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Verkehrssituation in Regensburg: Handlungsbedarf ist groß

Die Verkehrsprobleme im Großraum Regensburg erschweren die betrieblichen Abläufe und sie führen zu Mehrkosten bei den Unternehmen. Das spiegeln die Ergebnisse einer Befragung zur Verkehrssituation im Großraum Regensburg von IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim und Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz wider.

"Der Verkehr in Regensburg ist ein großes Problem"

 

Am Montag stellten IHK-Präsident Michael Matt und Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber die Ergebnisse vor und sprachen Handlungsempfehlungen an die Politik aus. 63 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die aktuelle Verkehrssituation insgesamt als großes oder sehr großes Problem, 42 Prozent gar als großes oder sehr großes Problem für den eigenen Betrieb.

„Der Verkehrsdruck auf den Großraum Regensburg ist zu hoch und er wird zunehmend zum Problem für unsere Betriebe“, sagte IHK-Präsident Michael Matt, „denn Stadt und Landkreis Regensburg boomen und werden in den nächsten Jahrzehnten weiter wachsen“.

Ein wesentliches Ergebnis der Umfrage ist, dass betriebliche Abläufe durch den Verkehr enorm gestört werden. Für 59 Prozent der Befragten gehören erhebliche Verzögerungen zum Arbeitsalltag. In fast der Hälfte der Fälle muss eine Verlängerung der Fahrzeit um mehr als 25 Prozent eingeplant werden.

„Es überrascht nicht, dass die Befragten sich Sorgen über mögliche Konsequenzen machen“, sagte Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber. Viele Betriebe fürchten den Verlust von Mitarbeitern, oder dass Regensburg als Großraum insgesamt gemieden werden könnte. Auch die Verlagerung an Standorte mit besserer Verkehrsanbindung ist nicht mehr undenkbar. An eine Verbesserung dieser Situation in den nächsten fünf Jahren glaubt nur jeder Vierte.

 

Mobilitätsnetz für die Region spinnen

Mobilität ist entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung des Großraums Regensburg, sind sich die beiden Kammer-Präsidenten Matt und Haber sicher. Von Politik und Verwaltung erwarten sie, Mobilität zur Chefsache zu machen, genug finanzielle Mittel und Personal bereitzustellen und Projekte effizient umzusetzen. Etablierte Verkehrsmittel seien dabei ebenso wichtig wie neue Mobilitätsformen, Individualverkehr ebenso wie öffentliche Verkehrsmittel. Dem Fahrrad wurde von den befragten Betrieben ebenso wie dem ÖPNV und dem Schienenpersonennahverkehr zusätzliches Potenzial zugesprochen. „Kommunale Grenzen müssen dabei überwunden werden.

In der Umfrage erhielt die geplante Regensburger Stadtbahn mit Schienenverbindung in den Landkreis eine deutlich höhere Bewertung, als wenn sie an der Stadtgrenze enden würde“, berichtete Michael Matt. Die Schaffung eines 30-min-Zugtaktes zu den umliegenden Städten und Gemeinden erhielt ebenfalls eine hohe Bewertung. Gleichzeitig sei es unrealistisch anzunehmen, den „Modal Split“ von Stadt und Landkreis Regensburg binnen weniger Jahre um 180 Grad drehen zu können. Mittel- bis langfristig werden der Pkw das dominierende Verkehrsmittel in der Region bleiben. Es sei daher wichtig, attraktive Schnittstellen zwischen den Verkehrsmitteln zu schaffen. In der Umfrage zeigt sich dies beispielsweise durch eine hohe Bewertung des Ausbaus von P+R-Anlagen.

 

Regensburgs Innenstadt für alle erreichbar

Um die Innenstadt Regensburgs in ihrer Multifunktionalität mit Wohnen, Einkaufen, Tourismus, Gastronomie, Kultur und Dienstleistungen langfristig zu erhalten, muss die Erreichbarkeit für alle weiterhin gesichert sein. Dabei sollten sämtliche Verkehrsmittel Berücksichtigung finden. Insbesondere für den Einzelhandel hat ein ausreichendes Angebot an Parkmöglichkeiten für die Kunden einen hohen Stellenwert, ergibt die Umfrage. „Eine gute Erreichbarkeit der Geschäfte ist umsatzrelevant. Fehlen Parkmöglichkeiten, besteht die Gefahr, dass Kaufkraft verloren geht“, so
IHK-Präsident Michael Matt. Ähnlich betriebsrelevant sind Parkmöglichkeiten für Handwerksbetriebe. „Handwerker müssen ihre Kunden und Baustellen in der Innenstadt anfahren können, damit sie für diese auch arbeiten können“, betonte Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber.

