Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat dazu aufgerufen, sich vor der wachsenden Infektionsgefahr durch Zecken zu schützen. Huml verwies am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Erlangen auf die steigende Zahl der Risikogebiete für die durch Zecken übertragene Hirnhautentzündung (Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME). Die Ministerin betonte: „Von April bis Oktober ist die Gefahr am größten. Deshalb ist es jetzt höchste Zeit für eine Schutzimpfung.“

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 159 FSME-Fälle in Bayern registriert. Im Vorjahr waren es 128 Fälle. Im laufenden Jahr 2017 wurde bislang ein FSME-Fall in Bayern gemeldet, und zwar aus der Oberpfalz. Experten zufolge infizieren sich 90 Prozent der an FSME Erkrankten bei Freizeitaktivitäten.

Huml warnte: „FSME ist keine Lappalie. Denn die Folge können Entzündungen von Hirnhaut, Gehirn oder Rückenmark sein. Vor allem bei älteren Menschen kann die Erkrankung schwer verlaufen. Von den 159 FSME-Fällen aus dem vergangenen Jahr mussten 134 (84 Prozent) im Krankenhaus behandelt werden. Ein Mensch ist sogar an der FSME gestorben.“

Seit der Meldepflicht für FSME-Erkrankungen im Jahr 2001 wurden immer mehr Regionen in Bayern zum FSME-Risikogebiet erklärt. Aktuell sind bereits 83 von 96 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten FSME-Risikogebiet. Dazu zählen auch Nürnberg, Passau, Regensburg, Würzburg und Bamberg. Neu hinzugekommen ist im vergangenen Jahr der Landkreis Dachau.

Nach erfolgter Infektion treten bei rund 30 Prozent der infizierten Menschen Krankheitserscheinungen auf. Die Krankheit verläuft in zwei Phasen: Zunächst kommt es zu grippeähnlichen Symptomen mit mäßigem Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindelgefühl. Nach einem fieberfreien Intervall von etwa einer Woche bis 20 Tagen entsteht bei ca. zehn Prozent der Patienten eine Meningoenzephalitis (Hirnhaut- und Gehirnentzündung). Es besteht dabei die Gefahr von bleibenden Schäden wie Lähmungen. Bei ein bis zwei Prozent der Erkrankten führt die Erkrankung zum Tode.

Dr. Nikolaus Frühwein, Präsident der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen, erläuterte bei der gemeinsamen Pressekonferenz: „Für einen kompletten Impfschutz sind drei Impfungen innerhalb eines Jahres erforderlich. Ab 14 Tagen nach der zweiten Impfung besteht für 90 Prozent der Geimpften bereits ein Schutz. Dieser ist für die laufende Saison zunächst ausreichend.“

Frühwein fügte hinzu: „Wir empfehlen die FSME-Impfung für jeden Menschen in Bayern, der sich in Risikogebieten oft in der Natur aufhält. Die Impfung gegen FSME ist sehr gut verträglich und wird im Freistaat von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.“

Auch der Präsident des Bayerischen Jagdverbands, Professor Dr. Jürgen Vocke, rät zur Impfung: „Egal ob in der Mittagspause im Park, während der Rast beim Wandern oder als Jäger im Revier: keinesfalls direkt auf den Boden legen oder setzen! Zecken fallen nicht von Bäumen oder Sträuchern, sie sind eher faul und lassen sich von der Vegetation abstreifen. Das bedeutet, wenn Sie die Socken über die Hosenbeine ziehen oder Gummistiefel tragen, wird es den Zecken schwerer gemacht, an die Haut zu gelangen und eine Einstichstelle zu finden. Ist es passiert, hilft schnelles, richtiges Entfernen. Zumindest wird so meist eine Infektion mit den gefürchteten Borrelien verhindert. Nicht nur uns Menschen, auch Hunde können von Zecken-übertragenen Krankheiten betroffen sein. Deshalb: Schützen Sie nicht nur sich, sondern auch Ihre Vierbeiner durch Prophylaxe! Neben dem regelmäßigen Absuchen des Tierkörpers helfen hier sogenannte Spot-On-Präparate.“

Zecken können auch die gefährliche Infektionskrankheit Lyme-Borreliose übertragen. Bei ihr kann es auch Wochen bis Monate nach dem Stich noch zu schmerzhaften Nerven- und Hirnhautentzündungen kommen. Seit Beginn der Meldepflicht am 1. März 2013 wurden dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 16.602 Fälle von Lyme-Borreliose gemeldet (Stand: 10.04.2017). Im vergangenen Jahr (01.01.2016 bis 31.12.2016) waren es 4595 Fälle von Lyme-Borreliose. Im Jahr 2017 wurden bislang 160 Fälle gemeldet.

Gegen Borreliose schützt zwar keine Impfung, sie kann aber gut mit Antibiotika therapiert werden. Huml betonte: „Je früher dies geschieht, umso besser. Zudem ist es wichtig, Zecken sachgerecht und möglichst schnell vom Körper zu entfernen.“ Mit dem Nationalen Referenzzentrum am LGL leistet Bayern einen wichtigen Beitrag, Borreliose besser zu erforschen. LGL-Präsident Dr. Andreas Zapf unterstrich: „Unser Ziel ist, mehr über die Auswirkungen des Klimawandels auf Borreliose erfahren. Es profitieren bundesweit Patienten von der Forschung bayerischer Wissenschaftler.“

Pressemitteilung/MF