«Wir sind Kirche» zu Kommunionsstreit: Bischöfe verspielen Autorität

Die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» fordert angesichts des schwelenden Streits unter den deutschen Bischöfen über die Kommunion eine rasche Lösung. Man empfehle den Bischöfen «dringlichst, jetzt sehr schnell zu einer einmütigen Regelung zu kommen, wenn die Bischöfe nicht noch mehr den Anschluss an die Theologie verlieren und ihre Autorität gegenüber dem Kirchenvolk verspielen wollen», sagte «Wir sind Kirche»-Sprecher Christian Weisner der Deutschen Presse-Agentur kurz vor Beginn des 101. Katholikentags in Münster am Mittwoch. 

Unter den Bischöfen ist es zum offenen Bruch über die Frage des Kommunionsempfangs für Protestanten gekommen. Sieben Geistliche hatten sich in einem Schreiben an den Vatikan gegen eine mehrheitliche Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz vom Februar gewandt. Diese sieht vor, dass im Einzelfall auch evangelische Ehepartner die Kommunion in der katholischen Eucharistiefeier offiziell empfangen dürfen. Der Vatikan hat die Bischöfe nun zu einer gemeinsamen Lösung aufgerufen.

Weisner sagte, angesichts eines «breiten und langjährigen theologischen und pastoralen Konsenses» hätten die betroffenen Ehepaare in der Zwischenzeit «die Pflicht und das Recht, ihre Kommunionspraxis in eigener Gewissensverantwortung zu regeln».

Im Streit um die Kreuze in bayerischen Behörden warf Weisner Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor, das Kreuz «als Symbol zur Abwehr gegen eine gefürchtete und herbeigeredete «Islamisierung» zu instrumentalisieren». Es handele sich um ein religiöses Zeichen – «wer es zeigt und trägt, von dem ist zu erwarten, auch entsprechend der Botschaft von Jesus zu handeln». Der Staat könne das aber nicht verordnen. «Aufgabe des Staates ist es, die Ausübung von Religion zu ermöglichen, zu fördern und zu schützen, aber neutral zu bleiben.»

Die Laienbewegung «Wir sind Kirche» war 1995 aus einem Kirchenvolksbegehren für Reformen in der katholischen Kirche entstanden.

dpa/MF