 

Verbesserungen zügig angehen

In Stadt und Landkreis Regensburg wurden bereits einige zukunftsweisende Verkehrsprojekte erarbeitet und begonnen. Die Maßnahmen, die in der Umfrage benannt werden, hätten einen weitreichenden Effekt, sind aber teilweise ins Stocken geraten. Die Unternehmen erwarten, dass Neu- und Ausbaumaßnahmen sowie Verbesserungen zügig, kontinuierlich und abgestimmt angegangen werden. „Um spürbare Verbesserungen herbeizuführen reicht es nicht, nur Einzelmaßnahmen im Blick zu haben. Vielmehr ist ein auf aktuelle Entwicklungen abgestimmtes Konzept von Stadt und Landkreis für die Region dringend erforderlich“, sagen Matt und Haber unisono.

Die Umfrage wurde von der mafotools GmbH, Prof. Dr. Edgar Feichtner, im Auftrag der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim und der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz durchgeführt. Die Auswertung wurde auf Basis der Antworten von knapp 1.000 Unternehmen aller Größen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen sowie Handwerksbetrieben durchgeführt. Alle Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen finden Sie in der Broschüre „Mobilität im Großraum Regensburg“ als Download kostenlos unter www.ihk-regensburg.de/mobilitaetsstudie

Quelle: Pressemitteilung IHK Regensburg

 

Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt zur Studie: 

„Die Studie von IHK und HWK ist ein wichtiges Plädoyer für verkehrsplanerischen Mut und grenzübergreifendes Denken in der Region. Für sich alleine wird die Stadt Regensburg angesichts der über 70.000 Einpendler täglich kein einziges der drängenden Probleme lösen.

Klar ist: Es braucht Vernetzung mit dem Landkreis und der gesamten Region. Erstes Ziel muss es dabei sein, motorisierten Individualverkehr zu vermeiden und den ÖPNV zu stärken. Busse müssen mehr als bisher nach einem Stern- und Spinnennetzsystem verkehren. Die Schiene spielt zudem eine zentrale Rolle: Was heute als Stadtbahn diskutiert wird, muss im Ende in einer leistungsstarken Stadt-Umland-Bahn mit S-Bahn-Takt münden und besonders die arbeitsplatzintensiven Zentren der Stadt im Blick haben. Der Landkreis ist hierbei treibende Kraft.

Städte wie Karlsruhe, Gmunden oder Straßburg beweisen, was geht. Ein ausgeklügelter Ring an Pendler-Parkplätzen und Parkhäusern verknüpft die Autofahrt vom Land mit öffentlicher Mobilität im Stadtraum – im Optimalfall kostenfrei ab Parkgelegenheit: Niemand soll mehr mit dem Auto in die Stadt müssen – auch, wenn er an der eigenen Haustür damit startet. Auch hier kann Regensburg von Straßburg lernen. Bei aller Reduzierung braucht auch der Individualverkehr neue, längst überfällige Lückenschlüsse – ihre Realisierung fordert Land und Stadt in gleichem Maße.

Projekte wie die Kneitinger Brücke, die Sallerner Regenbrücke, eine optimierter Anschluss von B16 und Osttangente sowie der Ausbau des Pfaffensteiner Tunnels sind wichtige Bausteine – Autos ohne Straßen fahren nicht. Das muss allen klar sein – auch denen, die gerne jedes Projekt in Frage stellen.

Der Radverkehr muss neue Wege gehen und finden: Ein alltagstauglicher Ausbau des Radwegenetzes ist wichtig – und möglich. Der Landkreis hat mit seinem Radwegekonzept die Weichen gestellt. Für Regensburg selbst scheint mir ein simples, flächendeckend leistungsstarkes Fahrrad-Leihsystem wichtiger als jeder Elektroroller – so cool die Dinger auch scheinen mögen.

Nur, wenn der Großraum Regensburg sich als vernetzte und innovative Regiopol-Region versteht, wird er die großen Herausforderungen des weiteren Wachstums meistern.

Klar ist: Der tägliche Stau darf nicht Bremsblock unserer wirtschaftlichen Entwicklung sein.“

 

 

Quelle: Freie Wähler Landtagsfraktion