Wirtschaft: Metaller-Warnstreiks treffen Autoindustrie

Die 24-stündigen Warnstreiks in der Metall-und Elektroindustrie haben am Donnerstag vor allem die Autoindustrie getroffen. Mit den Kölner Ford-Werken erreichten die befristeten Arbeitsniederlegungen erstmals einen Großbetrieb in Nordrhein-Westfalen. In Bayern und Baden-Württemberg standen vor allem Autozulieferer im Fokus der IG Metall. Am Freitag sollen die Hersteller BMW, Audi, Daimler und Porsche folgen. 

Im Südwesten waren nach Angaben der Gewerkschaft am Donnerstag vor allem Bosch und Mahle betroffen. «Im Bosch-Werk in Feuerbach sind heute 14 000 Beschäftigte in der Frühschicht aufgerufen, ihre Arbeit ruhen zu lassen», sagte ein Sprecher der IG Metall. In Hessen hat die IG Metall unter anderem die Beschäftigten bei Bombardier, Rheinmetall und Volkswagen zu Warnstreiks aufgerufen. Bei VW in Baunatal gebe es zweistündige Warnstreiks in allen Schichten, sagte Elke Volkmann von der IG Metall. Nach Angaben der IG Metall Küste ruhte in Norddeutschland unter anderem bei Mercedes in Hamburg die Arbeit.

Auch in Bayern lag der Schwerpunkt auf den Autozulieferern. Die IG Metall rief zu Warnstreiks unter anderem in mehreren Werken von Bosch, bei Grammer, Mahle, Getrag, Schaeffler, ZF Gusstechnologie und Federal Mogul auf. «Am Freitag wird die IG Metall dann die Beschäftigten der bayerischen Autobauer zu ganztägigen Warnstreiks aufrufen. Alle vier BMW-Standorte und Audi in Ingolstadt werden 24 Stunden lang stillstehen», kündigte die Gewerkschaft an.

Im Südwesten stehen am Freitag die Automobilbauer Porsche und Daimler im Fokus der IG Metall. Arbeitnehmer und Arbeitgeber hatten am vergangenen Wochenende die fünfte Verhandlungsrunde im aktuellen Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie ohne Ergebnis abgebrochen. Erwartet wird, dass nach der aktuellen Warnstreikwelle möglicherweise an diesem Wochenende wieder verhandelt wird.

 

Mitteilung der IG Metall Regensburg

Die IG Metall Regensburg ruft ab Donnerstag, den 01.02.18 anlässlich der ganztägigen Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie die Beschäftigten in 8 Betrieben zur Teilnahme auf. Mit dabei sind Mahle Behr; BMW Wackersdorf; Schnellecke Wackersdorf; BLG Wackersdorf; BMW Regensburg; Webasto Convertibl. Regensburg; Rhenus Regensburg sowie Afg Regensburg.

In allen ausgewählten Betrieben haben sich die Beschäftigten in Mitgliedervoten mit überwältigender Mehrheit für ganztägige Warnstreiks ausgesprochen. Bis Samstag wird die IG Metall in Regensburg 8 Betriebe zu ganztätigen Warnstreiks aufrufen.

Jürgen Scholz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg sagt: „ Die ganztägigen Warnstreiks haben die Arbeitgeber selbst zu verantworten, weil sie den Abbruch der Verhandlungen provoziert haben. Wir werden damit jetzt den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, mit der IG Metall eine Einigung zu suchen. Die überwältigende Zustimmung bei den Mitgliedervoten unterstreicht nach der bisher höchsten Beteiligung bei den Warnstreiks ein weiteres Mal, dass die Beschäftigten bereit sind, für ihre Forderungen nach mehr Geld und mehr Zeit zu kämpfen.“

 

 

Der vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. schätzt auf Grundlagen von Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft die Kosten des gestern durch die IG Metall in Bayern organisierten Tagesstreiks auf 18 Millionen Euro. Darin sind weitere Fernwirkungen, wie zum Beispiel die Kosten von Lieferverzögerungen, noch nicht enthalten. „Bei der unnötigen Eskalation der Tarifverhandlungen durch die Tagesstreiks scheint der IG Metall der Schaden für die Unternehmen und für die Volkswirtschaft anscheinend nicht wichtig zu sein“, kommentiert vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Der vbm weist darauf hin, dass die IG Metall bei ihren materiellen Forderungen in der laufenden Tarifrunde die Entwicklung weiterer Kosten außer Acht lässt. Diese sind neben den Arbeitskosten ausschlaggebend für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Insbesondere die Verknappung zentraler Rohstoffe und deren immer teurere Beschaffung sowie die ständig steigenden Energiekosten belasten die Unternehmen. „Der Preisanstieg in den letzten Jahren strapaziert die Unternehmen und ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht“, erklärt Brossardt und fügt hinzu: „Wir fordern die IG Metall daher auf, die Tagesstreiks zu beenden und an den Verhandlungstisch zurück zu kommen. Zum Wohle der Unternehmen, der Belegschaften und des Standorts Bayern brauchen wir einen verkraftbaren Abschluss. Die Eskalation durch die Tagesstreiks ist unnötig und volkswirtschaftlich schädlich.“

 

dpa/Pressemitteilung/MF