Was würde der „Brexit“ für Ostbayern bedeuten?

Ostbayerns Wirtschaft beunruhigt das Brexit-Referendum am Donnerstag. „Tritt Großbritannien aus der EU aus, trifft das die rund 240 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk, die mit dem Land Außenhandel betreiben. Darüber hinaus fürchtet die Wirtschaft negative Folgen für den gesamten EU-Binnenmarkt“, berichtet Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Vor allem der ostbayerische Export profitiert vom EU-Partner Großbritannien. 2015 wurde aus Bayern so viel auf die Insel ausgeführt, wie in kein anderes europäisches Land, Waren im Wert von rund 15 Milliarden Euro.

TVA-Gespräch mit Wirtschaftsexperten

Das sagen ostbayerische Unternehmen

Die Schwandorfer Nabaltec AG, ein Produzent für chemische Spezialprodukte, befürchtet nach dem Brexit eine Abwertung des britischen Pfunds und dadurch enorme Kursverluste. „Es ist zu erwarten, dass die Kunden in UK zumindest kurzfristig Währungsvorteile für sich reklamieren werden“, erklärt Prokurist Dr. Michael Klimes.

Beim mittelständischen Unternehmen Dehn + Söhne in Neumarkt, einem Hersteller für Blitzschutz-Apparaturen, müsste sich Vertriebsleiter Helmut Pusch nach dem Brexit eine neue Strategie für UK überlegen.

 

„Sicherlich kommt es durch den Brexit zu neuen Handelshürden und Zöllen sowie zu einer vermehrt auf nationale Belange ausgerichteten Wirtschaft, die in der Abschottung der Märkte mündet.“

 

 

Es drohe mehr Aufwand durch Zolldeklarationen und Exportkontrollen. Auch bei der Nabaltec AG fürchtet man den Zoll und in seiner Folge längere Lieferzeiten, „was wiederum zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Lieferkette führen könnte“, schätzt Klimes.

 

Bei Gammel Engineering in Abensberg befürchtet Geschäftsführer Michael Gammel weitreichende Konsequenzen eines EU-Austritts Großbritanniens.

Man habe sehr gute Kontakte zu Kunden zum Beispiel nach Schottland. Falls aber möglicherweise weitere Zoll-Hürden hinzukommen würden, könne das die Aquise neuer Kunden in Zukunft erschweren.

Einen möglichen Brexit sieht Gammel als "Nachteil für alle Seiten".

"Brexit": Wie wird abgestimmt?

An diesem Donnerstag stimmen die Briten darüber ab, ob ihr Land die EU verlassen oder in der Gemeinschaft bleiben soll. Die Wahllokale sind am Donnerstag von 07.00 Uhr morgens bis 22.00 Uhr britischer Zeit geöffnet.

Abgestimmt wird in 382 Wahlbezirken. Rund 45 Millionen registrierte Wähler sind aufgefordert, ihre Stimme abzugeben.

Die Frage auf dem Stimmzettel lautet: «Soll das Vereinigte Königreich ein Mitglied der Europäischen Union bleiben oder die Europäische Union verlassen?» Angekreuzt werden kann eine der beiden folgenden Antworten: «Ein Mitglied der EU bleiben» oder «Die Europäische Union verlassen».

MF/Pressemeldung IHK Regensburg/dpa