Regensburg: Neues Rettungsschiff von Sea-Eye getauft

Am Sonntagvormittag (28.02.) hat die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye ihr neues, viertes Rettungsschiff auf den Namen Sea-Eye 4 getauft. Vor Ort war unter anderem Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, die auch Mitglied bei Sea-Eye ist. Taufpate des Schiffes ist ein junger Mann, der einmal selbst von Sea-Eye gerettet worden ist.

Die Pressemitteilung:

Der Taufpate, Alpha Jor Barry, ist inzwischen 18 Jahre alt und gehört zu den ersten 17 Menschen, die durch die ALAN KURDI wenige Tage nach Weihnachten am 29.12.2018 gerettet worden sind. Zwei Jahre und zwei Monate später steht er an der Seite der Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, um das vierte Rettungsschiff der Regensburger Seenotretter*innen von Sea-Eye zu taufen.

Wenn die ALAN KURDI mich damals nicht gefunden hätte, wäre ich nicht mehr am Leben. Ein Sturm zog auf, den wir in unserem kleinen Holzboot nicht überlebt hätten. Ich freue mich sehr, dass Sea-Eye ein größeres Schiff in den Einsatz bringt, um noch mehr Menschen zu retten. Ich weiß, was es bedeutet, auf hoher See in einem kleinen Boot zu treiben. Ich wünsche jedem, dass ihm*ihr in so einer Situation Hilfe geleistet wird, sagt Alpha Jor Barry, Taufpate der SEA‑EYE 4.

Die Taufe wurde von Claudia Roth eröffnet, die Sea-Eye seit Jahren als Mitglied unterstützt und regelmäßig zu Spenden aufrief.

Die Schiffstaufe der SEA‑EYE 4 ist dieser Tage ein wichtiges Zeichen für die Solidarität, die Humanität und für das praktische Eintreten für Menschenrechte. Da, wo die europäischen Regierungen ihrer Verantwortung nicht nachkommen, sind es die zivilen Seenotretterinnen und Seenotretter, die die Grundwerte der Europäischen Union und die Menschenrechte hochhalten“, sagt Claudia Roth, Bundestagsvizepräsidentin und Sea-Eye-Mitglied.

Michael Schwickart, Vorsitzender von United4Rescue fügte hinzu: „Hinter der SEA‑EYE 4 stehen die über 700 Organisationen, die unser Bündnis United4Rescue versammelt und tausende von Spenderinnen und Spendern, die nicht tatenlos zuschauen wollen, wenn Menschen ertrinken. Auch dieses zweite Bündnisschiff schicken wir gemeinsam mit vielen.

Die wenigen Besucher*innen mussten negative Corona Tests vorlegen. Groß ist die Sorge, dass ein Ausbruch die Werftarbeiten zum Erliegen bringt. Mit Atemschutzmaske und Mindestabstand folgt die Werftcrew, die das Schiff seit Monaten zum Rettungsschiff umbaut, der Taufzeremonie.

Die SEA‑EYE 4 ist das vierte und größte Rettungsschiff, das Sea-Eye bisher in den Rettungseinsatz entsandte. Sie ist das zweite Bündnisschiff, das maßgeblich durch das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierte zivile Seenotrettungsbündnis United4Rescue finanziert worden ist. Seit Oktober 2020 wird die SEA‑EYE 4 von hunderten Ehrenamtlichen zum Rettungsschiff umgebaut und soll im Frühjahr in den Einsatz starten.

Die Corona-Pandemie führt derzeit zu Verzögerungen durch Lieferschwierigkeiten und Mehrkosten im gemeinsamen Projekt von Sea-Eye und United4Rescue. Während United4Rescue bereits Spenden für die erste Mission des gemeinsamen Bündnisschiffes sammelt, benötigt Sea‑Eye noch Spenden für die Fertigstellung der aufwendigen Umbauarbeiten.

In 2021 sind laut IOM bereits 169 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Die EU-Mitgliedsstaaten setzen weiterhin auf Abschottung und schaffen damit die tödlichste Grenze der Welt. Zeitgleich ermittelt die EU gegen die eigene Grenzschutzagentur FRONTEX wegen schwerster Menschenrechtsverletzungen.

PM