Ratten in Bayerns Großstädten: Essensreste locken die Nager an

Ratten gehören zu den Tieren, vor denen sich viele Menschen ekeln. In einigen Städten können sie einem aber durchaus über den Weg laufen. Durch weggeworfenes Essen werden die Nager angelockt. Von einer Rattenplage sind Bayerns Großstädte allerdings weit entfernt.

 

 Sie können Krankheiten übertragen und gelten für die meisten Menschen als Inbegriff von Unhygiene und Ekel. Doch vielerorts gehören Ratten schon fast zum normalen Stadtbild. Die ungeliebten Nager ernähren sich von Essensresten und dem reich gedeckten Tisch an den meist unerwünschten Fütterungsplätzen für Tauben. «Ich bin mir sicher, dass es in jeder Stadt Ratten gibt. Damit muss der Mensch leben», sagte Juliane von Roenne-Styra, Sprecherin der Stadt Regensburg. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, sind Bayerns Großstädte jedoch weit von einer Rattenplage entfernt.

In Regensburg gehen im Amt für öffentliche Ordnung und Sicherheit jedes Jahr etwa acht bis zehn Anrufe von Bürgern ein, die eine Ratte gesehen haben. «Die Kollegen gehen der Sache dann nach, um vor Ort nach Rattenlöchern zu suchen oder die Quelle ausfindig zu machen, die die Tiere anzieht», sagte von Roenne-Styra. Werden Rattenlöcher auf öffentlichem Grund gefunden, beauftrage die Stadt einen Schädlingsbekämpfer. Auf Privatgrund müsse sich der Eigentümer selbst darum kümmern.

In Regensburg leben die Nager nach Angaben der Stadt-Sprecherin vor allem in Kanälen und im Bereich der Donau. «Dort sieht man im Sommer eher mal eine Ratte, im Winter leben sie im Untergrund.» Wie hoch die Rattenpopulation in der Stadt ist, könne man nicht sagen. «Aber eine Rattenplage haben wir ganz sicher nicht.»

In München wird der Rattenbefall in gefährdeten Gebieten ständig überprüft, teilte das Referat für Gesundheit und Umwelt mit. Sobald eine Rattenkolonie auf öffentlichen Grundstücken entdeckt wird, werde eine Firma mit der Bekämpfung beauftragt. «Ob die Rattenpopulation im Stadtgebiet in den vergangenen Jahren angestiegen oder zurückgegangen ist, kann nicht seriös geschätzt werden», sagte Behördensprecherin Martina Weinzierl. Es gebe jedoch keinerlei Anhaltspunkte für einen massiven Anstieg. Festzustellen sei lediglich, dass etwa lange Kälteperioden, das Ausmaß der Vogelfütterung, Verunreinigungen von Grundstücken und die Anzahl von Großbauprojekten das Aufkommen von Ratten beeinflussen.

Wie andernorts gibt es auch in München Bereiche, die häufig von Ratten befallen werden. Dazu gehören etwa Parkanlagen, Uferbereiche der Kanäle, Flüsse und Seen, Bahnhöfe und Kompostierungsanlagen. «Es handelt sich im allgemeinen um Örtlichkeiten, die den Ratten optimale Lebensbedingungen bieten. Dort finden sie Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten», sagte Weinzierl. Jeder Einzelne könne der Ausbreitung von Ratten entgegenwirken, indem er peinlich genau darauf achtet, den Schädlingen keine Nahrungsquelle einzurichten. «Ein sorgloses Wegwerfen von Essen und halbleeren Verpackungen im Freien ist stets eine Einladung an Ratten.»

Ratten unterliegen keiner Meldepflicht. Die Verantwortlichen in den Großstädten sind aber dankbar dafür, wenn Bürger entsprechende Beobachtungen mitteilen. «Wenn jemand Ratten sieht und uns das meldet, gehen wir der Sache auf jeden Fall nach», sagte Hermann Seider vom Gesundheitsamt in Nürnberg. Auch in der Frankenmetropole gebe es sogenannte Hotspots, wo Ratten besonders gute Lebensbedingungen vorfinden. Dazu gehörten etwa Grünflächen in der Südstadt und die Insel Schütt. Wenn dort oder an anderen Stellen vermehrt Ratten auftreten, werde eine Schädlingsbekämpfungsfirma beauftragt. Laut Seider gehen die Spezialisten unter anderem mit mit Rattengift gefüllten Köderboxen gegen die Tiere vor. «An das Innere dieser Boxen kommen Ratten dran, Hunde und Katzen aber nicht.»

Auch in Nürnberg gibt es nach Angaben des Gesundheitsamtes kein akutes Rattenproblem. Damit das so bleibt, wird die Bevölkerung zu vorbeugenden Maßnahmen aufgerufen. Dazu gehört etwa, Mülltüten nicht längere Zeit im Hinterhof oder am Straßerand abzustellen, Essensreste nicht über die Kanalisation zu entsorgen und Fleischabfälle, Knochen oder Käse nicht auf den Kompost zu werfen.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen können Ratten etwa 120 Infektionskrankheiten übertragen. «Man sollte vermeiden, einen Kadaver anzufassen», sagte eine LGL-Sprecherin. Und beim Aufräumen von Hinterlassenschaften der Tiere sollte man auf jeden Fall mit Handschuhen arbeiten. «Die Erreger sind auch über Kot übertragbar.»

dpa