Regensburg: Grundsteinlegung für neue Synagoge

Die jüdische Gemeinde Regensburg ist eine der ältesten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum. Ihre Geschichte ist auch die mehrfacher Vertreibung. Zuletzt wurden ihr Gotteshaus vor 78 Jahren zerstört – von Nationalsozialisten. Die Mitglieder der Gemeinde wurden erneut vertrieben und deportiert. Nun beginnen die Bauarbeiten für eine neue Synagoge.

 


Video: Grundsteinlegung für das neue jüdische Gemeindezentrum in Regensburg

 

Für die jüdische Gemeinde Regensburg geht damit ein Herzenswunsch in Erfüllung: Sie feierte heute die Grundsteinlegung für den Neubau einer Synagoge und eines jüdischen Gemeindezentrums. Von den Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro wird der Bund etwa zwei Drittel übernehmen, die Stadt stemmt ein Drittel. Der Neubau soll Ende 2018 fertiggestellt sein und 2019 eröffnet werden.

«Für uns ist die Grundsteinlegung nicht nur ein besonderes historisches Ereignis, es sichert auch die Fortführung jüdischen Lebens in dieser Stadt», sagte die Vorsitzende Ilse Danziger. Die Gemeinde in der oberpfälzischen Stadt ist nicht nur eine von 13 im Freistaat, sondern auch eine mit einer langen Geschichte.

Bereits um das Jahr 1.000 ist ein jüdisches Gemeindeleben in der Stadt belegt. Nicht mal 400 Meter vom Regensburger Dom entfernt, weihte die Gemeinde 1912 ein neues Gotteshaus ein – nicht ahnend, dass 1938 die Nationalsozialisten die Synagoge zerstören sollten.

© Staab Architekten

Foto: So soll das neue Gemeindezentrum nach der Fertigstellung aussehen

 

Ende der 1960er Jahre wurde auf dem Boden der zerstörten großen Synagoge ein Mehrzwecksaal errichtet, der zugleich als Gotteshaus, Schulungsraum, Theater- und Konzerthaus diente.

 


Video: Bei Grabungsarbeiten wurden die Grundmauern der alten Synagoge entdeckt.

 

Spenden werden immer noch gebraucht

Ein Teil des jetzigen Altbaus wird im Zuge des Neubaus saniert. Das ganze Projekt kostet rund sieben Millionen, rund zwei Millionen Euro müssen aus Spenden aufgebracht werden. Deshalb hat sich ein Förderverein nicht-jüdischer Regensburger gegründet und sammelt Spenden.

Jeder Betrag ist willkommen, ab 500 Euro hat man die Möglichkeit, einen „symbolischen Stein“ für die Synagoge zu erwerben. Auf der Webseite des Fördervereins werden Bausteine mit den Namen ihrer Spender versehen – auch Vereine, Freundeskreise, Schulen oder Firmen können sich beteiligen. Rund 300.000 Euro an Spenden sind bereits eingegangen, darunter auch größere Einzelbeträge.

So können Sie spenden:

Bitte überweisen Sie den Betrag Ihrer Wahl mit dem Verwendungszweck „Neues Jüdisches Zentrum“ auf folgendes Konto:

Förderverein Neue Regensburger Synagoge e.V.

IBAN: DE12 7505 0000 0026 5954 39; BIC: BYLADEM1RBG (Sparkasse Regensburg)

Damit Ihnen der Verein eine Spendenquittung ausstellen oder den Baustein kennzeichnen kann, senden Sie bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen und der Anschrift an info@synagoge-regensburg.de, dann wird Ihnen eine steuerlich absetzbare Spendenquittung zugesendet. Auf diesem Wege können Sie dem Verein auch mitteilen, falls Sie anonym bleiben möchten oder die Höhe der Spende nicht genannt werden soll.

Eine Möglichkeit ist auch das Benefizkonzert für die neue Regensburger Synagoge am 22. Oktober 2016 um 20 Uhr im Alten Rathaus Regensburg (Historischer Reichssaal) mit dem Raselius-Chor und Grégory Nordmann. Das musikalische Programm finden Sie auf der  Webseite des Fördervereins.

Fotos: Die feierliche Grundsteinlegung; So sollen das neue Gemeindezentrum und der Gebetsraum einmal aussehen

 

Gemeindehaus wird weiterhin gebraucht

Auch wenn das Gemeindehaus nach Fertigstellung der Synagoge Ende 2018 als Gebetshaus ausgedient hat, wird es dringend gebraucht. Die jüdische Gemeinde ist auf weit mehr als 1.000 Mitglieder angewachsen und saniert deshalb das Gebäude. Der Freistaat unterstützt die 2,5 Millionen teure Sanierung finanziell. Der Neubau der Synagoge ist doppelt so teuer. Der Bund wird von den fünf Millionen etwa zwei Drittel übernehmen, die Stadt etwa ein Drittel.

Für Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs eine Selbstverständlichkeit: «Mit der ideellen und finanziellen Unterstützung des Synagogen-Neubaus geben wir unserer jüdischen Gemeinde das zurück, was vor beinahe acht Jahrzehnten von Regensburger Bürgern zerstört worden ist», sagte der SPD-Politiker. «Ich finde, dass dies das Mindeste ist, was wir tun können.»

dpa/MF