© Foto links: Jakob Schötz

Regensburg: Georg Ratzinger gestorben

Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI. ist heute im Alter von 96 Jahren in Regensburg gestorben. Der emeritierte Papst hatte seinen schwer kranken Bruder erst vor Kurzem in der Domstadt besucht. Auf der Homepage des Bistums Regensburg gibt es ein Kondolenzbuch für Beileidsbekundungen. 

Georg Ratzinger wurde 1964 Domkapellmeister am Regensburger Dom und Chorleiter der Regensburger Domspatzen. 

Vor zwei Wochen hatte der emeritierte Papst Benedikt XVI. seinen Bruder das letzte Mal besucht. Bei diesem Treffen war beiden bewusst, dass sie hier voneinander Abschied nahmen. Die fünftägige Reise war kurzfristig aufgrund des sich verschlechternden Gesundheitszustands von Georg Ratzinger anberaumt worden.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bezeichnete den Besuch als "Reise der Menschlichkeit". Die Begegnungen liefen im privaten Rahmen ab, einen öffentlichen Termin gab es nicht. 

Das Verhältnis der beiden Brüder galt als sehr eng. In den vergangenen Jahren hatte Georg Ratzinger seinen Bruder des öfteren im Vatikan besucht. 

Im Stift St. Johann wird der Leichnam aufgebahrt. Dort solle man sich von Georg Ratzinger verabschieden können, so Clemens Neck, Pressesprecher der Diözese Regensburg. Es wird auch einen Sterberosenkranz geben. 

Die Termine zum Abschied von Georg Ratzinger mit Liveübertragung finden Sie hier. 

Video: Papstbruder Georg Ratzinger gestorben

Prälat Georg Ratzinger verstorben - Mitteilung aus dem Bistum Regensburg und der Regensbuger Domspatzen

Am Mittwoch, dem 1. Juli 2020 verstarb Prälat Georg Ratzinger, apostolischer Protonotar, Ehrendomherr am Regensburger Dom, Kanonikus am Kollegiatstift St. Johann und ehemaliger Domkapellmeister. Seine schwere Erkrankung und zunehmende Schwäche wurden bekannt, als der emeritierte Papst, Benedikt XVI., ihn, seinen älteren Bruder, vom 18. bis zum 22. Juni 2020 in Regensburg besuchte. Seine Wohnung in der Regensburger Luzengasse wurde daraufhin weltbekannt. Der Tod des 96-Jährigen kam nicht überraschend.

Die Mutter, Maria Ratzinger, brachte ihren ersten Sohn Georg am 15. Januar 1924 im oberbayerischen Pleiskirchen zur Welt. Der Vater, Joseph Ratzinger, arbeitete dort als Ortspolizist. Kardinal Michael von Faulhaber weihte Georg am 29. Juni 1951 zum Priester – zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Joseph. Das 70-jährige Weihejubiläum hätten beide gerne im kommenden Jahr zusammen gefeiert.

 

Am 1. Juni 1964 übernahm Georg Ratzinger das Amt des Domkapellmeisters am Regensburger Dom und verantwortete seitdem 30 Jahre lang die musikalische Leitung der Domspatzen.

1976 konnte er mit dem Chor das 1.000-jährige Bestehen feiern. Der Chor erwarb sich unter seiner Leitung internationales Renommee. Im Zentrum seines Wirkens stand immer die musikalische Entfaltung der Liturgie im Regensburger Dom. Musik war für Georg Ratzinger eine die Sinne erhebende Ausdrucksform des Gebets und der Verherrlichung Gottes.

„Sein Leben waren die Domspatzen“, sagt der aktuelle Domkapellmeister Christian Heiß. Er selbst war zu Zeiten von Georg Ratzinger ein Regensburger Chorknabe. „Ohne ihn wäre ich nicht das, was ich heute bin. Als sein Nach-Nachfolger darf ich nun wirklich das tun, was er dreißig Jahre lang mit unglaublicher und nicht nachlassender Energie und Disziplin tat: diesen wunderbaren Knabenchor auf bestmöglichem Niveau zu leiten und in die Zukunft zu führen.“ 

 

