Regensburg: Umstrittenes Gemälde laut Gutachten kein Dürer

Das Gemälde „Die Anbetung der Könige“ aus dem Historischen Museum Regensburg stammt laut Aussage von zwei kunsthistorischen Gutachten nicht von Albrecht Dürer.

Die Zuschreibung des Gemäldes als ein Werk von Dürer hatte Historiker Dr. Rudolf Reiser nach eigenen Recherchen bei einem Pressetermin im Oktober 2016 getroffen, die Museen der Stadt Regensburg hatten nach der Pressekonferenz angekündigt, Gutachten einholen zu wollen. Diese liegen nun vor.


Video: So wurde der angebliche Dürer im Oktober präsentiert

Die Gutachten wurden bei Dr. Martin Schawe, Stellvertretender Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, und Dr. Thomas Schauerte, Leiter des Albrecht-Dürer-Hauses und der Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, in Auftrag gegeben. Die Experten bestätigten die bereits zuvor bekannte Herkunft des Gemäldes aus den Beständen der Bayerischen Staatsgemäldesammlung. Die schon 1984 von Dr. Isolde Lübbeke vorgenommene Zuschreibung des Gemäldes als ein Werk des „Meisters der Crispinuslegende“ bleibe auch weiterhin gültig, urteilte Dr. Schauerte. Eine Zuschreibung des Regensburger Tafelbildes an Albrecht Dürer bezeichnete er als abwegig.

Das Gemälde „Die Anbetung der Könige“ befindet sich seit 1962 als Dauerleihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Historischen Museum Regensburg. Die Tafel stammt laut Dr. Schawe aus der Sammlung Georg Krakau aus Berlin und wurde 1912 zusammen mit einem weiteren Gemälde bei einer Auktion versteigert. Möglicherweise kamen die Bilder 1930 in die Schweiz und wurden 1942 an Hermann Göring verkauft. „Bei Kriegsende gelangten die Tafeln als beschlagnahmtes Göring-Vermögen entsprechend den Kontrollratsdirektiven 50 und 57 in den Central Collecting Point und wurden 1961 von der Treuhandverwaltung den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen überwiesen.“ Bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen werde das Werk bis heute der Donauschule um 1530 zugeschrieben. Lübbeke wies 1984 die Tafel dem „Meister der Crispinuslegende“ zu, der mit verschiedenen anderen Kunstlandschaften in Verbindung gebracht wurde: Mainfranken, Salzburg, Niederösterreich oder zuletzt wie von Lübbeke mit Thüringen. „Allein diese Odyssee des Fachdiskurses mag die Schwierigkeit, ja die Unmöglichkeit einer eindeutigeren Zuschreibung illustrieren. Dies wird auf lange Sicht der Stand der Forschung bleiben“, heißt es in dem Gutachten von Dr. Schawe.

Alle bisher wesentlichen und wissenschaftlich belegten Erkenntnisse zu diesem Gemälde seien 1984 von Dr. Lübbeke in der Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft veröffentlicht worden, so das zweite Gutachten von Dr. Schauerte. Die durchschnittliche Qualität des Bildes zeige sich in der „Gefälligkeit der Formen und der routinierten malerischen Behandlung“. Laut Dr. Schauerte sind „die Physiognomien der Figuren, die Versatzstücke der Landschaft und Architektur sowie die Bildung der Gewandfalten von einem starken Schematismus geprägt, der sich aus der gewohnheitsmäßigen Verwendung von eigenen und fremden Vorlagen speist“. So sei etwa das „gehäufte Auftreten dekorativ-stilisierter, parallel geführter Röhrenfalten im Werk von Albrecht Dürer nirgends zu finden, ebensowenig die Reduktion von Architektur auf derart einfache, in ihrer Perspektivität im Grunde unverstandene Form.“

Dem gegenüber stünden die minutiös beobachteten und in größter Präzision wiedergegebenen komplizierten und vielteiligen Ruinenarchitekturen von Albrecht Dürer, wie sie in allen seinen Ausführungen des Themas der Anbetung der Könige zu sehen sind. Auch die Gesichter der Hauptfiguren seien deutlich stärker individualisiert als auf der Regensburger Tafel. Die für Dürer typische diffizile Schichtenmalerei, die zu einer hohen Leuchtkraft der Gewandfarben führe, hebe sich deutlich von den stumpfen Tönen ab, die auf dem Regensburger Gemälde zu sehen seien.

Auch die beiden Holzschnitte Dürers als denkbare Vorlagen zu diesem Thema werden vom anonymen Maler nicht herangezogen, so Dr. Schauerte.

Durch die „weitere stilkritische Befundung ist nicht nur keine Nähe zum malerischen und druckgrafischen Schaffen Dürers oder seiner Werkstatt gegeben; vielmehr ist die Tafel nach Malweise und Ikonographie von diesem so weit entfernt wie zu dieser Zeit überhaupt möglich“, heißt es in dem Gutachten.

Auch die von Dr. Reiser aufgeworfenen Argumente, aus den biografischen Archivalien Dürers Hinweise im Gemälde festmachen zu können, stellt Dr. Schauerte in Frage: „Aufwendige Tafelbilder mit religiöser Bestimmung hätten in den Jahrzehnten um 1500 niemals versteckte Botschaften enthalten, die sich in irgendeiner Weise schlüssig auf das Privatleben des ausführenden Künstlers beziehen ließen. Bringt er sich selbst in Form von Kryptoportraits ins Spiel, dann stets mit dem christlichen Demutsgestus einer Einreihung unter die Schergen oder die gaffende Menge als Betonung der eigenen Sündhaftigkeit.“

Die Entscheidungen für weitere mögliche naturwissenschaftliche Untersuchungen obliegen den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und werden zum gegebenen Zeitpunkt bekannt gegeben.

Pressemitteilung Stadt Regensburg/MF