Regensburg: Wirte sperren Neonazis aus – Initiative bekommt Zivilcourage-Preis

Neonazis verprügeln in Regensburg einen Barkeeper. Statt vor der rechten Gewalt zu kuschen, zeigen die Wirte der Stadt Zivilcourage – und den Angreifern die Rote Karte. Ihre Initiative wird nun mit dem Luther-Preis ausgezeichnet.

Ein Vorfall während der Zigarettenpause eines Regensburger Barkeepers ist der Auslöser für eine ungewöhnliche Initiative gegen rechte Gewalt. Vor der Tür des Cafés Picasso beobachtet der Mann, wie drei Neonazis eine dunkelhäutige Frau mit Kind belästigen. Mutig stellt er sich vor die Mutter und verscheucht das Trio. Wenige Tage später kommen die Angreifer mit Verstärkung zurück und verprügeln den Barkeeper. Sie werden gefasst und verurteilt. Doch das genügt den Regensburger Wirten nicht. Nach dem brutalen Überfall im Sommer 2010 zeigen sie Zivilcourage und sperren die Neonazis aus ihren Kneipen und Lokalen aus.

An diesem Samstag wird die Regensburger Initiative «Keine Bedienung für Nazis» in Eisleben (Sachsen-Anhalt) mit dem renommierten Luther-Preis «Das unerschrockene Wort» ausgezeichnet. Damit werden Menschen und Initiativen geehrt, die wie der Reformator Martin Luther ihre Überzeugung mutig und standhaft gegen Widerstände verteidigen. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Namen von 16 deutschen Lutherstädten alle zwei Jahre vergeben.

«Es ist doch Wahnsinn, dass man heute als Nazi-Gegner immer noch Angst haben muss», sagt Richard Spieß, einer der Initiatoren. In Absprache mit Helga Hanusa, die für die Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus die Opfer solcher Überfälle betreut, reifte der Gedanke, eine große Allianz gegen die Neonazis aufzustellen. «Das Ziel war von Anfang an, eine große Gemeinschaft zu bilden, um das Personal und Gäste zu schützen», sagt die 60-Jährige.

In den Lokalen warben die Wirte für ihre Kampagne. Nach zwei Monaten hatten sie bereits 85 Wirte überzeugt. Ein Aufkleber an der Eingangstür der Lokale sperrt seitdem Neonazis aus: «Rassisten werden hier nicht bedient!» Zusätzlich gibt es für die Wirte einen Ratgeber. Darin sind rechtsextreme Symbole, Kleidung und für Neonazis wichtige Daten wie Hitlers Geburtstag angegeben. «So können Wirte schon bei einer Anmietung der Räume Verdacht schöpfen», erläutert Hanusa. Schließlich kämen Neonazis nicht immer mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln daher.

Außerdem gibt es Tipps, wie Barkeeper auf spontanen Besuch von Rechtsextremen reagieren sollten: «Siezen Sie ihre unerbetenen Gäste und bitten Sie diese ruhig und höflich, das Lokal zu verlassen.» Sollte dies nicht gelingen: sofort die Polizei rufen. In Regensburg haben sich mittlerweile zwei Drittel der etwa 250 Wirte in der Innenstadt der Initiative angeschlossen.

Die Polizei bewertet die Initiative positiv und unterstützt solche Maßnahmen, wie sie sagt. «Alarmiert uns ein Wirt, reagieren wir äußerst sensibel und schnell», betont der Sprecher des oberpfälzischen Polizeipräsidiums, Albert Brück. Ein spürbarer Rückgang rechtsextremer Übergriffe in Regensburg sei aber nicht zu verzeichnen.

In den vergangenen Monaten zumindest gab es nach Angaben der Wirte keinerlei Zwischenfälle mit Neonazis in den Lokalen. «In einem Fall mussten drei junge Neonazis ihre geplante Zechtour durch Regensburg sogar abbrechen, weil sie in mehreren Lokalen nacheinander nicht bedient wurden», erzählt der Sprecher der Initiative, Ludwig Simek. Es gebe bereits zahlreiche Nachahmer in Bayern und im gesamten Bundesgebiet, wie etwa Nürnberg und Lübeck.

# dpa