Bayerns Corona-Kurve flacht ab – Söder: Kein Grund zur Entwarnung

Rund zwei Wochen nach dem Start der strengen Ausgangsbeschränkungen in Bayern zeigt sich eine Verlangsamung der Corona-Neuinfektionen. Diese seien auf 9,4 Prozent gesunken, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag in München. «Die Kurve flacht leicht ab.» Derzeit verdopple sich die Zahl der Infizierten nur noch nach etwas mehr als 6 Tagen. Vor den Schulschließungen am 16. März habe sich die Zahl noch alle 2,5 Tage verdoppelt, zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen habe die Rate bei 3,8 Tagen gelegen. «Das heißt, die Maßnahmen, die wir getroffen haben, beginnen zu wirken.»

Söder betonte, dass sich die Situation ohne die getroffenen Maßnahmen in Deutschland und in Bayern «dramatisch entwickelt» hätte, vielleicht sogar eskaliert wäre. «Wir hätten Situationen wie vielleicht in Italien und anderswo.» In Bayern wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts inzwischen 20 237 Menschen positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet. Den Angaben zufolge sind bislang 307 Patienten gestorben, die mit dem Coronavirus infiziert waren.

Auch die Münchner Virologin Ulrike Protzer sieht noch keinen Grund zur Lockerung der Maßnahmen: «Wir befinden uns immer noch in einer Phase des exponentiellen Wachstums.» Ohne geschlossene Schulen und Ausgangsbeschränkungen wären aber wohl eine Million Corona-Tote in Deutschland zu befürchten gewesen, sagte die Wissenschaftlerin von der Technischen Universität München am Freitag. Mit den nun getroffenen Maßnahmen könne man davon ausgehen, dass «man diese Zahl auf deutlichst unter 100 000, hoffentlich unter 20 000 senken» könne.

Der positive Trend reiche aber noch nicht für eine Entwarnung, sagte Söder. «Wir müssen jetzt konsequent die getroffenen Maßnahmen weiter umsetzen.»

Zur Erforschung des Coronavirus werden ab Sonntag Mediziner und Wissenschaftler bei 3000 zufällig ausgewählten Haushalten in München um Blutproben für eine breit angelegte Studie bitten. «Wir sind hier in Bayern, besonders in München, ein besonderer Hotspot. Die Zahlen sind besonders hoch», sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU).

Viele Infizierte spürten nichts von ihrer Infektion, sagte Professor Michael Hoelscher, Leiter der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum der Universität München. Daher sei davon auszugehen, dass es inzwischen eine erhebliche Dunkelziffer an Infektionen gebe - Schätzungen gingen von einem bis zehn Prozent der Bevölkerung aus. Bisher fehlten in Deutschland leistungsfähige Daten zur Frage, wie viele Menschen sich schon mit Corona infiziert haben.

Das Blut werde auf Antikörper getestet. Mit der Studie könne herausgefunden werden, wie sich das Virus tatsächlich in der Gesellschaft ausgebreitet habe.

dpa

 

 

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dpa /MF