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Regensburg: Studie zur Corona-Dunkelziffer im Landkreis Tirschenreuth

Mit einer gemeinsamen Studie wollen die Universitätskliniken Regensburg und Erlangen die Dunkelziffer an SARS-CoV-2-Infektionen im Landkreis Tirschenreuth bestimmen. Die Region in der Oberpfalz ist besonders stark von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Für die Studie wollen die Forscher bei 3600 der rund 72 000 Einwohner des Landkreises Tirschenreuth Blut abnehmen. Sie sollen auf Antikörper getestet werden, wie die Professoren Ralf Wagner und Klaus Überla am Freitag erläuterten.

Regensburg: Studie zur Corona-Dunkelziffer im Landkreis Tirschenreuth

Gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) stellten die Mediziner das Projekt vor. Die Studie soll Ende gestartet werden. Die Durchführung dauert etwa ein Jahr.

Die Kandidaten für die Blutproben würden nach dem Zufallsprinzip ausgesucht, sagte Wagner, Professor am Institut für Mikrobiologie der Uniklinik Regensburg. Nach einem ersten Test folgten nach jeweils vier bis sechs Monaten eine zweite und dritte Blutentnahme. So könnten die Forscher ein Bild davon bekommen, wie die Durchseuchung im Landkreis aussieht. Auch für Fragen zur Immunität und für die Impfstoffforschung seien die Ergebnisse der Studie relevant.

Außerdem erhoffen sich die Forscher aufgrund der Studie eine grundsätzliche Verbesserung von Antikörpertests, ergänzte Professor Überla vom Virologischen Institut der Uniklinik Erlangen. Bei dieses Tests gebe es noch immer eine Fehlerquote, so dass Personen fälschlicherweise positiv auf eine überstandene Infektion mit SARS-CoV-2 getestet würden.

Die Blutproben sollen von Mitarbeitern des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) genommen werden. Sie werden unterstützt von Medizinstudenten aus Regensburg und Erlangen.

Finanziert wird das Projekt vom Freistaat Bayern mit 650 000 Euro, sagte Sibler. Er setzt auf die Bereitschaft der Menschen im Landkreis Tirschenreuth, sich freiwillig an der Studie zu beteiligen. «Viele Menschen haben vermutlich Corona gehabt, ohne es bemerkt zu haben.» Die Studie könne helfen, das Coronavirus besser zu verstehen zu bekämpfen.

Tirschenreuths Landrat Roland Grillmeier (CSU) geht davon aus, dass viele Bürger bereitwillig an der Studie teilnehmen werden. «Wir sind froh und dankbar, dass wir jetzt wissenschaftliche Begleitung erhalten.» Die Bürger wollten auch wissen, warum gerade ihr Landkreis so stark betroffen ist. Ein Thema, mit dem sich eine Studie des Robert-Koch-Institutes (RKI) befasse. «Wir wollen für uns Aufklärung erhalten, aber auch einen Beitrag leisten zur Bekämpfung des Virus in Bayern und ganz Deutschland.

Im Landkreis Tirschenreuth gibt es - verglichen der Einwohnerzahl - eine besonders hohe Zahl an Corona-Infizierten. Das Landesamt für Gesundheit (LGL) meldete 1541 Infizierte pro 100 000 Einwohner (Stand: 8. Mai, 10.00 Uhr).

Im Vergleich dazu: In München gibt es je 100 000 Einwohner 414 Infizierte und in Nürnberg 192 Infizierte. Ebenfalls stark betroffen sind beispielsweise die Landkreise Wunsiedel und Rosenheim mit 862 beziehungsweise 814 Infizierten sowie die Stadt Straubing mit 812 Infizierten je 100 000 Einwohner.

dpa

 

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