Großer Erfolg: Polizei sprengt Betäubungsmittelhandel

Im September 2013 begannen die Ermittlungen, die schließlich zur Zerschlagung eines organisierten Netzwerks führten, das sich auf den gewinnträchtigen Handel mit Betäubungsmitteln konzentriert hatte. Rauschgift im Verkaufswert von geschätzten 500.000 Euro sollen die Tatverdächtigen verkauft haben. Derzeit sitzen deren fünf in Untersuchungshaft. Gegen zwei weitere wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Regensburg Haftbefehle durch den Richter am Amtsgericht Regensburg erlassen und später außer Kraft gesetzt. Schnell hatte sich die Dimensionierung des Netzwerks herausgestellt. Die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg sah sich deshalb veranlasst die sechsköpfige „Ermittlungsgruppe Konopi“ einzurichten, das tschechische Wort für Hanf. Marihuana aus Tschechien und dessen Verkauf im Großraum Regensburg waren Gegenstand der Ermittlungen. Was den Kreis der Tatverdächtigen betrifft, so sind die, abseits gängiger Klischees des Betäubungsmittelmilieus, Berufstätige, Schüler und Studenten aus gut bürgerlichem Hause. Gründer dieses Netzwerks war ein 22-jähriger Elektroniker aus Regensburg, der den Verteilerring im Schneeballprinzip aufbaute und dessen Motivation Gewinnstreben war. An seiner Seite stand ein 23-jähriger Jurastudent. Diese beiden bildeten den „Kopf“ der Organisation.

Bodyguard und Gewaltdelikte

Um bei Lieferungen oder ausstehenden Forderungen den entsprechenden  Eindruck zu vermitteln, hatte man sich einen hünenhaften Bodyguard aus Tschetschenien an die Seite gestellt. Bei einem monatlichen Einkommen von 3.000 Euro sorgte der für den Schutz der Bandenmitglieder und agierte zudem mehrfach als Geldeintreiber. Unterstützt wurde er dabei von mehreren, polizeilich wegen Gewaltdelikten bekannten Unterstützern. Säumige Zahler und vermeintliche Verräter wurden unter einem Vorwand in einen Hinterhalt gelockt und dort stundenlang festgehalten. Zwei Opfer wurden unter heftigen Schlägen bis hin zur Bewusstlosigkeit und mit massiven Drohungen gefügig gemacht. Gekauft hat die Gruppierung das Marihuana durch Kontakte ins benachbarte Tschechien, insbesondere nach Prag. Die Besorgungsfahrten, sowohl mit Pkw als auch Motorrädern, übernahmen anfangs Kuriere der Organisation. Später wurde die Ware als Serviceleistung von den Hintermännern geliefert. Jede dieser Fahrten beinhaltete den Transport von etwa zehn Kilogramm Marihuana. Die Gesamtanzahl der Fahrten liegt im zweistelligen Bereich. Nach der Auswertung der sichergestellten Unterlagen und der schon davor erlangten Kenntnisse erwirtschaftete der 22-Jährige so von Mitte 2012 bis April 2014 zwischen 400.000 und 500.000 Euro. Obwohl sich die Tatverdächtigen seit vielen Jahren durch den gemeinsamen Schulbesuch oder Freizeitbeschäftigungen kannten, gab es in den eigenen Reihen ein hohes Maß an Misstrauen und auch gewaltbereitem Verhalten.

Durchsuchungsbeschlüsse und Haftbefehle

Anfang Februar 2014 waren die verdeckt geführten kriminaltaktischen und -technischen Maßnahmen so weit vorangeschritten, dass die Staatsanwaltschaft Regensburg Durchsuchungsbeschlüsse und Haftbefehle gegen sieben Tatverdächtige beantragte. Die über den gesamten Zeitraum enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Ermittlern und Staatsanwaltschaft waren ein wesentlicher Bestandteil dieses Ermittlungserfolges. Neben Kräften der KPI Regensburg waren auch Fahnder der KPI für Zentralaufgaben Oberpfalz und tschechische Polizeibehörden  mit beteiligt. Gegen sieben Tatverdächtige erließ der Richter am Amtsgericht Regensburg Haftbefehl, die die Ermittler am 02.04.2015 vollzogen. Bei der Festnahme der Tatverdächtigen wurden Fahrzeuge, Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich und hochwertiger Schmuck beschlagnahmt. Im Rahmen der Gewinnabschöpfung  wurden zudem Bankkonten gepfändet.Trotz der relativ geringen Menge sichergestellten Rauschgifts steht auf Grund der durchgeführten Ermittlungen allerdings fest, dass es etwa 130-140  Kilogramm Marihuana waren, die von den Beschuldigten aus Tschechien bezogen und an Abnehmer verkauft wurden. Zu diesen zählten auch Mitglieder eines Rockerclubs. Daraus resultierende Ermittlungen wurden durch das Kriminalfachdezernat in München übernommen und endeten ebenfalls mit einer Vielzahl weiterer Festnahmen. Im Oktober 2014 erfolgte die Auflösung der „EG Konopi“ und die abschließenden Maßnahmen wurden innerhalb des für die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität zuständigen Fachkommissariats abgearbeitet, deren Leiter auch die Führung der „EG Konopi“ innehatte. Es sollte noch mehrere Monate dauern bis zum Abschluss der kriminalpolizeilichen Ermittlungen, eine gerade bei der Bearbeitung  von Rauschgiftdelikten  nicht ungewöhnliche Tatsache. Die polizeilichen Ermittlungen endeten in der Abgabe an die Staatsanwaltschaft Regensburg. Diese hat zwischenzeitlich Anklage zur Großen Strafkammer beim Landgericht Regensburg erhoben, wo der Prozess am 12.03.2015 beginnt.

MK/ pm