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Start des Betreuungsjahres: Viele Familien warten noch auf Plätze

Wenn Anfang September in Bayern das neue Betreuungsjahr beginnt, können längst nicht alle Kinder, die wollen, mit dem Kindergarten oder der Krippe starten – im Freistaat warten noch mehrere Hundert Familien auf einen entsprechenden Platz. Und das trotz Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr. Wie eine dpa-Umfrage zeigt, sind vor allem in den Ballungsräumen die Plätze knapp. Schuld sind neben Personalmangel und geburtenstarken Jahrgängen teilweise auch fehlende Räumlichkeiten. 

Wie viele Kinder bayernweit derzeit auf einen Betreuungsplatz warten, ist nicht erfasst. «Für die Bereitstellung bedarfsgerechter Betreuungsplätze sind die Kommunen zuständig», sagt eine Sprecherin des bayerischen Familienministeriums, landesweite Daten zur Nachfrage gebe es keine. Für Wilfried Schober, Direktor des bayerischen Gemeindetags, gibt es aber ein eindeutiges Stadt/Land-Gefälle: «Im ländlichen Raum müssen Eltern nicht oder nicht lange auf einen Betreuungsplatz warten.» In den Städten sei die Situation meist eine andere.

Ein Stadtsprecher in Augsburg bestätigt Schobers Einschätzung: Nach seinen Angaben warteten Ende Juli noch über 300 Kindergarten- und hundert Krippenkinder auf einen Betreuungsplatz. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren sei das eine deutliche Verschärfung – vor allem im Krippenbereich. So waren im Juli 2017 lediglich 20 Krippenkinder unterversorgt, im Kindergartenbereich waren es 115.

Gründe für die lange Warteliste gibt es laut Augsburger Stadtsprecher mehrere: Mehr Kinder, mehr zugezogene Familien und niedrigere Einkommen, so dass beide Elternteile wieder arbeiten müssen. Problematisch sei in Augsburg neben dem Fachkräftemangel auch der bezahlbare Wohnraum für die Betreuer und die Bezahlung. Und auch bei der Suche nach Standorten für neue Kitas tut sich die Stadt nach eigenen Angaben schwer: «Große Nachfrage nach Wohnraum macht es schwierig, Bauträger zu finden, die in kurzer Zeit Kita-Projekte realisieren», so der Sprecher.

Auch in Würzburg fahlen noch mehrere hundert Plätze. Zwar wird die Anzahl der nicht-versorgten Kinder erst zum Jahresende erhoben, doch ein Stadtsprecher geht davon aus, dass dieses Jahr fast 400 Krippen- und mehr als 260 Kindergartenkinder auf den Wartelisten stehen werden. Auch die Stadt Würzburg tut sich schwer, genügend Bauflächen für neue Kitas auszuweisen. Wie der Stadtsprecher erklärte, hat der Stadtrat daher kürzlich den Beschluss gefasst, dass Bauträger, für die neues Baurecht geschaffen wird, künftig entweder Flächen für die Betreuung zur Verfügung stellen oder sich finanziell an neuen Einrichtungen beteiligen müssen.

In Regensburg hingegen bekommen nach Angaben einer Stadtsprecherin alle angemeldeten Kinder einen Platz – wenn auch nicht alle in ihren Wunscheinrichtungen. Allerdings sei die Belegung «dichter» geworden: Die Eltern buchen täglich mehr Stunden für ihre Kinder und die Kleinen werden tendenziell in jüngerem Alter abgegeben.

«Viel Bewegung» bei den Platzanfragen gibt es nach Angaben eines Stadtsprechers noch in Nürnberg, «es kommen laufend Anfragen rein». Im Jugendamt sei man aber zuversichtlich, dass wie auch im Jahr zuvor alle Anfragen mit Rechtsanspruch auch erfolgreich vermittelt werden können. Auch in Franken herrscht aber Personalknappheit. «Zwar konnte aktuell der kommunale Träger alle Stellen zu Beginn des KiTa-Jahres besetzen. Aber die Personalsituation ist insgesamt bei den freien und dem kommunalen Träger angespannt», sagte der Sprecher. Beim Ausbaus sieht die Stadt sich im Plan, hat aber wie fast alle Städte auch Schwierigkeiten, geeignete Objekte und Grundstücke zu finden.

Wie viele Kinder in München derzeit noch auf einen Platz warten, lässt sich laut Bildungsreferat nicht genau beziffern. «Eine Aussage zu nicht versorgten Kindern ist zum momentanen Zeitpunkt nicht möglich», sagt ein Referatsprecher. Da in München die Eltern sich über das OnlinePortal KitaFinder in mehreren Einrichtungen anmelden können und womöglich trotz Platzzusagen noch auf Wartelisten stehen, werden diese derzeit bereinigt. Der Sprecher betont aber: «Die Stadt hat den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz stets erfüllt.»

Seit Start des Rechtsanspruchs 2013 hat die Stadt nach Angaben des Sprechers die Kinderbetreuungsplätze von knapp 16 000 auf mehr als 21 600 ausgebaut. In der Landeshauptstadt sind daher weniger fehlende Standorte als fehlendes Personal problematisch.

Den Personalmangel zu beheben ist auch beim bayerischem Familienministerium ein großes Thema: Laut Ministeriumssprecherin gibt es bereits Modellversuche zu alternativen Erzieherausbildungen und Weiterbildungen von Quereinsteigern. Zusätzlich wurden die Ausbildungskapazitäten erhöht. «In Bayern stieg die Zahl des pädagogischen Personals seit 2006 insgesamt um 100,4 Prozent, bezogen auf Fachkräfte sogar um 103 Prozent», sagt die Sprecherin.

dpa/MF