einer E-Mail, die auch an die bayerische Staatskanzlei ging.

Erklärung des Betreibers

Darin erläutern die Betreiber des Familienhotels, wie es zu der Äußerung kam. Demnach kämpfe das Hotel seit längerer Zeit mit gefälschten Buchungen und Phishing-Versuchen über eine große Buchungsplattform, bei denen Nutzerdaten gestohlen worden sein sollen.

Auch bei der Anfrage aus Israel habe man fälschlicherweise angenommen, dass es sich um einen Fake handele.

«Es ist uns aber wirklich äußerst wichtig, dass Sie verstehen, dass diese Äußerung nicht im Hinblick auf Menschen jüdischen Glaubens gemacht wurden, sondern aus Ärger über die zahlreichen Fake-Buchungen», heißt es in dem Schreiben. «Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren.»

 

Hotel lädt Gast und Familie ein

In der E-Mail lud das Hotel den Gast und dessen Familie für eine Woche kostenlos in die Oberpfalz ein, «um uns persönlich kennenzulernen, und um Ihnen zu beweisen, dass wir keine schlechten Menschen sind, die andere diskriminieren».

(Mord-)Drohungen gegen Hotel

Bei dem Hotel gehen nach Angaben von Vogl seither täglich Drohungen und Morddrohungen ein. Die Buchungsplattform habe das Hotel außerdem von der Plattform genommen. «Das ist ein Riesen-Problem», sagte Vogl. Er gehe aber nicht davon aus, dass sich trotz der Klarstellung daran etwas ändern werde.

 

Mögliche strafrechtliche Folgen

Die Justizbehörden sind bereits tätig. Der Zentrale Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Justiz habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Es gehe um den Anfangsverdacht der Volksverhetzung. Gegenstand der Ermittlungen sei zunächst «die vollständige Aufklärung des Sachverhalts». Nähere Angaben machte die Behörde nicht, stellte aber klar: «Es gilt die Unschuldsvermutung.»

Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle ordnet den Vorfall als «eindeutig antisemitische Äußerung eines Hotels im Landkreis Cham» ein. Diese habe man an die zuständigen Behörden zur Prüfung und Weiterbehandlung weitergeleitet. «Es ist wichtig, dass wir mit offenen Augen auf solche Vorfälle reagieren und konsequent handeln», so Spaenle.

Eine Überprüfung strafrechtlicher Konsequenzen hat auch der Zentralrat der Juden in Deutschland gefordert. «Die menschenverachtende Aussage „keine Juden erlaubt“ lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen», sagte Zentralratspräsident Josef Schuster. «Auch wenn ich die Entschuldigung für diese inakzeptable Äußerung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde.»

 

 

Landkreis und Markt Lam verurteilen Antisemitismus nach Hotel-Vorwürfen

Der Landkreis Cham und die Marktgemeinde Lam beziehen im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen das Hotel klar Stellung gegen Antisemitismus und jede Form von Diskriminierung. Beide betonen, dass ein solches Verhalten den Grundwerten der Region widerspreche und nicht das Bild der zahlreichen offenen und gastfreundlichen Gastgeber prägen dürfe.

Landrat Christian Schindler und Bürgermeister Paul Roßberger distanzieren sich deutlich von den erhobenen Vorwürfen. Sollten sich diese bestätigen, werde das Verhalten scharf verurteilt. Offenheit, Respekt und Gastfreundschaft seien zentrale Bestandteile des touristischen Selbstverständnisses im Landkreis Cham und in der Marktgemeinde Lam.

Der Landkreis unterstützt die laufenden Prüfungen durch den Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung und steht dazu im Austausch mit den zuständigen Behörden.

Hotel aus regionalem Marketing genommen

Zudem wurde entschieden, den betroffenen Hotelbetreiber bis auf Weiteres von den touristischen Webseiten zu sperren und aus dem regionalen Marketing zu nehmen. Gleichzeitig wird auch darauf hingewiesen, dass Anfeindungen und Drohungen gegen die Betreiber nicht akzeptabel sind und ebenfalls strafrechtlich relevant sein können.

Zentralrat: Antisemitismus-Vorfall in Hotel rechtlich prüfen

Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert nach der antisemitischen Äußerung eines bayerischen Hotels gegenüber einem Gast aus Israel eine juristische Untersuchung.

«Die menschenverachtende Aussage „keine Juden erlaubt“ lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen», sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der dpa. «Meine Erwartung ist, dass dieser Vorfall auf seine strafrechtlichen Konsequenzen überprüft wird.»

Schuster bezog sich auf die Antwort, die das «Hotel zum Hirschen» in Lam in der Oberpfalz auf eine Buchungsanfrage aus Israel geschickt hatte.

 

Zentralratspräsident: schockierender Gedankengang

Schuster kritisiert das Hotel dennoch scharf:

«Auch wenn ich die Entschuldigung für diese inakzeptable Äußerung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde.»

 

Internationale «Empörung und Trauer»

Der Imageschaden dürfte indes gewaltig sein. Weltweit hörten Überlebende der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager diese Nachricht des antisemitischen Hasses «mit Empörung und Trauer», hieß es vom Internationalen Auschwitz Komitee. Dessen Präsidentin Eva Umlauf verwies auf ein von ihr verfasstes Buch über Beobachtungen im Deutschland von heute. «Es trägt den Titel: „Genau so fängt es an“. Es ist dennoch entsetzlich, wenn meine Eindrücke jetzt auf erneute und so bizarre Weise bestätigt werden.»

Und Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees erinnert an eine Begegnung in Argentinien. «“Haben sie dort überhaupt irgendetwas gelernt?“, fragte mich eine über 90-Jährige, die als jüdisches Kind aus dem Warschauer Ghetto geschmuggelt wurde und so überlebt hat.»

dpa/JM

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