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Weiteres Schiff für Seenotretter Sea-Eye

Die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye hat am Sonntag ein neues Schiff präsentiert – es ist das vierte in der Flotte der Regensburger Organisation. Das Schiff liegt für dem Umbau in einem Hafen in Mecklenburg-Vorpommern.

„Wir brauchen einfach viel mehr Rettungsschiffe“, sagte Sprecher Gorden Isler der Deutschen Presse-Agentur. Mit der „Sea-Eye 4“ existieren ihm zufolge dann sieben Hochseeschiffe verschiedener Organisationen, die für die Seenotrettung geeignet sind. Nur eines davon, betrieben von den spanischen Seenotrettern Open Arms, sei derzeit im Mittelmeer aktiv. Die Schiffe würden jedoch regelmäßig blockiert, kritisierte er.

 

Maßgeblich finanziert werde das neue Projekt mit 434.000 Euro vom Bündnis für Seenotrettung United4Rescue mit Sitz in Hannover. Die „Sea-Eye 4“ solle möglichst schnell in den Einsatz gehen. Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff (Baujahr 1972, 55 m lang, 11 m breit) wird aktuell zum Rettungsschiff umgebaut und durch die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye betrieben. Die „Sea-Eye 4“ ist deutlich größer als die Alan Kurdi, das derzeitige Rettungsschiff der Organisation.

In den vergangenen Tagen waren Dutzende Menschen bei der Überfahrt über das Mittelmeer ertrunken. Beim Untergang eines Bootes vor der Küste Libyens kamen am Donnerstag mindestens 74 Menschen um, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitgeteilt hatte. Einen Tag zuvor hatte die spanische Hilfsorganisation Open Arms vor Libyen mehr als 110 Menschen aus Seenot gerettet. Fünf Menschen konnten nur noch tot geborgen werden. Insgesamt verloren sechs Menschen ihr Leben, darunter ein Baby.

Am Samstag retteten italienische Rettungskräfte rund 30 in Seenot geratene Migranten südlich der Insel Lampedusa, wie die Küstenwache am Sonntag mitteilte. Die Menschen waren zuvor mit ihrem Boot gekentert. Zwei Gerettete mussten von einem Arzt behandelt werden.

Nach Angaben der zu den Vereinten Nationen gehörenden IOM ertranken in diesem Jahr bislang etwa 900 Menschen im Mittelmeer beim Versuch, illegal europäisches Festland zu erreichen. 11 000 Migranten wurden wieder nach Libyen zurückgebracht, wo sie demnach von Gewalt und Ausbeutung bedroht sind. Zuletzt sei die Anzahl der Überfahrten gestiegen. In Italien seien seit Anfang Oktober mehr als 780 Ankünfte von Libyen registriert worden.

 

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dpa/sea-eye/MB