Regensburg: Bistum legt Finanzen offen

Das Bistum in Regensburg hat heute Vormittag seine Finanzen offengelegt. Die Neuerung: Zum ersten Mal wurden die Bilanzen aller 20 Rechtsträger präsentiert. 

Allerdings: Ein Gesamtvermögen sei nicht zu beziffern, so Generalvikar Michael Fuchs. Nach seiner Einschätzung sei das Bistum Regensburg allerdings eines der größeren in Deutschland.

Bei dem Pressetermin präsentierte das Bistum viele Zahlen in schwindelerregender Höhe aus der Jahresbilanz für das Jahr 2017. Am höchsten lagen die Werte bei der Diözese, die als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts gilt. Das Eigenkapital liegt demnach bei 899,5 Millionen Euro. Das Nettovermögen liegt bei 154,9 Millionen. Ähnlich hoch liegt auch  das Nettovermögen der katholischen Jugendfürsorge der Diozese Regensburg e.V.. Es beläuft sich auf 153,1 Millionen Euro. Das Eigenkapital liegt bei 317,3 Millionen.

Für alle, die selbst einen Blick in die Zahlen und Bilanzen des Bistums werfen möchten, für die wurde die Seite www.zahlengesichter.de ins Leben gerufen. Die Seite enthält alle Bilanzen, alle Gewinn- und Verlustrechnungen und alle Lageberichte. Das Bistum Regensburg will der Öffentlichkeit so eine umfangreiche Transparenz der kirchlichen Finanzen bieten.

Mehr dazu erfahren Sie heute ab 18 Uhr im TVA-Journal.

 

 

Video: Bistum legt Finanzen offen

Unsere bisherige Berichterstattung:

Bereits 2016 hat das Bistum Regensburg einen Teil seiner Finanzen offengelegt - zuvor hatte man angekündigt, künftig transparenter vorgehen zu wollen.

 

 

Mitteilung von Generalvikar Michael Fuchs

vor kurzem schrieb eine Weinfirma aus dem Saarland eine Werbekarte nach Regensburg an das „Bischöfliche Domkapital“ - mit „a“ statt „e“. Der nette Schreibfehler hat etwas Wahres: Wer Gutes tut, braucht dafür Ressourcen, braucht Menschen, die sich engagieren, und braucht Finanzmittel. Dies gilt für den Sportverein und für die Gewerkschaft, für das Rote Kreuz und ebenso auch für die katholische Kirche.

Die Missbrauchsfälle und der falsche Umgang mit Geld lassen viele Menschen fragen, ob sie der Kirche noch trauen können, ob sie Gutes tut und dafür die gegebenen Mittel angemessen einsetzt. Deswegen müssen wir uns immer wieder überprüfen lassen und selbstkritisch wichtige Schritte angehen.

Um diese Überprüfung von außen ging es, als die Deutschen Bischöfe 2014 eine Initiative für mehr Finanztransparenz beschlossen haben und Maßnahmen entwickeln haben lassen. Zu dieser Initiative gehören

1. die freiwillige Übernahme der Regeln des Handelsgesetzbuches (HGB) als einheitlichen Rechnungslegungsstandard,

2. die unabhängige Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer, der den „uneingeschränkten Bestätigungsvermerk“ erteilt und

3. die Veröffentlichung der Jahresrechnung mit allen dazugehörigen Teilen. Dies sollte

4. nicht nur für die Diözese als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) gelten, sondern auch für alle „in unmittelbarem Einflussbereich des Bischofs befindlichen Stiftungen und andere Rechtsträger“. In der Diözese Regensburg als religiöse Einheit - nicht als Rechtsträger - sind dies neben der Diözese Regensburg KdöR weitere 19 Rechtsträger, zu denen etwa das Domkapitel, der Diözesancaritasverband oder die Bischöflichen Stiftungen gehören.

Diese 20 Rechtsträger sind rechtlich unabhängig und haben unterschiedliche Entscheidungsstrukturen. Wir sind eben kein einheitlich durchstrukturierter Konzern, sondern eher eine bunte Blumenwiese. Daher waren in den letzten vier Jahren viel Überzeugungsarbeit und ein gemeinsamer Wille zur Kooperation nötig. In den vergangenen zwei Pressekonferenzen haben wir Ihnen erste Ergebnisse vorgestellt. Für das Geschäftsjahr 2017 ist es nun erstmals gelungen, für alle 20 Rechtsträger diese genannten Ziele der Finanztransparenz vollständig zu erreichen. Ich freue mich daher, nach anstrengenden vier Jahren mit der heutigen Veröffentlichung Vollzug melden zu können.

Erstmals veröffentlicht heute auch die Diözese Regensburg KdöR ihre Bilanz nach HGB-Kriterien, nachdem sie ihren Haushalt schon seit Jahrzehnten nach den Standards der einfachen Kameralistik veröffentlicht hat. Dies wird wohl eine große Aufmerksamkeit hervorrufen.

Ich hoffe, dass die heute erreichte Transparenz der 20 Rechtsträger zu größerem Vertrauen in unser kirchliches Tun führt und damit klarer wird, wozu wir die Ressourcen benötigen und verwenden.

Viele Eltern geben ihre Kinder mit Freude in unsere Kindergärten, zufriedene Menschen mit Behinderung besuchen unsere Einrichtungen und Kranke auf dem Land sind froh, wenn die kirchliche Sozialstation auch ein paar Kilometer mehr zu ihnen zurücklegt. Auf der Internetseite www.zahlengesichter.de können Sie ersehen, was wir tun und für wen wir da sind. Deswegen steht die Finanztransparenzinitiative bei uns unter dem Motto „Jede Zahl hat ein Gesicht“. Jeder Euro muss für die Menschen da sein, für die wir Verantwortung übernommen haben, direkt oder indirekt. Daran werden wir gemessen. Und das ist gut.