© Bistum Regensburg

Heiß bewunderte die unvergleichliche Hingabe an die Kirchenmusik, der sich Ratzinger mit Leib und Seele verschrieben hatte, sein Klangsinn, seine beständige Sorge für die Institution und seine Bescheidenheit bei allem Erfolg. Georg Ratzinger war kein Mann der großen Gebärden. Ausladend dirigierende Gestik war ihm fremd. Zu seinem großen Gespür für Töne und Klang passte eine feine und eher unauffällige Art der Chorführung, in der sich Feinsinnigkeit und Respekt vor dem Klang der Musik und der darin enthaltenen Fülle zum Ausdruck brachte. Christian Heiß sagt dazu: „Georg Ratzinger zeichnete sich durch eine gewisse Eleganz beim Dirigieren aus. Er liebte die Weichheit der Töne, des Gesangs, er suchte wie kaum ein anderer den warmen, weichen Chorklang und forderte eine Bandbreite an Dynamik.“

Georg Ratzinger wirkte nicht nur als Chorleiter, sondern auch als Komponist. Unter seinen Werken wurde die „Missa l’anno santo“ bekannt, die er dem Heiligen Jahr widmete, das Papst Johannes Paul II. zur Jahrtausendwende ausrief. Auch das achtstimmige "O du fröhliche" wird von allen Domspatzengenerationen gerne gesungen.

„Mit unserem Domkapellmeister hat sich eine Persönlichkeit von dieser Welt verabschiedet, die den Werdegang tausender Domspatzen geprägt hat. Mir werden sein musikantischer Instinkt und seine tiefe Hingabe für das Göttliche und Menschliche in Erinnerung bleiben. Seine erstaunliche Fähigkeit, sich an jeden einzelnen Domspatzen auch nach Jahrzehnten zu erinnern, ist mir noch heute unerklärlich. Für viele Domspatzen wird der „Cheef“ der immerwährende Domkapellmeister bleiben.“ So erinnert sich Thomas E. Bauer, Profi-Bariton, Intendant und Erbauer des großartigen Konzerthauses in Blaibach, selbst Domspatz von 1981 – 1990.

 

1994 übergab Georg Ratzinger sein Amt an Roland Büchner und lebte seitdem als Kanonikus des Kollegiatstifts St. Johann in Regensburg. Im Rahmen der Aufklärung von Gewalt bei den Domspatzen bedauerte er persönliche Fehler.

 

© Michael Vogl

Georg Ratzinger wirkte nicht nur als Chorleiter, sondern auch als Komponist. Unter seinen Werken wurde die Messe L’Anno Santo bekannt, die er dem Heiligen Jahr widmete, das Papst Johannes Paul II. zur Jahrtausendwende ausrief.

Seiner Schwester Maria, die am 2. November 1991 verstarb, und seinem Bruder Joseph blieb Georg Ratzinger sein ganzes Leben lang eng verbunden. Die Geschwister einte ein tiefer gemeinsamer Glaube. Sie waren einander Halt und Hilfe. Nachdem Bruder Joseph am 19. April 2005 als Benedikt XVI. zum Papst gewählt wurde, reiste Georg – bereits hochbetagt - regelmäßig in den Vatikan, um an der Seite seines Bruders zu stehen.

Bischof Rudolf Voderholzer: „Lieber Domkapellmeister, Sie waren mir ein priesterlicher Mitbruder und Ratgeber. Ihre Musik war Gebetsschule, Glaubensunterweisung und Predigt. Unzählige Eucharistiefeiern im Regensburger Dom und in anderen Kirchen verdanken Ihrem Dirigat Schönheit, Herzenswärme und Erhabenheit. Konzertsäle konnten Sie in Gebetshäuser verwandeln.
Für diesen ganz besonderen priesterlichen Dienst danke ich Ihnen in tiefer Verbundenheit – auch im Namen der Vielen, deren Herzen und Sinne Sie erfüllten.“

 

Kondolenzbuch für Beileidsbekundungen:
https://www.bistum-regensburg.de/news/heimgegangen-praelat-georg-ratzinger-7523/

 

Domspatzen werden unter Corona-Bedingungen singen

Domkapellmeister Ratzinger wird im Stiftungsgrab der Domspatzen, am unteren Katholischen Friedhof in Regensburg begraben. Alles Weitere ist derzeit in Planung.

„Seine“ Domspatzen werden in dem Rahmen, den die Corona-Beschränkungen zulassen, selbstverständlich das Requiem für ihren langjährigen Leiter musikalisch gestalten. Die konkrete Form und Formation werden geklärt und bekannt gegeben, sobald sie feststehen.

© Christine Eckert/Domspatzen

 

Pressemitteilung Bistum Regensburg / Pressemitteilung Regensburger Domspatzen

 

Unsere Berichte über Georg Ratzinger

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