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Schleusung: LKW-Fahrer will nichts von „blinden Passagieren“ gewusst haben

Am Mittwochabend (17. August) kurz nach 21 Uhr nahm der Nachtwächter am Autohof Wernberg (BAB 93) Klopfgeräusche und Stimmen aus einem abgestellten Lkw wahr und informierte die Landespolizei. Die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberpfalz informierte daraufhin die Bundespolizeiinspektion Waidhaus. Beim Eintreffen zweier Streifen der Bundespolizei hatten Beamte der Landespolizei bereits die Zollplombe des Lkw-Aufliegers geöffnet. Auf der Ladefläche entdeckten die Polizisten schließlich sechs offensichtlich unerlaubt eingereiste männliche Personen. Den Fahrer des Lkw nahmen die Bundespolizisten daraufhin wegen des Verdachts des Einschleusens von Ausländern vorläufig fest.

Auf Grund der örtlichen Zuständigkeit übernahmen Beamte der Bundespolizeiinspektion Waldmünchen die weitere Sachbearbeitung.

Wie die bisherigen Ermittlungen ergaben, handelt es sich bei den eingeschleusten Personen um vier afghanische Staatsangehörige zwischen 14 und 17 Jahren sowie um zwei 25- und 28-jährige Männer aus Bangladesch. Für die organisierte Schleusung mit Schiff und Lkw bzw. Kastenwägen mussten die Afghanen etwa 3000 Euro bezahlen. Die bangladesischen Staatsangehörigen angeblich sogar 10.000 Euro. Unabhängig von einander gelangten sie mit Hilfe von Schleusern per Schiff in die Türkei und von dort weiter, mit Lkw oder Kastenwägen, über Bulgarien und Serbien nach Kroatien.

In Zagreb kamen die sechs Personen zusammen und bestiegen den Lkw, der sie eigentlich nach Italien hätte bringen sollen. Bereits nach fünf Stunden machten sie sich mit Klopfgeräuschen und Rufen bemerkbar, da sie meinten längst in Italien sein zu müssen. Bei jedem Halt machten sie lautstark auf sich aufmerksam. Der Fahrer, den die sechs Männer angeblich nie gesehen hatten, kümmerte sich aber nicht um sie.

Der Lkw-Fahrer bestreitet dies.  Von den „blinden Passgieren“ habe er nichts gewusst und auch keine Klopfgeräusche oder Stimmen gehört.

Die vier minderjährigen Afghanen übergab die Bundespolizei an das Jugendamt Schwandorf. Die zwei bangladesischen Staatsangehörigen machten ebenso wie die vier Afghanen ein Asylbegehren geltend. Sie wurden an die Erstaufnahmeeinrichtung Regensburg weitergeleitet.

Gegen den Lkw-Fahrer ordnete die Staatsanwaltschaft Amberg Untersuchungshaft wegen des Einschleusens von Ausländern an.

Das Amtsgericht (AG) Amberg hat den Haftbefehl mittlerweile bestätigt. Nach Eröffnung des Haftbefehls durch den Ermittlungsrichter am AG Cham wird der Beschuldigte in die JVA Amberg eingeliefert. Die weiteren Ermittlungen führt die Bundespolizeiinspektion Waldmünchen.

PM/MF